«Treppenfahrer»

01. Oktober 2014 09:09; Akt: 01.10.2014 17:22 Print

Touristen zu unaufmerksam und müde?

Schon drei Touristen fuhren seit Juli auf der Rathaustreppe. Laut einem Verkehrsexperten sind das Abgeben der Verantwortung an das Navi oder Ermüdung mögliche Gründe dafür.

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Mit einem Mietauto ist eine 57-jährige US-Touristin am Dienstagabend auf der Luzerner Rathaustreppe steckengeblieben, wie «Radio Pilatus» berichtet. Laut einem Leser-Reporter, der in der Nähe der Rathaustreppe arbeitet, wollten Passanten das Auto kurzerhand zurück auf den Platz hieven. Da ihm die Situation als zu gefährlich erschien, schritt der Leser-Reporter ein: «Ich habe gesagt, dass sie das lassen sollen, und habe die Polizei gerufen. Sie hätten keine Chance zum Ausweichen gehabt, wenn das Auto wieder ins Rollen gekommen wäre.» In der Folge musste das Auto mit einem Kran geborgen werden.

Dies ist bereits der dritte Fall seit Juli 2013, bei dem Ortsunkundige mit einem Auto auf der Rathaustreppe landeten. Die Touristen sind dabei jeweils den Angaben ihrer Navigationsgeräte gefolgt, wie Sprecher Kurt Graf von der Luzerner Polizei sagt. «Die Autofahrerin wollte zu einem Hotel fahren, das an der Reuss liegt», so Graf.

Navis waren nicht aktualisiert

Der Leser-Reporter hatte Kontakt zu den fehlgeleiteten Touristen. Er sagt zu den Navis, die in die Irre führten: «Die Karten waren jeweils nicht aktualisiert, die Rathaustreppe wurde als normal befahrbare Route angezeigt.» Deshalb macht sich der Leser-Reporter auch Sorgen: «Die Autos waren jeweils nur langsam unterwegs und konnten rechtzeitig anhalten. Was passiert, wenn plötzlich jemand mit Tempo 30 auf die Treppe fährt?» Luzern Tourismus teilte auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass man Massnahmen, mit denen solche Fälle in Zukunft verhindern werden könnten, begrüssen würde.

Verkehrspsychologe Jürgen Raithel nennt mögliche Gründe, weshalb Touristen blind den Anweisungen des Navis folgen: «Wenn der Fahrer ein Navi verwendet, gibt er Verantwortung ab», sagt er. Früher hätte man sich die Route selbst heraussuchen müssen, heute nimmt das Navi dem Fahrer diese Aufgabe ab. So hat laut Raithel der Spruch «Hirn aus, Navi ein» durchaus seine Berechtigung: Durch die Konzentration auf das Navi werde die Aufmerksamkeit auf Schilder und Verkehr reduziert. Hinzu kämen mögliche Ermüdungserscheinungen, da Touristen oftmals eine längere Autofahrt hinter sich hätten.

Laut Polizeisprecher Kurt Graf ist in der Fussgängerzone der Luzerner Altstadt nur Schritttempo erlaubt. Eine Busse erhielt die Touristin aber nicht. Denn: Mit Fahrzeugen durch die Altstadt fahren dürften Lieferanten und Touristen, die eine Hotelbuchung in einem Hotel in der Altstadt vorweisen können. Für die Bergung des Autos musste die Touristin aber 300 Franken berappen.

(gwa)

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