Zentralschweiz

09. Juni 2015 13:13; Akt: 09.06.2015 16:48 Print

«Gastfreundschaft soll im Ranking nach vorne»

Beim Werben um Gäste vertrauen die Zentralschweizer Touristiker auf die schöne Landschaft und lokale Attraktionen. Dabei sollten sie mehr Wert auf die Gastfreundschaft legen, sagt eine Studie.

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Ungleiche Vorstellungen: Die Zentralschweizer Touristiker unterschätzen den Wert der Gastfreundschaft. (Bild: Hochschule Luzern)

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«Unsere Gäste – unsere Freunde»: So lautet das Motto des Gästival, dem Jubiläumsanlass zur 200-jährigen Tourismusgeschichte in der Zentralschweiz. Dieses Festival nahm die Hochschule Luzern zum Anlass, herauszufinden, welchen Stellenwert die Gastfreundschaft in der Region hat.

Umfrage
Wie gastfreundlich ist der Zentralschweizer Tourismus?
11 %
25 %
38 %
26 %
Insgesamt 338 Teilnehmer

Die Studie zeigt jetzt, wie wichtig es für die Gäste ist, wie sie am Ferienort behandelt werden. Beim Ranking, welche Faktoren für einen Buchungsentscheid am wichtigsten sind, landete die Gastfreundschaft bei den befragten Gästen auf Rang 2. Wichtigeres Kriterium für die Gäste war nur noch die Unterkunft. Der Preis hingegen ist erst auf Rang 4.

Tourismus-Profis ist Gastfreundschaft nicht so wichtig

Einen tieferen Stellenwert hat die Gastfreundschaft hingegen bei denen, die sie anbieten. Aus Sicht der Touristiker kommt die Gastfreundschaft erst auf Rang 6, wenn es um Buchungentscheide geht. Als viel wichtiger nannten die befragten Tourismus-Profis die Faktoren Landschaft, Attraktionen, Preis, Unterkunft und Erreichbarkeit der Destination. Jürg Stettler, Leiter des Forschungsprojekts, sagt zu diesem Befund: «Die Branchenvertreter unterschätzen, wie wichtig Gastfreundschaft für Touristen ist. Das ist problematisch.» Gastfreundschaft sei ein Wettbewerbsfaktor: «Gäste, die das Gefühl vermittelt
bekommen, willkommen zu sein, sind zufriedener, bleiben länger, geben mehr Geld aus, kommen häufig wieder und empfehlen den Ort weiter.»

Gäste sind recht zufrieden mit der Gastfreundschaft

Weiter zeigt die Studie indes auch, dass der Umgang mit Gästen gar nicht so schlecht ist. Auf einer Skala von 1 (völlig unzufrieden) bis 7 (völlig zufrieden) benoteten die Gäste die Gastfreundschaft mit 6,2. Die Touristiker selbst gaben der gebotenen Gastfreundschaft selbstkritisch nur die Note 4,7. «Das macht deutlich, dass wir im Umgang mit unseren Gästen nicht so schlecht sind. Sie sind zufrieden mit unserer Gastfreundschaft», so Stettlers Einschätzung.

Touristiker sind selbstkritisch

Für Gästival-Sprecher Stefan Ragaz ist es gar kein so schlechtes Zeichen, dass die Tourismus-Profis ihre Gastfreundlichkeit als schlechter bewerten als die Gäste: «Die Touristiker sind selbstkritisch, dass ist eine gute Voraussetzung, um noch besser zu werden. Und das Gästival will ja genau den Stellenwert der Gastfreundschaft herausstreichen.»

Zum Befund der Studie, dass die Touristiker die Gastfreundschaft als nicht so wichtig für einen Buchungsentscheid halten, sagt Ragaz: «Wir müssen schauen, dass der weiche Faktor Gastfreundschaft im Ranking nach vorne kommt. Auch das ist genau ein Ziel des Gästival.» Er habe jedoch auch Verständnis dafür, dass in der Branche harte Faktoren wie der Preis eben auch wichtig seien.

Zentralschweiz will noch gastfreundlicher werden

Um die Gastfreundlichkeit zu verbessern, wird derweil einiges unternommen. So gibt es am Gästival beispielsweise Gastfreundlichkeitskurse, und die Hochschule bietet Workshops für Mitarbieter und Führungskräfte von touristischen Betrieben an. Zum Bespiel spionieren die Angestellten eines Hotels in einem anderen Hotel die Serviceleistungen aus und bewerten diese nachher. Zudem gibts die «Charta der Gastfeundschaft», die von 10'000 Personen unterschrieben werden soll. Wer unterschreibt, bekräftigt damit, alles zu tun, damit die Gäste sich in der Zentralschweiz gut betreut fühlen.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oigres am 09.06.2015 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Das tut NOT

    Mehr Gastfreundschaft, besseres und zuvorkommendes Personal und eventuell auch mal was gratis für die Gäste statt für alles horrende Preise abzuzocken würde nicht nur Touristen aus dem Ausland anlocken sondern auch für die Schweizer das Land wieder etwas attraktiver machen. Wenn ich aber für weniger Geld nach Österreich gehen kann und mich dort wirklich wie (der Gast ist) König fühlen kann...was soll ich dann hier? Mich von einer mürrischen Bedienung anschnauzen lassen, so dass ich mich endlich entschuldige, in das Ski- oder Wandergebiet eingedrungen zu sein? Mein Geld ist mir mehr Wert.

  • Kudi der Buddy am 09.06.2015 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dann ändert endlich etwas daran!

    Der Schweizer Tourismus wäre sehr gut beraten, endlich seine Aufwendungen in die Schulung des (meist ausländischen) Personals zu investieren. Jeder und jede, welche in der Schweiz im Tourismus arbeiten möchte, sollte zuerst einmal mindestens ein Jahr lang in Oesterreich arbeiten müssen. DORT LERNT MAN FREUNDLICHKEIT UND GASTFREUNDSCHAFT. Mit Jammern ist keinem Wirt und Hotelier geholfen. Den Worten sollen Taten folgen. Denn jedes Jahr hört man genau die gleichen Kritikpunkte. Es will mit der Freundlichkeit, der Gastfreundschaft in der Schweiz einfach nicht funktionieren. Dann ändert endlich..

  • Andre Bossi am 09.06.2015 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Boomerang

    Die wenig gastfreundliche Behandlung in Hotels und "abgegriffene" Unterkünfte fallen mir im Vergleich zu Österreich und Deutschland immer wieder auf. Schlecht trainiertes Personal (egal ob Schweizer/in oder nicht..) kommt auch öfters vor. Ein freundliches Wort, ein Lächeln würde manchmal schon Berge versetzen. Immer von mangelnder Rendite zu reden ist kontraproduktiv. Es entsteht der Eindruck, dass in Schweizer Hotels nur Druck, Frust, wenig Ertrag vorherrsche. Wer will unter diesen Vorzeichen in solche Hotels zum Entspannen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 10.06.2015 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn!!

    Gastfreundschaft ist das A und O, der Motor der Gastronomie und um das zu wissen brauchts Erfahrung und keine sogenannten "Rankings"!!!

  • Luigi Pizza am 10.06.2015 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächeln und etwas Humor

    Ein kleines Lächeln und etwas Humor könnte viel zur Freundlichkeit beitragen.

    • Carina am 10.06.2015 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Studie nicht nötig

      Dies muss keine Studie belegen, vor allem in den Städten muss man sich teils in Verbindung mit den hohen Preisen fast entschuldigen, wenn man etwas bestellen möchte. Das Bestellen des Essens und das Verlangen der Rechnung ist ein stetiger Kampf! Gastfreundschaft MUSS eine Selbstverständlichkeit sein welche Herr/Frau Schweizer nun endlich begreifen sollten. Gastronomie und Tourismus jamern dauernd, weshalb wohl?Das ist der Grund, weshalb ich Ferien nur noch im Ausland geniesse. Ich ärgere mich nicht mehr in der wohlverdienten Freizeit.

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  • Eibeler8 am 09.06.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann man nicht lernen

    Tja. Gastfreundschaft muss man haben, leben und zelebrieren. Das kann man nicht einfach so lernen. Das ist wie mit der Musik: nach Noten spielen kann man bald. Aber das Gefühl dafür muss schon vorhanden sein. Übrigens: schaut euch mal die Gastrochefs an. Die haben nur Dollarzeichen in den Augen und sind nicht wirklich Gastgeber.

  • Carlo am 09.06.2015 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da wird sich nichts ändern

    Sxhweizer Touristiker, Hoteliers und Wirte gehören zu den kritikresistentesten, menschenscheusten und -feindlichsten Berufsgruppen an. Die hätten es am liebsten, wenn der Gast nur das Geld über die Schwelle wirft und geht. Gastfreundschaft kennen die nicht

  • mike am 09.06.2015 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jetzt, Leute

    Hackt doch nicht aufeinander rum. Nehmt auch mal zur Abwechslung ein Beispiel an der griechischen Sprache. Da bedeutet das Wort "xenos" sowohl Fremder als auch Gastfreund. Beides im Blick zu haben wäre doch mal ein Ansatz, oder?

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