Der Fels muss weg

13. Juni 2012 09:19; Akt: 13.06.2012 10:45 Print

Am Montag wird am Gotthard gesprengt

Nach dem Felssturz vor einer Woche werden bei Gurtnellen UR rund 2500 Kubikmeter Gestein abgesprengt. Am nächsten Montagmittag werden deshalb die Autobahn und die Kantonsstrasse kurzzeitig gesperrt.

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Am Dienstagmorgen, kurz vor 9 Uhr, ereignete sich in Gurtnellen UR ein Felssturz. Der 29-jährige Bauarbeiter, der dabei verschüttet worden war, konnte am frühen Samstagmorgen (9. Juni) nur noch tot geborgen werden. Zwei weitere wurden mit Verletzungen ins Spital gebracht. Frontalansicht des Abbruchs am Berg. 2500 Kubikmeter Geröll donnerten auf das Bahntrassee. Hier ereignete sich das Unglück. Die Geröllmasse verschüttete die Bahnlinie. Hier ist der Berg abgebrochen. Im Bereich der Absturzstelle befand sich eine Baustelle. Gemäss einem Sprecher der Kapo Uri seien zum Unglückszeitpunkt Hangsicherungsarbeiten im Gange gewesen. Neben der Rega ist auch Heli Gotthard im Einsatz. Suchhunde werden via Helikopter zum Felssturzgebiet geflogen. Der Felshang ist nach wie vor labil. Der Verschüttete wurde deshalb noch nicht geborgen. Für die Sicherheit der Bergungsmannschaften müssen zuerst geologische Abklärungen durchgeführt werden. Damit wolle man verhindern, dass Nachstürze weitere Personen verletzten, erklärte ein Polizeisprecher. Die Wahrscheinlichkeit, den Verschütteten lebend bergen zu können, sei klein, sagte der Bauführer und Chef der Arbeiter. «Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.» Für Adrian Pfiffner, Geologe und Professor für Tektonik an der Uni Bern, steht fest: Die Regenfälle der letzten Tage haben die Katastrophe ausgelöst. «In das zerklüftete Gestein läuft Wasser, dadurch verlieren sie ihren Halt», so Pfiffner. Die Kantonsstrasse ist gesperrt. Ein gestrandeter Güterzug bei Gurtnellen: Die Gotthardstrecke bleibt mindestens drei Tage gesperrt. Glücklicherweise war kein Zug auf der Strecke, als der Fels ins Tal donnerte. «Es wurden keine Wagen getroffen und somit keiner unserer Passagiere verletzt», sagte SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Die Gotthardstrecke bleibe aber laut Pallecchi bis mindestens Mittwoch unterbrochen. Es verkehren Bahnersatzbusse zwischen Flüelen und Göschenen. Es muss allerdings mit erheblichen Verspätungen gerechnet werden. In Bellinzona mussten die Passagiere nochmals umsteigen. Leser-Reporter Kurt Lieberherr, der sich im ersten Ersatzzug befand, kam mit rund einer Stunde Verspätung in Lugano an. Der Felssturz ist kein Einzelfall. Immer wieder erschütterten Steinschläge das Gebiet bei Gurtnellen. Bereits am 12. März dieses Jahres gab es einen Kilometer unterhalb des Bahnhofs Gurtnellen einen Steinschlag. Verletzt wurde niemand. Im April 2009 verschüttete eine Nassschneelawine die Autobahngalerie bei Gurtnellen. Die Lawine forderte keine Opfer, aber die Kantonsstrasse bieb einige Tage gesperrt. Im Mai 2006 forderte ein Steinschlag bei Gurtnellen zwei Menschenleben. Um 06.45 Uhr ging der Felssturz mit einem Volumen von gegen 10 000 Kubikmeter auf die Autobahn nieder. Ein 64-jähriger Mann und seine 60-jährige Frau aus Deutschland starben. Zudem wurden zwei Lastwagenchauffeure verletzt. Sie befanden sich auf dem Rastplatz und schliefen, als der Felssturz niederging. Die Räumung der bis zu 125 Tonnen schweren Blöcke war schwierig. Wegen der anhaltenden Felssturzgefahr blieb die Autobahn mehrere Wochen gesperrt. Der instabile Felshang über Gurtnellen wurde gesprengt. Ein Jahr zuvor, im März 2005, durchschlugen zwei je fünf Kubikmeter grosse Felsbrocken bei Gurtnellen die Schutznetze und stürzten auf die Autobahn. Zwei Autofahrer kollidierten mit den Steinblöcken, blieben jedoch unverletzt. April 2003: Ein Felsbrocken durchschlug eine Autobahngallerie bei Gurtnellen. Verletzt wurde niemand.

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Rund 2500 Kubikmeter Fels werden am Montag, 18. Juni um 12.30 Uhr bei Gurtnellen abgesprengt. Diese Gesteinsmenge sei von Geologen und weiteren Fachleuten als absturzgefährdet eingestuft worden, teilen die SBB mit. Nach der erfolgten Sprengung und weiteren Sicherungsarbeiten könne mit den Aufräum- und Instandstellungsarbeiten an der Gotthardbahnlinie angefangen werden.

Während der Sprengung werden die Autobahn A2 und die Kantonsstrasse kurzzeitig für sämtlichen Verkehr gesperrt. Das Gebiet müsse weiträumig abgesperrt werden, heisst es in der SBB-Mitteilung, denn die zu sprengende Felsmasse sei etwa zehnmal grösser als jene im März, als am gleichen Ort gesprengt wurde.

Kein Platz für Zuschauer

Platz für Schaulustige gäbe es wegen der engen Platzverhältnisse im Reusstal nicht, wird weiter mitgeteilt. Nebst den Strassen würden aus Sicherheitsgründen auch Wanderwege im Sprenggebiet weiträumig abgesperrt. 20 Minuten Online überträgt die Sprengung am Montag live.

Am 5. Juni stürzten bei Gurtnellen 2000 bis 3000 Kubikmeter Fels ins Tal und verschütteten die Bahnlinie. Ein Arbeiter kam ums Leben. Wegen der akuten Felssturzgefahr konnten noch keine Aufräumarbeiten durchgeführt werden. Die Bahnlinie ist unterbrochen. Schon früh war klar, dass mindestens ein 400 bis 500 Kubikmeter grosser wackliger Felsblock weggesprengt werden muss.

(rme/sda)

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