Gewitter in Obwalden

01. Juni 2017 17:41; Akt: 01.06.2017 17:41 Print

Drohnenvideo zeigt Ausmass der Flutwelle

In Giswil schob eine Flutwelle 400 Kubikmeter Holz in den Sarnersee: So viel wie noch nie nach einem Unwetter in den letzten zwei Jahrzehnten.

Am Tag danach: Aufräumungsarbeiten im Sarnersee.
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In Giswil schüttete es am Mittwochabend wie aus Kübeln. Als Folge des Gewitters führte die Laui rund eine Stunde danach eine gewaltige Menge Holz vor sich her. «Bei Gewittern steigt der Wasserspiegel im Bach schlagartig an», sagt Urs Hunziker, Abteilungsleiter Naturgefahren beim kantonalen Amt für Wald und Landschaft im Kanton Obwalden. Dann komme eine Welle, die das ältere Holz, das im Bach liegt, erfasse. «Das Holz stammt von den Schutzwäldern entlang der Bäche», sagt Hunziker weiter.

«Grösste Flutwelle in den letzten 20 Jahren»

Peter Abächerli, Kommandant der Feuerwehr Giswil, hatte den Gewitterradar am Mittwoch betrachtet und die drohende Gewitterzelle über Giswil sehen können. «Es ist unmöglich, eine Flutwelle aufzuhalten, aber man kann ein wenig voraussehen, wie hoch sie kommt und wo man intervenieren kann», sagt Abächerli.

Es sei immer schwierig zu sehen, in welchem Gebiet die Gewitterzelle still stehe oder nicht. Abächerli: «Ich sah, dass die Zelle still stand, dann habe ich einen Anruf eines Bewohners bekommen, dass die Flutwelle kommt. Die Flutwelle hatte fast eine Stunde von der Gewitterzelle bis ins Dorf, also hatten wir Zeit.»

Abächerli bot 18 Feuerwehrleute von Giswil auf, um die Laui dort abzusichern, wo sie ausbrechen könnte und um weitere Gefahren zu erkennen. «Wir mussten beobachten, kontrollieren und absichern. Vor allem haben wir Schaulustige in Sicherheit gebracht und Zugangsorte abgesperrt», erklärt der Feuerwehrkommandant weiter. Er sagt: «Diese Flutwelle war die grösste, die ich in den letzten 20 Jahren gesehen habe. Ich schätze, dass etwa 400 Kubikmeter Holz bis zum See geflossen sind und zumindest gleich viel in den Bächen liegen geblieben ist.»

Schutzwälder dämmen die Flutwelle ein

Die Schutzwälder neben dem Bach erfüllen zwei wichtige Funktionen, erklärt Urs Hunziker: «So wird die sogenannte Hochwasserspitze gebrochen, dies bedeutet, dass die Flutwelle kleiner wird», so Hunziker. Zudem stabilisiere der Schutzwald den Boden, so dass dieser weniger ins Rutschen käme.

Das im Bachbett liegende Holz wird laut Hunziker jeweils etwa einmal pro Jahr in kurze Stücke gesägt. Weil dies meistens an sehr unzugänglichen Stellen passiert, wird das zerkleinerte Holz anschliessend vor Ort gelassen. Das Holz einzusammeln wäre zu teuer. Das Holz wird zerkleinert, damit keine grossen Stücke an den Brücken hängen bleiben. Dies könnte zu Überschwemmungen führen.

Schwemmholz ist wichtig für Fische

Laut Hunziker wird das Holz aus der Laui und dem Steinibach in den Sarnersee geschwemmt. Dort ist es am Donnerstagmorgen zusammen gebunden worden und von einem Team im Auftrag der Abteilung Naturgefahren aus dem See geborgen worden. Bliebe es dort, würde es eine Gefahr für Schiffe bedeuten. Das gesammelte Holz wird anschliessend sortiert und die grösseren Teile zu Holzschnitzeln für Heizungen verarbeitet. «Das übrige Kleinholz im See wird auf den Grund absinken und dient dort etwa als Fischlaichgrund», sagt Hunziker und ergänzt: «So bekommt das Schwemmholz wieder einen ökologischen Sinn.»

(dag/na)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrDi am 01.06.2017 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Endlich mal ein Video, das sich lohnt anzuschauen.

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  • Rammstein1896 am 01.06.2017 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Videos

    Schönes Video!Da sieht man mal wieder,wie die Laune der Natur sein kann.Auch das Video von gestern Abend mit der Laui ist sehr beeindruckend.

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  • Stanserhorn am 01.06.2017 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gruss aus Nidwalden

    Beeindruckende Naturgewalt aber auch professionelle Arbeit der Feuerwehr & Naturschutzbehörden! Verwerten zu Schnitzel [mag zwar eher Burger ;) ] und Aufbau von Laichgrund für Fische. Jajaa... die tschifeler chend eppis. Priis!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Buschpilot Alaska am 06.06.2017 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch kein Problem ;-)

    Ist halt so, bei Gewitter Regnet es halt ;-) in der Schweiz wird bei jedem Regentropfen gleich eine Sensation gemacht ;-) kommt doch mal zu uns nach Alaska, da würdet Ihr Staunen was die Natur für Kräfte hat ;-)

  • Butch am 02.06.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Bei so einem Kanal kann das Wasser ungehindert durchfliessen und alles mitreissen.

  • ... am 02.06.2017 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eindrücklich

    Ein sehr Schönes Video aber auch eindrücklich was fie Natur leisten kann

  • Lea Rist am 01.06.2017 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn!

    Die Schweiz geht den Bach runter. Bald ist das ehemals so reiche Land pleite - und dennoch schicken wir massenhaft Geld ins Ausland und nehmen alles auf. Unser armes Land ist total übervölkert und platzt aus allen Nähten. Schade!

    • Fred am 02.06.2017 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lea

      Was willst du uns den sagen? Ich sehe nur Holz das den Bach runter kam.

    • Claudio am 02.06.2017 08:45 Report Diesen Beitrag melden

      Bedenklich...

      Danke für diese Aussage. Sie zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Aber auch höchst bedenklich, dass es Menschen in der Schweiz gibt, die wirklich so denken...

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  • Typhoeus am 01.06.2017 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eindrucksvolle Aufnahme

    und saubere Bergung des Holzes

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