Altdorf

30. Mai 2018 05:42; Akt: 30.05.2018 10:02 Print

Bei Stau wird die Autobahn A2 zur Abfalldeponie

Immer wieder wird auf der A2 Güsel aus dem Fenster geworfen – auch oder gerade im Stau. Im Kanton Uri landet so immer mehr Abfall im öffentlichen Raum.

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Viele Autofahrer dürften den riesigen Stau vom Pfingstwochenende noch gut in Erinnerung haben: Mit einer Maximallänge von 28 Kilometern wurde am 19. Mai die Rekordmarke von Pfingsten 1999 egalisiert. Auch am Sonntag gab es nochmals acht Kilometer Stau vor dem Gotthard-Nordportal, ehe am Montag die Rückreisewelle anrollte. Möglicherweise wird es auch am kommenden Donnerstag wieder Stau geben, da in einigen Kantonen Fronleichnam ist.

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Gibt es Stau vor dem Gotthard, landet auch mehr Abfall neben der Autobahn, wie es beim Amt für Betrieb Nationalstrassen des Kantons Uri (AFBN) auf Anfrage heisst: «Die Reisenden rechnen mit Stau und nehmen ausreichend Verpflegung mit, somit wird auch mehr weggeworfen. Das meiste ist Verpackungsmaterial, leere PET-Flaschen und Speisereste.» Es komme sogar vor, dass im Tunnel Abfall entsorgt werde, an Stautagen sei die Menge aber nicht grösser als üblich.

Kot und Urin sind das «unangenehmste Problem»

«Aber auch die persönliche Notdurft wird in den Böschungen erledigt. Dies ist an Stautagen das grösste und unangenehmste Problem», teilt das Amt weiter mit. Um dem Problem beizukommen, würden ab April bis Ende Oktober zwischen Erstfeld und Göschenen bei drei Ausstellplätzen zusätzlich mobile WCs aufgestellt. «Diese müssen an Stautagen regelmässig entleert und gereinigt werden», teilt das Amt mit.

Bei grossen Staus verlassen jeweils viele Autofahrer ihre Fahrzeuge. Das ist eigentlich verboten: Aussteigen ist gemäss der Verkehrsregelverordnung nicht erlaubt, teilt die Kantonspolizei Uri auf Anfrage mit. «Die Fahrzeuginsassen dürfen die Fahrbahn nicht betreten», heisst es in der Verordnung. Die Busse dafür beträgt 20 Franken.

Auch Pannenstreifen und signalisierte Abstellplätze für Pannenfahrzeuge dürfen nur für Nothalte benutzt werden. Je nach Kanton muss bei einer Pinkelpause auch mit einer Busse gerechnet werden.

8,5 Stunden Abfallbeseitigung täglich

Insgesamt betreut das AFBN eine Strecke von 148 Kilometern. Der ganze Güsel, der auf diesem Gebiet landet, ist eine stattliche Menge: «Total entsorgen wir beim AFBN circa 141 Tonnen Sperrgut pro Jahr in den Presscontainer im Werkhof und Stützpunkten, wovon circa 100 Tonnen aus Littering und von den Rastplätzen stammen.»

Das Problem hat sich gemäss AFBN verschlimmert: «Littering hat allgemein zugenommen», heisst es. Der meiste Güsel falle bei den Anschlüssen zu den Shops an. «Wir machen täglich Kontrollen auf der ganzen Strecke. Für die Abfallbeseitigung ist täglich Personal im Einsatz, durchschnittlich eine Person respektive 8,5 Stunden pro Tag.» Zusammengerechnet sind das 3102,5 Arbeitsstunden jährlich – das sind rund 129 Tage oder 18,46 Wochen Arbeitszeit.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Babs am 30.05.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Verpflegung mitnehmen und dann einfach wegschmeissen geht gar nicht. Die Verpflegung hatte vorher Platz im Auto, dann hat sie danach erst recht Platz damit man sie ordnungsgerecht entsorgen kann. Es isr so schlimm geworden. Manchmal frage ich mich kann der IQ und Anstand der Menschen nich tiefer sinken? Wenn man in den Boden gräbt, dann ja und er würde auch

  • Marc Steiner am 30.05.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH

    Wiederspiegelt unsere Wegwerfgesellschaft: Rücksichtslos und egozentrisch, hauptsache ein anderer räumts weg.

    einklappen einklappen
  • Paul am 30.05.2018 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EINNAHMENQUELLE

    Eine schöne und sinnvolle Einnahmequelle für den Kanton URI, Bussen von CHF 1000 einkassieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 30.05.2018 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu faul?

    Wenn schon Essen von zuhause mitnehmen, dann kann man auch sein Abfall wird einpacken, dann korrekt entsorgen... Abfallcontainer gibts auf jedem Rastplatz!!

  • Shredder X am 30.05.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schwer nachvollziehbar, dass man

    nicht abwarten kann, bis man seinen Abfall in einen dafür vorgesehenen Abfallcontainer entsorgen kann, oder diesen gar mit nach Hause nimmt und dort entsorgt? Was sind das nur für gleichgültige Mitmenschen, denen offenbar ihre Umwelt nichts bedeutet? Wenn wir alle uns so verhalten, wird es nicht lange dauern, und wir leben im Müll und können kaum einen Meter laufen, ohne im Abfall herumtreten zu müssen. Wie blöd ist das denn?

  • Daisy am 30.05.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Überall

    Als Seeanwohner sieht man diese traurigen Zustände auch jedes Wochenende. Die Tagestouristen entsorgen gleich ihren ganzen Abfall, die Kübel sind innert Kürze vollgestopft, dann wird einfach alles rundum verteilt. Habe sogar einen erwischt, der seinen Güsel von zu Hause mitgebracht hatte. Als ich ihn zur Rede stellte, musste ich mich noch beschimpfen lassen...

  • MagicM am 30.05.2018 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Anstand & Erziehung

    Littering hat viel mit Anstand unf Erziehung zu tun. Ich stelle leider täglich auf meinem Arbeitsweg fest, dass insbesondere Zigaretten nicht als Abfall angesehen werden und die Kippen einfach achtlos aus dem Autofenster geschmissen werden. Es dauert etwa 10 bis 15 Jahre, bis ein Filter auf natürlichem Weg verrottet ist... Danke an alle Raucher die den Aschenbecher benutzen!

  • R. Renggli am 30.05.2018 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Endlich mal Maut verlangen (bestehende Gesetze können geändert werden, das ist keine Ausrede um Maut nicht einzuführen) und Littering-Bussen. Und die Busse von 10.- für das Nicht-Aussteigen-Dürfen konsequent eintreiben. Dazu gleich noch eine Busse dafür, dass keine Rettungsgasse gebildet wird. Für die Reinigung kann man Leute einstellen, wieso nicht auch für die Bussen-Eintreibung!