Immensee SZ

22. Mai 2017 06:49; Akt: 22.05.2017 10:23 Print

«Missbrauchsberichte sind hoch glaubwürdig»

Nach dem Fall Jegge schweigen viele Opfer von Übergriffen nicht länger. Lehrerverbandspräsident Beat W. Zemp kann das sehr gut nachvollziehen.

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Das Gymnasium in Immensee. (Bild: Wikipedia)

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Herr Zemp, bei der Opferberatungsstelle Castagna meldeten sich nach Bekanntwerden des Falls Jegge über 30 Personen, die mutmasslich von einem Lehrer missbraucht wurden, viele Fälle sind ebenfalls verjährt. Was sagen Sie dazu?
Ich halte diese Missbrauchsmeldungen für hoch glaubwürdig, gerade weil diese vor vielen Jahren passiert sind und schon zum Teil verjährt sind. Die Opfer wollen endlich das Schweigen brechen und ihre Leidensgeschichten ans Tageslicht bringen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Ist anzunehmen, dass nun weitere Fälle ans Licht kommen?
Das kann man nicht ausschliessen. Leider kommt es in letzter Zeit aber auch zu völlig ungerechtfertigten Beschuldigungen von Lehrpersonen durch Schülerinnen oder Schüler, die dann im Verlauf der gerichtlichen Untersuchung zugeben, dass die ganze Geschichte erfunden war. Man muss daher genau hinschauen, was wirklich passiert ist, und darf keine Vorverurteilungen machen.

Wird dem Thema «sexueller Missbrauch» in der Lehrerausbildung genügend Platz eingeräumt?
Der Umgang mit körperlicher Nähe und Distanz zu Schülerinnen und Schülern wird heute in der Lehrerausbildung thematisiert. Der Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LHC), hat zudem noch vor dem Fall Jegge einen Handweiser für Lehrpersonen verfasst, in dem kritische Situationen zum Beispiel im Sportunterricht oder im Klassenlager beschrieben werden.

Sind Lehrer und Bevölkerung heute genügend sensibilisiert für das Thema?
Die Standesregeln des LCH verlangen von jeder Lehrperson die Einhaltung des Verbots von körperlichen und sexuellen Übergiffen. Wer sich nicht daran hält und rechtmässig verurteilt wird, wird aus unserem Verband ausgeschlossen und kommt auf die schwarze Liste der Erziehungsdirektorenkonferenz. Verdachtsfälle und Beschuldigungen müssen abgeklärt werden. Wegschauen geht nicht mehr.

(gwa)

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