Luzern

13. Dezember 2016 17:06; Akt: 13.12.2016 18:09 Print

Trotz Verbot – Hotel bietet erstes Unisex-WC an

Unisex-WCs sind in Gastrobetrieben in Luzern verboten – das ist den neuen Betreibern des Hotels Anker in Luzern egal. Sie sind überzeugt: Das sind die Toiletten der Zukunft.

Bastian Eltschinger, Geschäftsführer der Remimag AG, sieht einer Strafanzeige gelassen entgegen. (Video: MME)
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Hier gibt es keine Geschlechtertrennung mehr: Im Hotel Anker in Luzern gibt es für Frauen und Männer nur eine gemeinsame Toilette. Zur Verfügung stehen sieben Toilettenkabinen, davon zwei nur mit Pissoirs. Allerdings: In Gastrobetrieben, die eine grössere Fläche als 25 Quadratmeter aufweisen, sind im Kanton Luzern zwingend getrennte Toiletten für Männer und Frauen vorgeschrieben. In Luzern ist der Anker der erste Betrieb, der sich über diese Vorschrift bewusst hinwegsetzt.

Umfrage
Was halten Sie von Unisex-Toiletten?
30 %
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Insgesamt 10720 Teilnehmer

«Mehr Leute werden sich die Hände waschen»

Das Hotel eröffnet am Mittwoch unter der neuen Betreiberin Remimag AG nach zweieinhalb Jahren Umbauzeit; das Hotel wurde innen völlig neu gestaltet und modernisiert. Peter Eltschinger, Verwaltungsratspräsident der Remimag AG, kümmert die Toiletten-Vorschrift nicht: «Wir sind uns der Problematik bewusst. Doch wir werden so oder so eröffnen», sagte er zur Luzerner Zeitung. Von seiner Unisex-Toilette ist er völlig überzeugt, diese biete viele Vorteile. Etwa brauche eine gemeinsame Anlage für Männer und Frauen weniger Platz und könne darum grosszügiger gestaltet werden. Und es fördere auch das Zwischenmenschliche: «Beim gemeinsamen Händewaschen oder auch beim Schminken können interessante Gespräche entstehen.» Unisex-WCs sind für Eltschinger die «Toiletten der Zukunft». Remimag-Geschäftsführer Bastian Eltschinger sieht einen weiteren Vorteil: Durch die soziale Kontrolle zwischen den Geschlechtern werden die Hygiene verbessert, konkret «werden sich viel mehr Leute die Hände waschen, wenn sie vom anderen Geschlecht beobachtet werden».

Umfrage: Was halten Sie von Unisex-WCs?

«Wir werden Strafanzeige einreichen»

Am Dienstagmorgen waren die Behörden im Hotel, um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften im Hause vor der Eröffnung zu prüfen. Natürlich war dabei auch das WC ein Thema. Nach diesem Termin sagte Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei, zu 20 Minuten: «Wenn das Hotel am Mittwoch mit diesem Unisex-WC öffnet, werden wir Strafanzeige bei der Staatswanwaltschaft einreichen. Denn wir müssen umsetzen, was in der Gastgewerbeverordnung steht. Und bei Toilettenanlagen gibt es einfach keinen Handlungsspielraum. Sie müssen klar geschlechtergetrennt sein.» Im Baugesuch seien die Toiletten noch korrekt ausgewiesen gewesen, aber dann «wurde einfach anders gebaut». Nun müsse die Staatswantwaltschaft über ein Strafmass entscheiden. Wie es mit dem Betrieb des Hotels mit dem illegalen WC weitergehe, ist laut Renggli im Moment nicht klar, das werde man sehen.

Remimag spricht von schlechter Kommunikation

Eine Strafanzeige nimmt man bei der Remimag in Kauf. Geschäftsleiter Bastian Eltischer: «Wir haben damit gerechnet, dass etwas kommt, wenn wir uns nicht an die Regeln halten. Allerdings sind wir nicht gleicher Meinung wie die Gewerbepolizei, wir haben aus unserer Sicht das richtige gemacht.» Er sieht einen Fehler in der Kommunikation: «Die Remimag habe eine Anpassung an das Baugesuch eingereicht, das hat aber anscheindend nicht gereicht.» Diese Information sei aber nicht bis zur Remimag durchgekommen. «Sonst hätten wir es natürlich korrekt gemacht.»

Angst vor einer Zwangschliessung hat Eltschinger nicht: «Es wäre nicht verhältnismässig, wenn man wegen einer Toilette ein Restaurant oder sogar ein Hotel schliessen würde.»

Impressionen aus dem neuen Restaurant Anker:

Streit mit Stadt wegen Schutznetzen und Zier-Kerzen

Es ist nicht das erste Mal, dass die Remimag AG Knatsch mit den Behörden hat. Beim Restaurant Opus, das ebenfalls zur Gastrokette Remimag gehört, standen zum Beispiel jahrelang Kerzen zur Zierde auf einem Brunnen beim Vorplatz, als die Stadt dies in diesem Sommer plötzlich verbieten wollte. Eltschinger setzte sich dagegen zur Wehr. Und vor einem Jahr kämpfte er dafür, beim Hotel Anker genügend Aussensitzplätze anbieten zu können. Oder im November 2015 wunderte man sich bei der Remimag, dass beim Restaurant Pfistern unter der Egg plötzlich ein Netz, das das Brot vor Vögeln schützen sollte, verboten wurde. Dieses Netz passe im «öffentlichen Luftraum nicht ins Stadtbild», hiess es.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan Sommer am 13.12.2016 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichbehinderung

    Ich als Mann fühle mich jetzt schon belästigt. Heisst das jetzt, wir Männer müssen ebenso lange anstehen wie vor den Frauen- WCs?

  • Michi am 13.12.2016 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau

    Wie lang geht es wohl, bis sich eine Frau belästigt fühlt?

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  • Susanne am 13.12.2016 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich Schliessung

    Gegen die Unisex-Toilette habe ich nichts einzuwenden. Solange da überall Türen sind, besteht ja kein Problem. Aber ich hoffe, dass sie ihnen die Bude wirklich dicht machen, alleine wegen der selbstgefälligen Art dieses Herr Eltischers und den fadenscheinigen Argumenten und Ausreden. Gesetz ist Gesetz (egal wie unsinnig es scheinen mag) und daran hat sich auch dieser feine Herr und seine Kumpanen zu halten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chthwe1 am 14.12.2016 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtspiele

    Manchmal ist es gut, wenn sich mal jemand unseren selbstgefälligen Stadtvögten entgegenstellt.(Bsp Brotkorb). Auch wissen meist die verschiedenen Behörden nicht was die andere macht und es wird in zwei Themen gegenseitig entschieden. Also wieder mehr hin zu Intelligenz und Menschenverstand auch bei Behörden.

  • Nico! am 14.12.2016 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unisex

    In angrenzenden Ländern ist das fast überall so. Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand darüber aufregt, warum auch.

  • ryan am 13.12.2016 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich.

    was in Skandinavien schon lange gang und gäbe ist, kommt vielleicht auch hier mal an.

  • Soraya am 13.12.2016 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Geht meiner Meinung nach gar nicht und ich würde nie in ein solches Lokal gehen.

  • Spyy83 am 13.12.2016 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sport-/kulturanlässe verbieten

    wo liegt das problem? ist ja heute schon so, dass viele frauen bei den männern auf die toilette gehen, wenn bei den frauen zu viele anstehen. und dann hat es keine trennwand bei den pissoirs. hier aber schon und sie sind sogar rundum geschlossen, also nicht einsehbar. weder von oben, noch von unten. aber ja, sobald die männer auf die gleiche toilette gehen wie die frauen, geht das geheule los. kommt mal runter und entspannt euch.

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