Trolleybus-Hommage

06. September 2017 16:32; Akt: 06.09.2017 16:32 Print

Die Ära der Ruckel-Anhänger geht zu Ende

von Martin Messmer - Zwei Jahrzehnte lang prägten die VBL-Busse mit Anhängern das Stadtbild Luzerns – und sorgten bei manchem Fahrgast für Unwohlsein. Nun gibts einen Run auf die letzte Fahrt.

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Ein Trolley-Bus mit Anhänger passiert die Seebrücke in Luzern. Im Hintergrund der Torbogen beim Bahnhof: Die Statue Zeitgeist, die einst den Weg in Richtung Gotthard wies, hält ihre schützende Hand über die eigenartige Bus-Komposition. (Bild: VBL)

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19 Jahre lang waren insgesamt 16 Anhänger an VBL-Bussen auf verschiedenen Linien in der Stadt Luzern unterwegs und prägten das Stadtbild mit. Damit ist nun Schluss: Am kommenden Samstag fährt die allerletzte VBL-Anhänger-Komposition durch Luzern. Die angejahrtem Gefährte wurden durch die topmodernen Doppelgelenkbusse überflüssig.

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Auch die 46 NAW-Trolleybusse, die Zugfahrzeuge, werden ausgemustert. Diese waren sogar fast drei Jahrzehnte unterwegs, meist deutlich langsamer als mit der möglichen Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h. «Die Fahrzeuge liefen in Luzern während der gesamten Betriebsdauer stabil und zuverlässig», hält VBL-Sprecher Christian Bertschi fest.

Hater und Lover

Viele sind nicht unglücklich über das Ende der Ära. Das Online-Portal Zentralplus titelte etwa: «Adieu VBL-Anhänger, wir werden euch nicht vermissen». Weiter heisst es: «Sie ächzen, sie ruckeln und ihre Türen knallen. Zudem sind sie keine Schönheit.» Auch Ronorp Luzern widmete den VBL-Anhängern zum Abschied ein paar Zeilen – wenig schmeichelhafte: «Ich hab mich irgendwie nie an die Dinger gewöhnen können. Zu klein war mir die Beinfreiheit bei den Sitzen, zu ruckartig die Kurven», heisst es dort.

Busse gutmütig, Anhänger gefährlich

Doch die Ruckel-Gefährte und wohl vor allem ihre Zugpferde hatten auch Freunde. Anders ist es nicht zu erklären, dass die VBL am Samstag eine grosse Abschiedsfahrt für Bus-Spotter, geladene Gäste sowie Medienvertreter auf die Beine stellte – und diese längst ausgebucht ist. Laut VBL-Sprecher Christian Bertschi rührt das grosse Interesse vor allem von Fachpersonen daher, dass die Trolleybusse vor 30 Jahre als aussergewöhnlich und innovativ galten: «Das waren die Rolls-Royce unter den Bussen», sagt er. Heutigen Ansprüchen genügten sie mit ihrem hohen Einstieg und der fehlenden Klimaanlage aber nicht mehr. Doch Bertschi betont: «Unsere Chauffeure sind sehr gerne mit diesen Bussen gefahren. Sie hatten eine gutmütige Art.»

Die Anhänger hingegen waren nicht gutmütig, sondern gefährlich. Bertschi räumt ein: «In den Anhängern war die Sicherheit stets ein Thema. Anders als im Bus waren die Passagiere dort alleine, der Chauffeure konnte ihnen bei Bedarf nicht sofort zu Hilfe eilen.»

Zweites Leben in Chile

Ein letztes Mal werden die gemütlichen NAW-Trolley-Busse ihre Anhänger also am Samstag durch die Stadt ziehen, dann ist Schluss. Abfahrt ist um 10.10 im Weinbergli und um 10.20 Uhr beim Bahnhof Luzern. Die Spotter sind bereit – es geht um die letztmöglichen Bildsujets der eigenartigen Komposition. Um 11.45 sind die Fahrzeuge zurück beim Bahnhof, um 11.55 im Weinbergli.

Das wars dann – zumindest in Luzern. Die Trolleybusse werden in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso weiter gebraucht. Und zwar noch vier Jahrzehnte lang. Erst kürzlich wurden wieder einige Luzerner Trolleys nach Südamerika verschifft. Und auch für die Anhänger gehts nicht Richtung Schrottplatz: Einige rollen in Nordrhein-Westfalen weiter, andere in Lauterbrunnen im Berner Oberland, angehängt an Postautos. Irgendwie schön, dass die Luzerner Anhänger noch ein bisschen weiterruckeln dürfen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eswirdimmerschlimmer am 06.09.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    hilfe ich werde alt

    ich kann mich noch daran erinnern als ich im radio gehört habe das diese anhänger gekauft werden. und das soll schon 20 jahre her sein? das beschäftigt mich mehr als das die anhänger nun abgeschaft werden.

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  • franz am 06.09.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Im Ausland fahren die schönen Oldtimer noch lange weiter! (Siehe auch VBZ Mirage Tram) Nur die verwöhnte, reiche Schweiz muss dauernd neue Fahrzeuge beschaffen ....

  • Hobbytrucker am 06.09.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Country Roads

    Schade.. ich habe mich immer gerne durchrütteln lassen, wenn ich in Luzern war

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RATSCH am 12.09.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Leben im Luxus

    Verwöhnte Füdlibürger und Ihr zahlt die hohen Fahrpreise auch noch. Früher 1 Zone = -.20Rp. Heute 1 Zone = über 2Fr.......

  • marko 32 am 08.09.2017 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super

  • Fippu am 08.09.2017 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neu auf alt

    Könnte man den nicht moderne Komfort-Anhänger kaufen. Einfach so fürs Bild! In Basel haben Sie auch Holzstühle in den Topmodernen Tram.

  • Eduard J. Belser am 08.09.2017 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ich vermisse das Tram

    Was ich am Luzerner öV vermisse ist das Tram, aber das würde leider bereits 1961 abgeschafft. Die neuen niederflürigen Doppelgelenktrolleybusse werden auf jeden Fall bequemer und energieeffizienter sein.

  • Rösly Appelt am 06.09.2017 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruckel-Anhänger

    Habe diese Busse nicht geliebt. Das war stets stressig und mir waren zu unruhig. Oft hatte ich mit Unwohl zu kämpfen . Die heutigen Busse sind angenehm,was oft stört ist wenn so ruckartig angehalten wird von bestimmten Fahrern. Da gibt es Momente wo es die Passagiere ruckartig vorwärts wirft wenn sie sich nicht früh genug festhalten.

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