Luzerner Satire-Video

22. August 2017 17:25; Akt: 22.08.2017 18:30 Print

Kiosk wird zu Arztpraxis, Polizeiposten und Schule

Mit einem satirischen Imagefilm nimmt die Luzerner Kunstszene dem Kanton wegen dessen Steuerstrategie aufs Korn. Polizei, Post, Permanence oder Schule: Alles wird in den Kiosk ausgelagert.

Mit ihrem Imagefilm kritisiert die Luzerner Kunstszene die Finanzpolitik des Kantons Luzern. (Video: Youtube/Marco Sieber)

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Nachempfunden ist der Film einem Beitrag der SRF-Sendung «Schweiz aktuell». Die vermeintliche Reporterin Monika Huber besucht den fiktiven Kioskinhaber Edwin Käser. Der Kiosk sei seit einiger Zeit auch eine Poststelle. Sogleich will eine Kundin bei Kioskinhaber Käser, der von Schauspieler Patric Gehrig gespielt wird, auch Einzahlungen machen.

Kanton Luzern lagert Polizei in Kioske aus

Und nicht genug damit: Käser ist auch Lehrer. Sein 17-jähriger Sohn war bis vor kurzem noch in der Schule. «Im Zuge der Sparmassnahmen hat der Kanton nun ein neues, innovatives Homeschoolingprojekt implementiert», sagt die Reporterin. Direkt im Kiosk befragt der Betreiber also seinen Sohn zu einem Stück von Shakespeare. Kaum fängt dieser mit den Erklärungen an, bimmelt die Glocke der Kiosktür: Käser muss einem Kunden Zigaretten und ein Los verkaufen.

Kioskbetreiber hat alle Hände voll zu tun

Kaum ist der Kunde weg, unterbricht ein Notfall die Reportage: Eine besorgte Mutter will die Schnittverletzung ihrer Tochter behandeln lassen. Käser weiss natürlich sofort zu helfen: Er betreibt in seinem Kiosk nämlich auch eine Permanence-Klinik, wie alles andere auch vom Kanton an den Kiosk ausgelagert. «Ein weiteres innovatives Sparprojekt des Kantons Luzern, das ermöglicht, dass der Pflegeaufwand in den Notfallstationen der Kantonsspitäler massiv reduziert werden kann», so die Reporterin.

Und in diesem Stil geht es weiter: Der Kiosk ist auch ein Polizeiposten und Käser führt auch das Steuertelefon des Kantons, aus Spargründen dorthin ausgelagert. Und prompt klingelt dieses: «Ich weiss jetzt auch nicht, was ich Ihnen auf die Schnelle raten soll, Herr Schwerzmann. So eine Steuerstrategie ist doch eine recht komplexe Sache», sagt der Kioskbetreiber ins Telefon. Er lädt den Finanzdirektor aber zu einer persönlichen Beratung ein, um anzuschauen, warum dessen Steuerstrategie nicht funktioniere.

Kanton bleibt locker

Nach Feierabend geht Käser vor sein Lokal, Musiker Christoph Rolla gesellt sich mit der Gitarre dazu. Und natürlich singen sie: «Bini Gottfried Stutz e Kiosk? Oder bini öppene Bank?» Während sie singen, montieren Arbeiter ein weiteres Schild am Kiosk: «Historisches Museum Luzern». Auch dieses wird in Käsers Kiosk ausgelagert.

«Die geplanten Kürzungen haben bei den Kunst- und Kulturschaffenden einen Schock und Ängste ausgelöst», sagt die Geschäftsleiterin der IG Kultur Luzern Eva Laniado. Mit dem Video habe man diese Ängste mit einem ironischen Blick auf die Zukunft im Kanton Luzern zusammenfassen wollen. Laut Laniado will man sich auch mit weiteren Mitteln geben die Abbaupolitik wehren: Unter dem Motto «Das kann nicht weg!» wird am 8. September – kurz vor der Session des Kantonsrates – ein Aktionstag veranstaltet. «Wir wollen uns gemeinsam wehren und planen für diesen Tag verschiedene Aktionen», sagt sie.

Beim Kanton bleibt man auf Anfrage von 20 Minuten ob des kecken Videos locker: «Filmsatire ist, wie Politik, ein anspruchsvolles Handwerk», sagt Andreas Töns, Informationschef des Kantons. «Politik ist vielleicht noch ein bisschen schwieriger, weil das Resultat mehrheitsfähig sein muss. Dafür ist die Kunst freier, und diese Freiheit darf und soll sie nutzen.»

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luzerner am 22.08.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf den Punkt gebracht!

    Danke! Dieses Video zeigt wie in Luzern immer mehr am falschen Ort gespart wird. Doch Hauptsach es gibt neue Fahrradwege und alle Fussgänger und Parkbänke werden saniert...

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  • Spectre121 am 22.08.2017 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Jap Sparen Sparen Sparen und die Firmen und reiche verdienen sich eine goldene Nase. Unternehmen zahlen im Kt Luzern wenig Steuern und irgendjeman muss dieses Loch stopfen. Steuererhöhungen sind politisch unattraktiv und unbeliebt. Was also machen ? Überall sparen wo es nur geht damit das Budget getuned wird. Wir lassen uns richtig verarschen und bekämpfen uns gegenseitig anstatt zusammen gegen diese Unternehmen und reiche vorzugehen.

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  • Lulu aus Lu am 22.08.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich!!

    Herrlich erfrischender Film, der die katastrophale Politik des Kantons LU witzig auf die Schippe nimmt!! Vielleicht regt dies endlich die Politiker dazu an, die ganze Finanzpolitik mal zu überdenken. Für Touris und Firmen wird überall der rote Teppich ausgerollt, während das (arme) Fussvolk und auch der Mittelstand bluten muss!! So kann es nicht weitergehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A.Surrer am 25.08.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Der Dialekt der Reporterin

    Ist wohl kein Luzerner Dialekt. Ansonsten lustig.

  • Chäsmaroni am 23.08.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ufpasse .......!

    Die Luzerner Politiker kommen noch auf die Idee dies als Anregung anzunehmen und in die Realität umzusetzen.....in ihrem Sparwahn durchaus möglich :-)!

  • Lulu aus Lu am 22.08.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich!!

    Herrlich erfrischender Film, der die katastrophale Politik des Kantons LU witzig auf die Schippe nimmt!! Vielleicht regt dies endlich die Politiker dazu an, die ganze Finanzpolitik mal zu überdenken. Für Touris und Firmen wird überall der rote Teppich ausgerollt, während das (arme) Fussvolk und auch der Mittelstand bluten muss!! So kann es nicht weitergehen.

    • Yannick/Güttinger am 23.08.2017 01:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lulu aus Lu

      Das arme Fussvolk war es, welches sowohl die Erhöhung der Unternehmenssteuern als auch die der natürlichen Personen abgelehnt hat. Gleichzeitig will man aber nirgens sparen. Die Luzerner sollten vielleicht mal begreifen, dass man nicht den Fünfer und das Weggli haben kann.

    • Lorena am 23.08.2017 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Yannick

      Was gerade bei den Unternehmenssteuern auch an der Gegenkampagne der Bürgerlichen lag, bei der von "50% Steuererhöhung" gesprochen wurde. Und bei der Steuerfusserhöhung im Mai: Vielleicht haben die Leute ja einfach keine Lust, selbst immer mehr für Angebote der öffentlichen Hand, Gebühren etc. zu bezahlen, wenn die Unternehmen quasi keine Steuern zahlen und sie dann selbst noch mehr sollten? Die Unternehmen hätte die Steuerfusserhöhung ja nur minimal betroffen.

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  • Ricola am 22.08.2017 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Fürchterliches Video

    Den selben Inhalt hätte man genau so pointiert in weniger als der Hälfte der Zeit auch geschafft. Oder gabs Subventionen pro Minute?

  • Noldi Schwarz am 22.08.2017 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für ein Sparprogramm bei SF

    Schon erstaunlich, was man mit Billag Milliarden alles produzieren kann. Kein Wunder, dass SF ein solches Filmli erstellt. Die müssen immer noch nicht sparen, so wie Kantone und Gemeinden. Zeit, dass sich das ändert.

    • Le Tintin am 22.08.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Noldi Schwarz

      Mein Gott. Das ist kein Filmli von SRF sondern von der Kleinkunst-Szene in Luzern. Gratulation an Christoph Fellmann. Gut gemachte Satire!

    • Ruedi am 25.08.2017 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Noldi Schwarz

      Gutes Beispiel, wie der Mensch eins zu eins alles glaubt, was die Medien weitergeben. Kennen sie das Wort und die Bedeutung Satire?

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