«Wie eine Zeitreise»

03. März 2016 18:05; Akt: 06.03.2016 18:41 Print

Er fand das Flugzeug im Vierwaldstättersee

Berufstaucher Roger Eichenberger (38) aus Gersau sucht leidenschaftlich den Vierwaldstättersee nach Wracks ab. Nun wurde er wieder fündig, hat aber noch längst nicht genug.

Videoaufnahmen von Roger Eichenberger des Flugzeugfundes.
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Drei Jahre lang hatte er nach der K+W C-35 gesucht. Zunächst wusste Berufstaucher Roger Eichenberger nur, dass das Armee-Flugzeug am 20. Juni 1941 bei einer Übung irgendwo bei Gersau in den Vierwaldstättersee gestürzt war. Doch kürzlich durfte er wieder einmal einen jenen Momente erleben, für die er lebt: Auf dem Screen seines Suchgerätes tauchte der Doppeldecker auf – der Tauchroboter war in 200 Metern Tiefe fündig geworden. «Das ist für mich jeweils wie eine Zeitreise, wenn man nach Jahrzehnten ein solches Wrack findet», sagt Eichenberger. Auch Schweiz aktuell berichtete über den spektakulären Fund.

Das Flugzeug dürfte nicht das letzte Objekt sein, das er im Vierwaldstättersee fand: «Tauchen ist meine Leidenschaft, vor vier Jahren konnte ich sie auch zum Beruf machen.» Seinen Tauchroboter braucht er nicht täglich für die Ausübung seines Jobs, «aber er muss dennoch bewegt werden, sonst rostet er ein und die Zielgenauigkeit leidet.» Auch deshalb sucht Eichenberger regelmässig den Seegrund mit seinem Roboter ab.

Dabei geht er akribisch vor: Der erste Teil einer Suche findet an Land statt. «Zuerst recherchieren wir, was passiert ist und arbeiten eine Geschichte auf. Wir suchen dafür Zeugen und Protokolle. Erst danach geht es darum, ein Seegebiet abzustecken und dort nach Planquadraten zu suchen.»

Sensationsfunde

Und gefunden hat er schon viel. Im Juli 2012 etwa stiess er bei Hergiswil auf ein 13-Meter-Segelschiff, das zwischen 1860 und 1870 gebaut wurde und Glas geladen hatte. Einen spektakulären Fund gabs auch am 14. Dezember 2014: Damals ortete der Berufstaucher ein Auto, an dem Leitern mit Fässern befestigt waren. Daneben lag ein gesunkenes Schiff. Es handelte sich um den Subaru Impreza eines Ex-Polizisten. Der Mann war im Oktober 2010 als vermisst gemeldet worden. Man ging davon aus, dass er Auto und Schiff gezielt versenkt hatte.

Eichenberger will weiter im See suchen und dabei spannende Geschichten an die Oberfläche holen. Schiffe, Autos, Bagger, Alteisen, Betonmolen oder Güselhalden früherer Zeiten würden nur darauf warten, entdeckt zu werden. Für seine Suche setzt Eichenberger Gerätschaften ein, die hunderttausende Franken kosten. «Alleine der Suchroboter kostet 100'000 Franken und das Boot ebenso viel. Auch die ganze Suchtechnik ist sehr teuer.»

Er taucht lieber im Winter

Das muss natürlich finanziert werden. Beruflich ist Eichenberger vor allem als Bautaucher für den Unterhalt «von allem, was unter Wasser ist» unterwegs. Seine Einsatzgebiete sind etwa Häfen, Ufersanierungen, Kraftwerke oder Stauseen.

Der Taucher übrigens arbeitet lieber im Winter: «Im Sommer ist man bereits nudelfertig, bis man bei dieser Sauhitze nur schon im schwarzen Taucheranzug ist.»

(mme)

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