Snack gefällig?

24. Februar 2017 05:53; Akt: 24.02.2017 05:53 Print

Genehmigen Sie sich eine Heuschrecke

von Noah Knüsel - Ab Mai dürfen Insekten in der Schweiz legal als Lebensmittel verkauft werden. Urs Fanger, Geschäftsführer der Entomos AG in Grossdietwil LU, sieht ein enormes Potenzial.

Urs Fanger zeigt im Video seine Insektenzucht. (Video: nk)
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«Wir sind wohl die einzige Firma der Schweiz, die Insektenzucht für Lebensmittelzwecke professionell betreibt», sagt Urs Fanger. Die Entomos AG gibt es seit 2010, sie hat sich auf den Handel mit Insekten spezialisiert. «Wir hatten bisher zwei Standbeine: Einerseits Insekten als Reptilienfutter, andererseits Fliegenmaden, die zur Unterstützung der Heilung von chronischen Wunden verwendet werden.»

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Nun kommen also als drittes Standbein die Lebensmittel-Insekten dazu. Seit Dezember habe man die Zucht hochgefahren. Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken brüten und wachsen in einem klimatisierten Raum im Untergeschoss der Firma. Die Mehlwürmer machen dabei den grössten Teil aus, da sie am billigsten zu produzieren sind. In Metallschalen wachsen die Käferlarven heran und vermehren sich. «Kurz bevor sie sich verpuppen, werden sie gefriergetrocknet. So ein Zyklus dauert etwa zwei Monate», erklärt Urs Fanger.

«Wir wollen ein Lifestyle-Produkt anbieten»

Die Abnehmer sind laut Fanger vielfältig: von Gastrobetrieben und deren Zulieferern über Detailhändler zu Lebensmittelverarbeitern und Konsumenten. Dabei sind die Anwendungsmöglichkeiten vielschichtig: «Anders als andere Lebensmittel kann man die Insekten fast überall verwenden, vom Apéro bis zum Dessert.» Oder man könne sie beispielsweise zu Mehl verarbeiten. Darin sieht er einen Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Fleisch. Ausserdem seien die Insekten nachhaltiger: «Die Produktion braucht weniger Ressourcen und Energie und generiert nicht so viel Abfall.»

Fanger betont aber, dass es nicht das Ziel sei, Fleisch zu ersetzen: «Wir wollen ein Lifestyle-Produkt anbieten: biologische, regionale Insekten.» Auch für Fitness-Freaks könnten die Krabbeltiere als Proteinquelle interessant sein. Doch: Weil die Insekten teurer sind als herkömmliches Proteinpulver, braucht es eine gezielte Marketingstrategie. Fanger: «Wir müssen die Insekten als regional und nachhaltig positionieren, um so einen Mehrwert gegenüber dem Pulver zu schaffen.»

Marktpotenzial: 80 Tonnen pro Jahr

Der Unternehmer beziffert das Marktpotenzial auf jährlich 80 Tonnen. Wie viel davon ausgeschöpft werde, könne man aber nicht sagen: «Viele Zwischenhändler haben Interesse, aber scheuen sich vor dem endgültigen Zuschlag. Sie wissen nicht genau, wie das Produkt ankommen wird.» Daher sei es auch schwierig vorherzusagen, wie viele Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken verkauft werden. «Wir haben aber einen Grundstock da und haben bereits Verträge mit Produzenten aus dem Ausland oder EU. Wir sind selber Importeur. Engpässe sollte es also keine geben», so Fanger. Und falls der Ansturm riesig sein sollte, könne man die Produktion schnell erhöhen. Fanger: «Ich denke, das Potenzial ist riesengross.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ma De ImSpeck am 24.02.2017 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    ... und weiter oben lese ich in einem Artikel: "jeder sollte sich Vegan ernähren.." Ja was nun, wozu dann die Insektenzucht??

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  • Bschiss am 24.02.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regional

    Zerst säge die Insekte sind regional aber nochher wens knapp wird die ausländische importiere und als regionali verkaufe.

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  • cecile am 24.02.2017 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sind Insekten keine Tiere?

    Komisch, statt Fleisch Insekten, als ob das keine Tiere wären. Danke, aber lieber esse ich mehr Gemüse und wenig Fleisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sedemir am 24.02.2017 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Weshalb braucht es sowas? Die Menschheit wird ja nie satt und bringt immer weiter abschäuliche Iddeen. Vorallem in einem Land wie die Schweiz wo wir doch mit Essen gesegnet sind kann man auch gut ohne weiteren Tier Tötungen leben.

  • Robert am 24.02.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles eine Sache der PR

    Ich sehe auch ein enormes Potential, bei den Gewinnen von Coop! Die Zucht kostet fast nix, der Beutel Grillen im Supermarkt wird aber dann wohl fast 10 Stutz oder mehr kosten, ist ja so exotisch. Ironie off!

  • Rolando am 24.02.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor- und Nachteil

    Ab sofort wird jetzt aber im Restaurant nicht mehr reklamiert wegen ein paar Blattläusen oder einer kleinen Schnecke im Salat.

    • Schnäggli Fresser am 24.02.2017 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolando

      Jetzt kommt der frische Schnecken Salat.

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  • Jolli am 24.02.2017 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    So gruusig!

    man stelle sich mal vor: diese Insekten isst man mit den Flügeln, Beinen, Kopf und den ekligen Gedärmen (inkl. Inhalt!)

  • Manu am 24.02.2017 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Mehlwurmzucht

    Hab seit anfangs Jahr mit meiner eigenen Mehlwurmzucht begonnen :)

    • m.k. am 24.02.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Bin seit ein paar Jahren dran

      Ist eine geniale Sache. Gibt ein wenig Arbeit aber mache einmal pro Jahr ein paar Kilo und habe sie im Gefrierfach. Aus Mehlwürmern kann man tolle Gericht zubereiten.

    • Naya am 24.02.2017 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manu

      Ja du machst das super. Ich freue mich schon drauf tolle Gerichte mit dir zu kochen.

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