Von Lehrer missbraucht

24. Mai 2017 13:44; Akt: 24.05.2017 16:24 Print

«Gehirnwäsche ist so verletzend wie die Tat»

Am Gymnasium Immensee soll eine Schülerin von ihrem Lehrer sexuell missbraucht worden sein. Die Taten sind verjährt. Die Frau erklärt, warum sie den Fall trotzdem publik machte.

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Das Gymnasium in Immensee. (Bild: Wikipedia)

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Eine heute 40-jährige Frau wandte sich nachdem der Fall Jegge publik geworden war, an den «Tages-Anzeiger», um ihre Geschichte zu erzählen: Gemäss ihrer Darstellung soll sie als noch Minderjährige von ihrem Lehrer sexuell missbraucht worden sein.

Nachdem die Geschichte ans Tageslicht gekommen war, meldete sich der Rektor des Gymnasiums, Benno Planzer, an die Öffentlichkeit und legte offen, dass es sich bei der anonymisierten Schule um das Gymnasium Immensee handle. Im Interview mit der «Luzerner Zeitung» sagte er, dass sich das mutmassliche Opfer 2001 an die Schule gewandt habe, dann aber nicht mehr für Nachfragen zur Verfügung gestanden habe. Somit habe es keine rechtlichen Gründe gegeben, den Mann damals zu entlassen.

Beschuldigter Lehrer bestreitet Sex mit Minderjährigen

Der beschuldigte Lehrer, der mittlerweile pensioniert ist, gibt zu, dass er ein Verhältnis mit einer Schülerin gehabt habe. Zu den sexuellen Handlungen sei es aber erst gekommen, als die Schülerin volljährig gewesen sei. Von einer Strafanzeige gegen ihn habe er keine Kenntnis.

Die ehemalige Schülerin sagt, dass der Geschlechtsverkehr vor ihrem 18. Lebensjahr stattgefunden hat. Dass ihr ehemaliger Lehrer nichts von der Anzeige weiss, erklärt sich die Frau dadurch, dass die Anzeige erst Ende April erstattet wurde.

Fall schulintern aufarbeiten

Nun steht also Aussage gegen Aussage. Eine Strafverfolgung wird es aber ohnehin nicht geben, weil die Taten bereits verjährt sind. Rektor Benno Planzer sagte aber, dass er den Fall schulintern aufarbeiten werde.

Dass die ehemalige Schülerin des Gymnasiums Immensee nicht früher gehandelt und Anzeige gegen ihren damaligen Lehrer erstattet hat, erklärt sie gegenüber der «Luzerner Zeitung» so: «Ich habe mich nicht total entzogen. Ich war damals aber so labil, dass ich nicht die Kraft hatte, mich länger mit dem rein männlichen Team der Schulleitung auseinanderzusetzen.»

Dennoch ist das mutmassliche Opfer überzeugt, dass es einfach gewesen wäre, mehr Informationen einzuholen: «Fast die ganze Schule hatte sehr vieles mitbekommen. Man hätte zum Beispiel andere Lehrer oder den Schulpsychologen befragen können.»

«Viele haben sich seither entschuldigt»

Seitdem der Fall der ehemaligen Schülerin des Gymnasiums Immensee publik geworden ist, habe sie unzählige E-Mails von ehemaligen Mitschülern erhalten. Sie alle hätten ihr bestätigt, dass die Beziehung von ihrem Lehrer zu ihr offensichtlich «arg falsch war».

«Viele haben sich seither entschuldigt, dass sie damals nichts unternommen hätten. Sie waren ja aber selbst Teenager», sagt die heute 40-Jährige. Rückblickend wertet sie die «Gehirnwäsche, die Isolation von den Gleichaltrigen und die totale Fremdkontrolle als genau so verletzend wie die sexuellen Taten selbst». Indem sie den Fall nun an die Öffentlichkeit getragen hat, wolle sie die Gesellschaft auf ebendiese Aspekte sensibilisieren.

(jen)

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