Kanton Uri

07. März 2017 16:35; Akt: 07.03.2017 16:35 Print

Polizei legt 2600 Lastwagen still

Die Urner Polizei nahm im vergangenen Jahr im Schnitt sieben Lastwagen pro Tag aus dem Verkehr. Teilweise bretterten diese mit aufgeschlitzten Pneus über die A2.

storybild

Dieser Lastwagen hatte 26 Mängel, die behoben werden musste. (Archivbild Kapo Uri)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf der Nord-Süd-Achse brettern jedes Jahr tausende Lastwagen durch den Gotthard, die zum Teil der Verkehrssicherheit spotten: Die Urner Kantonspolizei hat im letzten Jahr bei über 2600 Lastwagen derart gefährliche Mängel festgestellt, dass die Fahrzeuge stillgelegt und repariert werden mussten. «Das können kleinere Mängel wie etwa nur ein Licht sein, was innert Minuten repariert werden kann. Es gibt aber auch etliche gröbere Mängel, bei denen die Reparatur deutlich länger dauert, manchmal Tage», sagt Stefan Simmen, Chef des Urner Schwerverkehr-Zentrums.

Mit Schlitz-Pneus auf der Autobahn

Besonders krass seien jeweils Lastwagen mit gebrochenen Bremstrommeln oder durchgerissenen und damit nicht mehr funktionierenden Bremsscheiben. «Immer wieder müssen wir auch Räder und Reifen beanstanden, zum Beispiel gibt es LKWs mit seitlich aufgeschlitzten Pneus.»

«Service wird hinausgeschoben»

Aus welchen Herkunftsländern diese Lastwagen grösstenteils stammen, werde statistisch nicht erhoben. Dafür kann sich Simmen vorstellen, warum manche Spedition Lastwagen mit teils gravierenden Mängeln auf die Strasse schickt. «Die Serviceintervalle werden teilweise so lange wie möglich hinausgeschoben. Man sagt, das gehe schon noch mit diesen Pneus, und fährt los. Das kann wirtschaftliche Gründe haben.»

2016 kontrollierte die Polizei total 19'290 Schwerfahrzeuge. Bei 6036 Fahrzeugen stellte sie 10'248 Regelverstösse fest. Die Zahl der Anzeigen ging gegenüber dem Vorjahr um rund einen Achtel zurück.

Über tausend mangelhafte Reifen

90 Prozent der Verstösse betrafen die Betriebssicherheit. 991 Mal waren die Bremsen, 1136 Mal die Reifen mangelhaft. 2851 Lastwagen waren zu schwer, 1992 zu gross. 2609 Lastwagen wurden aufgrund schwerwiegender Mängel stillgelegt. 88 Mal mussten die Chauffeure umladen, weil die Fracht ungenügend gesichert oder schlecht verteilt war. 10 Mal wurden die Gefahrengutvorschriften missachtet.

847 Chauffeure verstiessen gegen die Arbeits- und Ruhezeitvorschriften. neun 9 waren ohne Führerausweis unterwegs, 26 sassen hinter dem Lenkrad, obwohl sie Alkohol getrunken hatten.

Polizeipräsenz zeigt Wirkung

Trotz diesen auf den ersten Blick hohen Zahlen zieht die Polizei insgesamt ein positives Fazit: «Natürlich stellen einige der beanstandeten Lastwagen ein Sicherheitsrisiko auf unseren Strassen dar. Aber der Gesamtüberblick zeigt, dass einige Verzeigungszahlen seit 2011 rückläufig sind.»

So nahmen im Zeitraum 2011 bis 2016 etwa die Anzeigen wegen Verstössen gegen das Arbeits- und Ruhegesetz um 50 Prozent ab.

Simmen sagt dazu: «Wir intepretieren diese Zahlen so: Die Transportunternehmer merken, dass die Polizei in Uri präsent ist und Kontrollen durchführt. Die wirklich, wirklich maroden Lastwagen sehen wir zum Beispiel immer weniger. Früher musste man nur an den Strassenrand stehen und kurz warten, schon kam der erste solche Lastwagen angefahren.»

(20 Minuten)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hellebarde am 07.03.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    An der Grenze überprüfen!

    Wieso nimmt man diese LKW erst am Gotthard, oder erst in Rothenbrunnen GR aus dem Verkehr?

    einklappen einklappen
  • Chreazzy am 07.03.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lastwagenromantik

    Mich als zukünftiger Berufskraftfahrer schockiert das nicht. Die Marktpreise werden schon längst von osteuropäischen Speditionen runtergedrückt. Die Fahrer sind wochenlang unterwegs und verdienen nicht einmal die Hälfte unseres Lohnes, inkl. ihren Spesen! Von diesen "diensttauglichen" Lastwagen muss ich gar nicht anfangen zu sprechen. Die Fahrer werden von den Firmen ins Boot gezogen, in eine LKW-Schule gesteckt und fahren für Dumping-Löhne. Schade, dass die meisten Menschen nicht bemerken, was für tickende Zeitbomben auf unseren Strassen sind, von der Kompetenz des Fahrers mal abgesehen.

    einklappen einklappen
  • Susanne Arnold am 07.03.2017 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzkontrollen

    Die Kontrollen sollten an den Grenzen geschehen, keine Weiterfahrt oder nur mit dem Zug via NEAT und zwar zu den echten Preisen und nicht jenen, wo wir noch jede Fahrt doppelt so teuer subventionieren. Dann wäre das Geld für die NEAT nicht fast sinnlos verlocht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stradale am 12.03.2017 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Herkunft

    Wie sieht die Statistik der Herkunftsländer solch maroder LKWs aus?

  • Eduard J. Belser am 08.03.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wildwestbranche

    Es bräuchte noch viel mehr und strengere Kontrollen und deutlich härtere Strafen, um solche Kamikaze-LKWs konsequent aus dem Verkehr zu ziehen und dieser verantwortungslosen Wildwest-Branche den ganz grossen Hammer zu zeigen. Die technischen Kontrollen müssten bereits in Grenznähe durchgeführt werdenEs kann doch nicht sein, dass wir für zig Millionen die NEAT bauen, um die Güter auf die Bahn zu bringen und solche Kriminelle konkurrieren mit gefährlichen, stinkenden, fahrenden Zeitbomben unsere sichere Bahn. Unsere Gesetze müssten dringendsten nachgebessert werden. Schläft unser Parlament?

    • Aaron am 09.03.2017 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eduard J. Belser

      Ja, die schlafen schon lange und das ganz fest. Und wenn einer zufällig aufwacht denkt er, ein anderer soll es machen. Schlaf der Wahnsinnigen (nicht Gerechten).

    einklappen einklappen
  • Michi H. am 08.03.2017 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Beschwerdeführer hier:

    Ich hoffe Sie haben sich nun genug beschwert. Sie alle mögen Recht haben, wenn Sie sagen "immer das Gleiche", "aus dem Osten", "Tiefpreis-Unternehmen". Warum ist das so? Haben Sie ein Auto das in der CH gebaut wurde oder auch eines das im Ausland produziert wurde? Wir alle sind die Ursache.....also lassen Sie die Beschwerden...

    • M.F Luzern am 10.03.2017 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      Autos aus der Schweiz??

      Gibt es Autos wo in der Schweiz hergestellt werden?

    einklappen einklappen
  • Cadoc am 08.03.2017 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billigtransporteure aus dem Osten der EU

    Diese Lastwagen kommen mehrheitlich aus den östlichen EU-Ländern. Auch seit der Öffnung der Grenzen gegen Osten sind viele angestammte Transportunternehmen eingegangen, weil diese für Preise fahren, wo bei einem Schweizer nicht mal die Grundkosten gedeckt sind.....

  • Schneidewind am 08.03.2017 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Potentionelle Verbrecher ?

    Wie man sieht eine äusserst seriöse Branche!

FCL.TV
Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen