Hanf-Razzia in Malters LU

22. November 2016 11:34; Akt: 23.11.2016 11:18 Print

Polizeikader geben Sohn die Hauptschuld an Suizid

Jetzt wehrt sich die Luzerner Polizeispitze gegen die Vorwürfe, sie habe den Suizid einer Frau bei der Hanf-Razzia in Malters verursacht. Die Hauptschuld trage vielmehr der Sohn der Frau.

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Im März hatte sich eine mit einem Revolver bewaffnete 65-Jährige in dem Haus in Malters verschanzt, in dem ihr Sohn eine Hanfanlage betrieb. Mit Waffengewalt wehrte sie sich gegen die Aushebung der Indoor-Hanfanlage. Nach 17 Stunden entschied die Polizei, die Wohnung zu stürmen. Dort fand sie die Frau tot vor – sie hatte während der Erstürmung Suizid begangen. Der Sohn der Frau, der auch ihr gesetzlicher Vormund ist, erhob später Anklage gegen die Beamten. Sein Anwalt erklärte, die Polizei habe durch ihr Handeln indirekt den Suizid verursacht.

Am Dienstagmorgen wurde bekannt, dass sich der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten müssen.

Sohn soll Hauptschuld tragen

Diese meldeten sich daraufhin selber zu Wort: Sie beauftragen die Anwaltskanzlei Seidenhof aus Luzern, eine Medienmitteilung zu verfassen.

Darin halten Achermann und Bussmann fest, die Polizei habe im vorliegenden Fall richtig gehandelt. Und nicht bei der Polizei, sondern beim Sohn liege die Hauptschuld dafür, dass sich die Frau das Leben genommen habe. Der Sohn habe seine psychisch angeschlagene Mutter allein und bewaffnet bei der Hanfanlage zurückgelassen. Das sei «der wichtigste Faktor in dieser vielgliedrigen Kausalkette, die zum Tod der Frau führte.»

Schon Ende März hatte der Luzerner Sicherheitsdirektor Paul Winiker Vorwürfe gegen den Sohn erhoben: «Ich frage mich, warum dieser fürsorgliche Sohn sein Mami in dieses Haus reinlässt, das war nämlich nicht ihre Wohnung. Er hatte dort Hanfplantagen, es hatte Waffen. Wie kann er seiner Mutter, die offenbar so schwer krank ist, eine Waffe – es war eine grosskalibrige – übergeben?»

Weiteres Zuwarten ebenfalls Suizidrisiko

Beim Einsatz in Malters hatte ein Polizeipsychologe geraten, mit der Erstürmung der Wohnung noch zuzuwarten. «Alle anderen anwesenden Experten hielten den Entscheid und den Zeitpunkt für ein Eingreifen für richtig», lassen die Beschuldigten nun ausrichten.

Weiter heisst es: «Versetzt man sich nochmals konkret in die Situation vor Ort, erweist sich der gewählte Weg nach wie vor als angemessen und richtig. Es galt nicht nur, die anhaltende Fremdgefährdung, die von der bewaffneten Frau ausging, zu beenden. Ein weiteres Zuwarten erschien auch unter dem Aspekt der Selbstgefährdung als nicht vertretbar.»

«Was darf die Polizei überhaupt noch tun?»

Dennoch sei es gut, dass die beiden Polizeichefs vor Gericht müssten: «Angesichts der Schwere der Vorwürfe ist es sinnvoll, dass ein Gericht über die Sache entscheiden wird.» Es gehe nicht nur um die Reputation von Adi Achermann und Daniel Bussmann, sondern auch «ganz grundsätzlich um die Frage, was die Polizei heute angesichts sich ständig verändernder Bedrohungslagen überhaupt noch tun darf, um unsere Rechtsordnung durchzusetzen.»

Max Hofmann, Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Polizeibeamter, weist ebenfalls auf ein Klima der Verunsicherung bei Gesetzeshütern hin. Würden die beiden Polizeichefs verurteilt, besteht gemäss Hofmann das Risiko, dass die Polizei bei der Ausübung ihrer Pflicht eingeschränkt wird. «Ich vertraue aber darauf, dass die Justiz in diesem Fall einen gerechten Entscheid fällen wird», sagt Hofmann.

(mme)

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