Prämienschock

26. September 2017 18:04; Akt: 26.09.2017 18:34 Print

Concordia schimpft über Kanton und hilft Kunden

Weil der Kanton Luzern spart, bluten Prämienzahler: Tausende müssen ihre Verbilligung dem Kanton zurückzahlen. Die Concordia findet das «skandalös» und zahlt für ihre Kunden.

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Der Sitz von Concordia in der Stadt Luzern. (Bild: Screenshot Google)

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Wegen Sparmassnahmen im Kanton Luzern müssen tausende Bezüger von Prämienverbilligungen bereits ausbezahlte provisorische Zahlungen zurückerstatten. Betroffen sind 7670 Haushalte. Die Krankenkasse Concordia übernimmt für ihre betroffenen Versicherten den Betrag.

Concordia übernimmt 2 Mio für 4100 Kunden

Die rund zwei Millionen Franken, die etwa 4100 Kunden ab Oktober zurückzahlen müssten, würden von einer hauseigenen Stiftung übernommen, teilte Concordia am Dienstag mit. Die Krankenkasse kritisierte den Entscheid des Kantons als «skandalös». Die Rückforderung sei ein Verstoss gegen Treu und Glauben.

Total sah der Kanton Zahlungen von 175 Millionen Franken vor. 115 Millionen Franken gehen an Sozialhilfebezüger und an Bezüger von Ergänzungsleistungen; diese sind von den Wirren um das Budget 2017 nicht betroffen. 60 Millionen waren für weitere Haushalte mit bescheidenerem Einkommen vorgesehen.

Weil wegen des Referendums gegen die geplante Steuerfusserhöhung nicht klar war, wie viel Geld zur Verfügung steht, zahlte der Kanton rund 25'000 Haushalten für die ersten neun Monate 45 Millionen Franken aus. Nach dem Nein zu den höheren Steuern steht fest, dass dieser Betrag für das ganze Jahr reichen muss und die restlichen 15 Millionen Franken nicht ausbezahlt werden können.

Ratenzahlung bei der CSS

Der Regierungsrat entschied sich dafür, Haushalte mit tieferen Einkommen zu schonen und die Prämienverbilligung bei einem eher höheren Einkommenssegment einzusparen. Das Geld eintreiben für den Kanton müssen die Krankenversicherer.

Weniger Glück haben Versicherte der Luzerner Krankenkasse CSS. Das Gesetz verlange, dass die Kasse das Geld von den Betroffenen zurückfordere, sagte eine Sprecherin im «Regionaljournal Zentralschweiz» von Radio SRF. Für die Rückerstattung der insgesamt rund 3 Millionen Franken würden die Betroffenen individuell angeschrieben und allenfalls über Ratenzahlung informiert.

Gegen die Kürzung der Prämienverbilligung hatte die Luzerner SP Anfang September eine Sammelklage gegen den Kanton lanciert. Auf einer Internetseite bietet sie Betroffenen juristische Hilfe an. Sämtliche Kosten, die entstünden, würden von der SP getragen. Sie liess die Rechtslage durch einen Sozialversicherungsexperten abklären. Dieser kam zum Schluss, dass das Vorgehen des Luzerner Regierungsrats das Bundesrecht verletze.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ib am 26.09.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unfähige Regierung

    bravo Concordia, vielen Dank, ich kann nichts dafür, dass ich in jenem Kanton leben darf, wo die Regierung unfähig ist, ein Budget zu erstellen.

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  • marart am 26.09.2017 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Gute Sache für die Betroffenen und gute Werbung für die Concordia. Win-Win für beide. Außerdem hat sie recht. Weil die Regierung Fehler macht, leiden die einfachen Bürger, die eh schon wenig haben. Sonst bräuchten sie die Verbilligung nicht.

  • Ton ton am 26.09.2017 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schildbürgers der bürgerlichen?

    Nur die Politiker, die solchen Schlamassel anrichten, müssen nicht zahlen. Nein, sie werden wie üblich fürstlich ent- und belohnt. Egal, ob gut oder schlecht gearbeitet wird, Politiker kosten immer. Besser wäre es, wenn sie gar nichts machen würden, dann bleiben die Kosten auf tiefem Niveau.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni am 29.09.2017 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brüstet

    Der Kanton Luzern brüstet sich damit die tiefste Unternehmenssteuer im Land zu haben. Wer die Zeche dafür zahlt ist ja klar.Geschenke an Wohlhabende und Reiche zu lasten der ärmern Bevölkerung.

  • Marc am 28.09.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sind Politiker noch Zeitgemäss?

    jetzt mal eine ernste Frage in die Runde: Braucht es wirklich noch Politiker? Ich meine sie denken sowieso nur an sich selbst. Wofür müssen wir diese Banden finanzieren?

  • Arnold am 28.09.2017 04:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luzern und die Kurzsichtigkeit in der Regierung!

    Was haben die tiefen Unternehmens-Steuer gebracht, gar NIX!Wie sollen die Menschen die Gelder zurück zahlen?Es sind die Menschen die auf die Prämienverbilligung angewiesen waren!!!!Es ist kurzsichtig die Unternehmen mit tiefen Steuern zu locken und die sozial schwachen mit Rückzahlungen zu bestrafen !

  • Walti W. am 27.09.2017 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Eine absolute Frechheit finde ich, dass der Kanton die Rückforderung den Kassen aufbürdet. Abggesehen davon würde es Luzern gut anstehen die vielen Firmen anzuschreiben die dann Steuergeschenken zugezogen sind. Vielleicht würde die Eine oder andere Firma ja etwas beisteuern wenn sie dafür auch öffentlich genannt wird. Ein Werbeeffekt der gut kommen könnte.

    • Peter am 28.09.2017 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walti W.

      Vor der Steuerabstimmung war klar, dass dies die Folge sein würde, das Volk hat in diesem Wissen die Steuererhöhung abgelehnt. Es ist also der Entscheid des Volkes, das gilt es zu akzeptieren.

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  • Klara am 27.09.2017 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    "..............." Klara ist mal wieder Sprachlos. Aber in Klaras Kopf schwirren die Gedanken. Dass in der Schweiz ein Kanton so mit seinen bedürftigsten Einwohnern umgeht kann Klara nicht verdauen. Obwohl Klara eigentlich ein herzensguter Mensch ist der selten bist Gedanken hat, sieht Klara vor dem inneren Auge Leibacher im Zuger Parlament und hofft, dass sich sowas nicht in Luzern ereignet. Klara ist einfach nur entsetzt.

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