Reportage aus Ebikon

06. Dezember 2012 19:39; Akt: 08.12.2012 17:19 Print

Mit der Bürgerwehr auf Verbrecherjagd

von Andreas Bättig, Ebikon - Wird es dunkel, beginnt die Arbeit der Bürgerwehr. Mit Handschellen, schusssicherer Weste und Bärenabwehrspray lauern sie Einbrechern auf - und setzen auf eine spezielle Taktik.

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Roland Furrer macht eine ernste Miene, dann sagt der Chef der Bürgerwehr Ebikon: «Okay, wir gehen jetzt rein.» Es klingt ein bisschen so, als würden wir gleich ein Kampfgebiet einer Krisenregion betreten. In Wirklichkeit gehen wir hinein in die Nacht, in einem ziemlich beschaulichen Quartier in der Luzerner Gemeinde Ebikon. Trotzdem: Für die Bürgerwehr Ebikon ist das hier tatsächlich ein Krisengebiet, eines aus 90 Einfamilienhäuschen, um genau zu sein.

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«Was wir hier machen, ist nicht ungefährlich», sagt der 54-jährige Ex-Boxer. Viele Einbrüche habe es hier schon gegeben. Viel mehr, als man von der Polizei erfahre. Doch Furrers Leute sind in dieser Nacht bereit, solche Einbrüche zu verhindern. Es ist bald Mitternacht und es hat angefangen zu schneien. Während es sich die Ebikoner Bevölkerung längst in der warmen Stube gemütlich gemacht hat, stehen Furrer und zwei weitere Bürgerwehrler in der Kälte an einer dunklen Ecke im Quartier. Es werden gekrümmte Stumpen geraucht, Furrer gibt die Spielregeln für die Reportage bekannt. «Der da redet mit dir, der da nicht. Und du musst akzeptieren, dass dir nicht alle Fragen beantwortet werden. Fotos kannst du machen, aber ohne Gesicht.»

Die Bürgerwehr Ebikon ist eine verschwiegene Truppe. Das hat aber einen guten Grund, versichert Furrer: Auch die organisierten Banden seien auf der Hut. «Würden sie unsere Namen kennen, könnten sie uns bedrohen.» Davor warnt auch Urs, mit dem man reden darf, der aber seinen richtigen Namen nicht verraten will. Urs ist Mitte zwanzig und seit einigen Jahren bei der Bürgerwehr dabei. Er ist komplett schwarz gekleidet, an seinem rechten Oberschenkel trägt er einen 0.5-Liter-Bärenabwehrspray wie eine Pistole in einem Halfter. Zur Ausrüstung eines Bürgerwehrlers gehören zudem Handschellen und eine schusssichere und stichfeste Weste. «Wir betreiben das ziemlich professionell hier», sagt Furrer nicht ohne Stolz. Auch Urs verrichtet seine Arbeit mit einem gewissen Ehrgefühl. «Die Bevölkerung schätzt uns. Wir machen das Quartier sicherer. Die Polizei und der Staat können nämlich die Sicherheit nicht mehr gewährleisten.»

Bei Verdacht wird das Haus umstellt

Zur Professionalität der Bürgerwehr gehört auch eine eigens ausgedachte Einsatztaktik. Urs ist nicht ohne Grund schwarz gekleidet. Seine Aufgabe ist an diesem Abend, sich zu verstecken. Er beobachtet aus dem Hinterhalt das Quartier. Sein Kumpel hingegen ist wie ein Spaziergänger gekleidet. Dieser läuft durch die Gegend und meldet Urs mittels Handy - im Notfall auch per Funk - verdächtige Aktivitäten. Urs pirscht sich dann im Schutze der Dunkelheit an das verdächtige Objekt heran. Befindet sich darin der Einbrecher, wird das Haus von der Bürgerwehr umstellt. «Wir rufen dann aber schon die Polizei», versichert Urs. Sollte der Einbrecher aber vorher aus dem Haus kommen, versucht die Bürgerwehr, ihn zu ergreifen. Ob Urs selber schon mal eingreifen musste, will er nicht verraten. Bekannt ist aber, dass Roland Furrer vor einigen Jahren einen Einbrecher auf frischer Tat ertappte. Was folgte, war eine wüste Prügelei. Sowohl Furrer als auch der Einbrecher mussten mit Rissquetschungen am Kopf ins Spital.

In dieser Nacht scheint es jedoch ruhig in Ebikon. Furrer und seine Mannen laufen durchs Quartier und zeigen besonders heikle, meist dunkle Ecken. «Dort wurde schon eingebrochen. In diesem Haus auch und in dem da hinten vor einigen Jahren auch», sagt Furrer und zeigt mit dem Finger auf die Häuser. Während des Spaziergangs lassen immer wieder automatische Bewegungsmelder die Häuser in hellem Licht erstrahlen. «Dank ihnen können wir gut erkennen, wo sich im Quartier Personen befinden», sagt Furrer. Doch leider würden die auch die Position der Bürgerwehrler selber verraten. «Wir wissen aber, wie man die Lichtmelder umgehen kann», sagt Urs.

Eine eingeschworene Truppe

Mittlerweile ist der Schneefall richtig heftig geworden. Und auch der hartgesottenste Bürgerwehrler gönnt sich nun eine Kaffeepause. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering, dass bei diesem Wetter die Einbrecher unterwegs seien, weiss Furrer. Den Kaffee gibt es bei ihm zu Hause in der Küche. Furrer, von Beruf Siebdrucker, wohnt in Ebikon zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn in einem Einfamilienhaus. Urs und sein Kumpel sitzen ebenfalls beim Kaffee. Auch sonst versammle sich die Bürgerwehr, die mittlerweile aus sechs Mitgliedern besteht, in der Freizeit bei Furrer. «Wir machen viel zusammen, gehen zum Beispiel auf Kristallsuche in die Berge», sagt der Chef der Crew.

Die Bürgerwehr Ebikon sei eine eingeschworene Truppe - aber kein Haufen von Rambo-Typen, versichert Furrer. «Weisst du, wenn man in einer Bürgerwehr ist, dann noch Ex-Boxer und eine Glatze hat, könnten manche schon auf falsche Gedanken kommen», sagt der Hüne, der für die SVP Ebikon in der Einbürgerungskommission sitzt. «Rechtsextreme sind wir nicht. Im Gegenteil: Ich habe nichts gegen Ausländer. Ich habe nur etwas gegen Kriminelle. Egal, ob die nun Schweizer sind oder sonstwo herkommen.» In der Einbürgerungskommission verstehe er sich jedenfalls gut mit den anderen Parteien - auch mit der SP und den Grünen.

Nach nur gerade 10 Minuten in der Wärme ist es für Urs und seine Kumpel Zeit, wieder hinauszugehen und noch die ganze Nacht durch Ebikons Strassen zu patrouillieren. Wortlos ziehen sie von dannen. Das Dorf darf keine Sekunde aus den Augen gelassen werden. Die Einbrecher hier gönnen sich schliesslich auch keine Kaffeepause.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erleichterter Ebikoner am 07.12.2012 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut, sollte Schule machen

    Wenn die Regierung nichts unternimmt und die Polizei lieber Autofahrer schikaniert als ihre Kernaufgabe wahrzunehmen, muss man sich als Bürger eben selber wehren.

  • Reto am 07.12.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eidgenossen mit Zivilcourage

    Super Sache! Endlich ein paar Eidgenossen mit Zivilcourage, die sich für die Sicherheit der Bürger mutig einsetzen. Die Staatsgewalt versagt zusehends. Wir brauchen keine Protokollschreiber-Polizisten. Wir wollen Sicherheit und Schutz vor Verbrechen und Verbrecher!

  • Christoph am 04.12.2012 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Wenn die Politiker die Polizei nur noch Park- und Geschwindigkeitsbussen verteilen lässt und die Justiz Schwerkriminelle gleichentags wieder freilässt, muss man sich nicht wundern. Politik und Justiz sind nicht mehr fähig, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen und uns vor Gewalttätern zu schützen. Nein, im Gegenteil, die Gewalttäter werden beschützt vor den bösen Schweizern!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erleichterter Ebikoner am 07.12.2012 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut, sollte Schule machen

    Wenn die Regierung nichts unternimmt und die Polizei lieber Autofahrer schikaniert als ihre Kernaufgabe wahrzunehmen, muss man sich als Bürger eben selber wehren.

  • Mike am 07.12.2012 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel des Guten

    Kann ja nicht sein, dass schwarzgekleidete Personen im Quartier herumschleichen. Und dann noch Bärenabwehrspray. Jungs, macht mit normalem OC einen Selbstversuch. Ihr werdet die Augen nicht mehr öffnen... Bin nach wie vor für: Beobachten und Melden, nicht für Umstellen und Eingreifen!

  • Tom Meier am 07.12.2012 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    keine Helden

    Für solch selbsternannten Polizisten habe ich nur ein Kopfschütteln.

  • Nella Müller am 07.12.2012 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Riesige Fragezeichen

    Was würden die tun, wenn jemand draussen vor der Haustüre vielleicht z.B. etwas lange in der Tasche nach dem Wohnungsschlüssel sucht? Muss die Person beweisen, dass sie da wirklich wohnt? Was ist mit Besuchern, die läuten? Ich möchte keinem dieser Männer begegnen! Was ist, wenn sie jemanden verletzen? Etwa Notwehr? Ich finde diese Aktion sehr, sehr fragwürdig!

  • Rudolf am 07.12.2012 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    U.S.A.?

    Viele Antworten vergleichen unseren Staat mit der USA oder Südafrike etc. wie geht es diesen ländern? wie wäre es wenn dann plötzlich einer findet das alle gleich aussehen müssen und das gleiche machen müssen wie er? Sagt Ihnen geschichte nichts? oder war das vor paar jahren als es ein kleiner Mann probiert hatte auch 'Zivilcourage' ? Und unsere Polizei funktioniert sehr gut! Apropos Amerika: in Detroid werden 70% der Verbrecher gar nie gefasst! Die Schweiz ist die Schweiz und nicht irgendwas anderes!

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