Luzern

23. Mai 2017 06:27; Akt: 23.05.2017 07:39 Print

«Eine Kuh mit Hörnern ist stolz, eine Kuh zu sein»

von Noah Knüsel - Käse aus Milch von Hornkühen ist voll im Trend. Sein Kräuter- und Alpkäse wurde Reto Buchli förmlich aus den Händen gerissen. Nun expandiert er.

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Reto Buchli, Inhaber der Firma Horn+Milch aus Luzern, setzt auf ein spezielles Unternehmenskonzept: Seit vergangenem Sommer verkauft er Käse ausschliesslich aus Milch von Kühen mit Hörnern. Das scheint anzukommen: «Ich habe im August mit dem Verkauf begonnen, schon im November war der Kräuterkäse ausverkauft.» Und auch die Produktion seines Alpkäses reichte nirgendwohin. «Ich hätte gut doppelt so viel verkaufen können», sagt der gebürtige Bündner. Wegen der grossen Nachfrage stockt er jetzt sein Sortiment auf: Ab Juni hat er zwei neue Sorten Bergkäse im Angebot.

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«Ohne Hörner wirken die Kühe verwirrt»

Anfangs war ihm die Besonderheit der Milch von Hornhkühen gar nicht bewusst: «Ich wollte einfach einen guten Käse machen, so natürlich wie möglich», so Buchli. Dazu müsse auch das Tier naturbelassen sein. Für ihn ist klar: «Eine Kuh mit Hörnern ist zufriedener und stolz, eine Kuh zu sein. Sie gehören zur Ganzheitlichkeit der Tiere.» So hätten die Hörner grossen Einfluss auf deren Lebensqualität – auch weil damit die Hierarchie in der Herde geregelt wird. Buchli: «Ohne Hörner wirken die Kühe anders, beinahe verwirrt.»

Ausserdem würden Studien belegen, dass die Milch der Horntiere eine feinere Kristallstruktur aufweist, erklärt er: «Das lässt den Schluss zu, dass die Hörner wohl einen wesentlichen Einfluss auf die Verdauung haben.» Buchli findet, dadurch werde der Käse cremiger und charaktervoller: «Das volle Potenzial wird ausgeschöpft. Meiner Meinung nach kann man die Energie des Tieres in den Käse übertragen.»

Kein Produkt für Grossverteiler

Solche Qualität kostet aber etwas: Rund 40 Franken pro Kilo muss man auf den Tisch legen. Seine Produkte seien aber keineswegs nur für Gutverdienende, so Buchli: «An den Märkten, wo ich bisher verkauft habe, kam meine Kundschaft aus allen Gesellschaftsschichten.» Das seien Leute, die bewusst konsumierten, dafür je nach Budget auch mal weniger. «Der hohe Preis war nie ein Diskussionspunkt, weil ich auch darauf achte, den Produzenten genug zu bezahlen. Das verstehen die Kunden», sagt der 43-Jährige.

Mittlerweile stehen seine Spezialitäten auch bei Fachhändlern in der ganzen Schweiz. Ihm ist aber wichtig: «Ich will dort verkaufen, wo auch eine Verkaufsberatung möglich ist. Mein Konzept soll erklärt werden.» Buchli sieht sein Produkt denn auch nicht in den Regalen eines Grossverteilers: «Wenn man den Käse einfach aus dem Regal nimmt und ins Körbli wirft, geht der Wert verloren.»

Er kann sich auch Butter oder Joghurt vortellen

Nach der Lancierung des Bergkäses im Sommer ist für ihn aber noch längst nicht Schluss: «Falls die Nachfrage da ist, kann ich mir durchaus vorstellen, noch weitere Milchprodukte wie Joghurt oder Butter zu produzieren.» Es müsse sich alles organisch entwickeln. Ein klares Ziel hat Buchli aber: «In fünf Jahren sollen die Leute, wenn sie an Hornmilch denken, meinen Namen im Kopf haben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • milchbauer am 23.05.2017 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo

    finde ich eine super Sache! die Tiere sind glücklicher und geben auch bessere Milch! es gibt keine wirklich gute argumente die Hörner abzuschneiden. Ich bin selber Bauer und habe nur Kühe mit Hörner !

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  • Franz am 23.05.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt das Enthornen!

    Kaufe immer mal wieder solchen Käse, aus Prinzip. Früher coupierte man Hunden Ohren und Rute. Zu Recht würde heutzutage jeder aufschreien, wäre dies noch gängige Praxis. Bei den Hausrindern schert's aber die allerwenigsten. Enthornen ist eine Verstümmelung. Die Hörner haben etliche Funktionen (Kommunikation, Verdauung, etc.) Oft hörte ich das Argument, man mache das wegen der Verletzungsgefahr. QUATSCH! Es geht lediglich um pervertierte Wirtschaftlichkeit. Stichwort Anbindehaltung. Und wegen dem Preis: Bezahlbar auch als Nicht-Grossverdiener. Unbedingt unterstützungswert!

  • Gusti am 23.05.2017 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so.....,

    mir gefallen Kühe mit Hörnern eh besser.Tolle Idee, weiter so!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 24.05.2017 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verboten werden Kühe zu verunstalten

    Kühe mit Hörner sind wunderschön , wer den Kühen Körner entfernt sollte Beiträge gekürzt werden , oder im sein Horn auch stutzen .

    • Ruedi am 24.05.2017 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      In einem Laufstall ist die Unfallgefahr sehr gross unter den Tieren,aber das wissen sie ja leider nicht! Sie müssten einmal eine Woche lang in einem Betrieb mithelfen dann sehen sie es vieleicht auch anders.

    • Victoria Buchli am 24.05.2017 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Wir haben seit eh und je in unserem laufstall 20 stolze wunderschöne kühe mit hörner (braunvieh). Hatten nie probleme da die kühe genügend platz haben!

    • Ruedi am 24.05.2017 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Victoria Buchli

      Da gebe ich ihnen Recht aber es sind viele Betriebe nicht in der lage die finanzielle Mittel aufzubringen um umzubauen oder Neubauten zu erstellen! Bei diesem Milchpreis ist das schlicht nicht möglich!

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  • Kappa am 23.05.2017 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kühe ist des Schweizers Fachgebiet....

    die arme haben keine Ahnung von Urlaub, Meer, gut Essen und mit Freunde gesellig sein. Kauft den Schweizern Kühe und alles ist gut.

  • Greg Palmer am 23.05.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    eine Kuh hat Hörner, fertig

    Tolle Idee. Unterstütze nur Bauern mit Hornkühe. Gerade letzte Woche ging ich spazieren in Hagenwil und entdeckte Rinder mit Horn. Habe den Besitzer ausfindig gemacht und der Frau 100 Franken in die Hände gedrückt. Noch Bauern aus Tierliebe, nicht aus Gierliebe.

    • thom am 24.05.2017 05:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Greg Palmer

      und die Tiere die fenetisch Hornlos sind? Wir Züchten vermehrt Kühe denen keine Hörner wachsen. So hat man den vorteil der Hornlosen Kuh, ihne den nachteil der Enthornung

    • Angus Züchter am 24.05.2017 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Greg Palmer

      hat schon jemand daran gedacht das es auch Kühe gibt die keine Hörner bekommen z.B. Angus

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  • SP am 23.05.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Konzept

    Super Idee, super Umsetzung und das beste ist, der #Hornkuhmichkäse# schmeckt hammer

  • S. ais L. am 23.05.2017 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuhflüsterer

    Interessant, wieviele Kuhflüsterer wir in der Schweiz haben. Meine Kuh hat mir gesagt, dass sie froh sei, dass ihre Mitkühe keine Hörner tragen, sie sei immer wieder damit gepiesackt worden.

    • Peter Notfallpfleger am 23.05.2017 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. ais L. - das sind keine Kühe mehr

      Das ist halt so mit den genmutierten Stadtkühen! Die haben auch keinen Punch mehr, eine Herde zu führen! Eigentlich arme Viecher! Da Lob ich mir die Freilauf- und Mutterkuhhaltung sowie die Zeit auf den Alpen! Da werden höchstens mal einfältige Touris gepiesackt!

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