Problempflanze

05. April 2017 13:29; Akt: 05.04.2017 14:18 Print

Luzerner sollen Kirschlorbeer roden

Fast in jedem zweiten Garten wächst Kirschlorbeer – die Pflanzen tauchen zunehmend auch in Wäldern auf und verursachen dort grosse Probleme. Jetzt appelliert die Stadt an Gartenbesitzer.

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Eine Stadt kämpft gegen eine Pflanze: Der Kirschlorbeer ist den Luzerner Behörden ein Dorn im Auge. Denn wenn die beliebte und pflegeleichte Heckenplanze in den Wäldern verwildert, wird der Kirschlorbeer dort zur echten Problempflanze. In die Wälder kommt die Pflanze, weil deren Samen durch Vögel dorthin gelangen.

«In den letzten Jahren taucht der ursprünglich aus Kleinasien stammende immergrüne Strauch immer häufiger in unseren Wäldern auf, wo er dichte Bestände bildet und mit seinem Blattwerk die natürliche Verjüngung des Waldes behindert», teilte die Stadt am Mittwoch mit. Der Wald wächst also wegen des Kirschlorbeers nicht mehr nach.

1000 Quadratmeter Fläche Kirschlorbeer gerodet

Die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei griffen deshalb zur Säge und Schere. In öffentlichen Anlagen auf Stadtgebiet wurde Kirschlorbeer auf einer Fläche von 1000 Quadratmeter gerodet. Und auch in den Stadtwäldern geht es dem Kirschlorbeer an den Kragen. Mit «grossem Aufwand» wurden Teile des Wesemlin-, Gigeli- und Dreilindenwalds von der Pflanze befreit, teilte die Stadt weiter mit.

Kirschlorbeer ist eine invasiven Problempflanzen

Allein: Diese Massnahmen sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Es braucht die Mithilfe von privaten Gartenbesitzern. An diese appelliert die Stadt denn auch: «Solange der Nachschub aus den angrenzenden Gärten weiterhin fast grenzenlos ist, kann sich der Kirschlorbeer immer wieder neu ansiedeln. Da beim Kirschlorbeer im Gegensatz zu anderen invasiven Problempflanzen noch kein Pflanzverbot besteht, ist es wichtig, dass Garten- und Hauseigentümerinnen freiwillig auf Neupflanzungen verzichten und bestehenden Kirschlorbeer entfernen.»

Appell an die Gartenbesitzer

Auch in der Vergangenheit hat sich die Stadt schon mit solchen Aufrufen an die Bevölkerung gewandt. «Wir hatten einige Reaktionen und konnten Beratungsgespräche führen», sagt Stefan Herfort, Projektleiter Natur- und Landschaftsschutz bei der Stadt. Es sei also durchaus so, dass eine gewisse Resonanz erzielt worden sei. «Aber natürlich erreichen wir nicht alle Besitzer, Kirchlorbeer gibt es ja fast in jedem zweiten Garten.» Mit dem neuerlichen Appell soll die Sensibilisierung aufs Thema verstärkt werden.

Statt Kirschlorbeer rät Herfort den Gartenbesitzer zu alternativen Pflanzen, vor allem zu einheimischen Wildsträuchern, die erst noch ökologisch sinnvoll sind. Herfort: «Zum Beispiel sind Hainbuche gut schneidbar, wachsen dicht und bieten so ebenfalls einen guten Sichtschutz.»

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 05.04.2017 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    wird überall verkauft

    Egal in welches Gartencentre o.Ä. man geht: alles voller Kirschlorbeer. Die Leute haben heutzutage aber auch nicht den geringsten Schimmer, was einheimische Pflanzen sind und was nicht. Das vor 100 Jahren noch völlig selbstverständliche Grundwissen der Bevölkerung über die Flora des eigenen Lebensraumes ist heute quasi komplett ausgelöscht.

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  • Bärnerin am 05.04.2017 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Einheimisches, überall......

    Dann macht auch einen Aufruf an die Gartencentren und nicht nur immer die Käufer beschuldigen, die es manchmal gar nicht wissen, es ist überall das Gleiche, packt die Übel bei der Wurzel

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  • Dagmar am 05.04.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflanze muss nicht entfernt werden

    Der Samen befindet sich in den ausgereiften Beeren. Ich schneide nach der Blüte die kompletten Blütenstände ab so dass sich keine Beeren bilden. Keine Beeren - keine Vermehrung durch Vögel. So muss die Pflanze nicht entfernt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • primula veris am 10.04.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    vor der eigenen türe kehren

    zum glück fasst er nicht überall gut, daher erübrigt sich einiges. bei unseren nachbarn wird er auch nicht gepflegt toleranz: es ist nicht mein garten!

  • Sabrina am 07.04.2017 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar. Heuchelei pur

    Fremdländische Flora und Fauna dürfen natürlich ohne Rücksicht aus unserem Land herausgehalten werden. Doppelmoral?

  • maja naef am 06.04.2017 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Blüten Düfte

    Bauernjasmin riecht so gut. Unsere Gärten duften viel zu wenig.

  • Der Dankbare am 06.04.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    importiert/verkauft

    Solange diese Pflanzen importiert/verkauft werden, müssen diese Pflanzen nicht aus den Gärten entfernt werden. Enfernt besser solche Giftige-Pflanzen von Kindergärten und Schulhäusern, damit wir Gesunde Kinder haben! Und gebt dem Förster etwas mehr Lohn damit er die Kraft und motiviation findet im Wald den Lorbeer auszureissen, und wir weiterhin gute Luft zum atmen und Wasser zum trinken bekommen...

  • prunus laurocerasus am 06.04.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    heimisch gut aklimatisierte Pflanze

    Der Nussbaum wurde vor vielen Jahren in der Schweiz Eingebürger. Er machte keine probleme und ist jetzt ein Einheimischer Baum. Der Kirschlorberbeer gilt als "heimisch gut aklimatisierte Pflanze" und soll jetzt einfach weil er stark ist, ausgerottet werden? Gebt dem Kirschlorbeer doch Zeit damit sich die "Einheimischen" um ihn herum an den Kirschlorberbeer gwöhnen können. Oder rottet ihr gleich alle starken Gruppen aus?

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