Kanton Schwyz

21. April 2017 05:46; Akt: 21.04.2017 07:18 Print

Ergänzungsgelder für Millionäre ärgern Behörde

von Daniela Gigor - Zwei betagte Millionäre leben im Kanton Schwyz in Pflegeheimen – und beziehen Ergänzungsleistungen. Das stösst dem Direktor der AHV/IV sauer auf. Doch ihm sind die Hände gebunden.

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Andreas Dummermuth, Geschäftsleiter der Ausgleichskasse/IV-Stelle Schwyz. (Bild: Kanton Schwyz)

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Wenn das Geld zum Leben nicht ausreicht, können Rentner Ergänzungsleistungen (EL) beantragen. Ob Anspruch darauf besteht, hängt von den jährlichen Ein- und Ausgaben ab und ob man Vermögen besitzt. Dennoch kann es vorkommen, dass auch Millionäre Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben.

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Diese Erfahrung macht zur Zeit der Kanton Schwyz. Dort leben zwei Ehepaare, die mehr als eine Million Franken und zudem ein Eigenheim besitzen.

Weil nun je einer der Ehepartner auf die Pflege in einem Altersheim angewiesen ist und der andere Partner in seinem Eigenheim lebt, muss die kantonale Ausgleichskasse Ergänzungsleistungen für den Ehegatten im Heim bezahlen. «Solche Fälle sind zwar sehr selten. Aber sie können vorkommen, weil dies im Bundesrecht so geregelt ist», sagt Andreas Dummermuth, Geschäftsleiter der Ausgleichskasse/IV-Stelle Schwyz. Er betont, dies sei kein Missbrauch, sondern ein «legaler Fehlanreiz».

«Das heutige Berechnungssystem hat Fehler»

Das Problem liegt darin, dass sich die EL-Berechnung für Heimbewohner von anderen Personen in einigen wichtigen Punkten unterscheidet: «Besitzt das Ehepaar etwa eine Million Franken, beträgt der Vermögensfreibetrag 360'000 Franken. Dieser Betrag wird von der Million abgezogen», sagt Dummermuth. Dies ergibt dann 640'000 Fr. Vermögen. Dieser Betrag wird durch die Ehepartner geteilt – somit verbleiben je 320'000 Fr. pro Person. Davon wird pro Jahr nur ein Zehntel an die Ausgaben angerechnet. Weil diese 32'000 Fr. zur Finanzierung der jährlichen Heimkosten aber bei weitem nicht ausreiche, müsse Vater Staat in die Tasche greifen.

Keine EL für Millionäre in Zug und Luzern

Dummermuth kritisiert das System: «Es ist in meinen Augen ein Systemfehler, dass heute keine finanzielle Vermögensschwelle für die EL vorhanden ist.» Er fordert darum in der laufenden Revision des Bundesgesetzes über die EL, dass Personen, die mehr als 100'000 oder 150'000 Franken Eigenmittel besitzen, keine EL mehr erhalten können. Dieses Instrument ist in den Augen des AHV/EL-Chefs einfach und effizient.

Laut Dummermuth kennt das Sozialhilfegesetz bereits eine sogenannte Vermögensschwelle in der Höhe von 8000 Franken für Ehepaare. Haben die Antragsteller Ersparnisse in dieser Höhe, würden ihre Anträge strikt abgelehnt. Dummermuth: «Anstatt bei den Armen zu sparen, soll man den Reichen keine unnötigen Steuergelder nachschiessen.»

Wie die Kantone Luzern und Zug auf Anfrage sagten, gibt es in beiden Kantonen keine Millionäre, die EL beziehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frederick Meier-Bolt am 21.04.2017 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Ok gut zwei Fälle sind bekannt. Was ist mit den zehntausenden Gästen die nie etwas Eingezahlt haben aber alles bekommen?. Sie sehen beides ist nicht schön.

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  • Wolge am 21.04.2017 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Leben lang gespart

    Nun gibt es solche die alles Geld ausgeben, teure Autos leasen etc und am Schluss nichts mehr haben. Andere sparen ein Leben lang und kommen so irgendwann mal auf über eine Million. Wer ist denn nun der Schmarozer? Der der spart oder der der auf Kosten Anderer alles sus dem Fenster wirft?

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  • MichiZug am 21.04.2017 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    1. ist alles lega und 2. haben Diese Leute vermutlich auch viel Steuern bezahlt und nie vom System profitiert. Wieso soll der Sozialstaat immer nur für ärmere da sein? Es ist sowieso ein Witz, dass Leute die ihr Geld verprasselt haben, im Altersheim durch die Allgemeinheit getragen werden und der Sparer alles selber zahlen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Freydenker am 21.04.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hast du Geld

    Hast du Geld, so hilft dir der Staat. Den anderen soll Gott helfen.

    • John am 21.04.2017 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      @ Freydenker

      Tut mir Leid Freydenker, aber hier liegst du falsch. Hast du Geld nimmt es dir der Staat noch weg, es sei denn zu hast viiieeel Geld.

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  • Realist am 21.04.2017 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    übrigens

    gibt es auch Personen, welche als Familiennachzug mit 62 Jahren in die Schweiz kommen und die Angehörigen das Minimum an AHV-Beiträgen einbezahlen. Kurz darauf AHV und Ergänzungsleistungen anmelden und grosszügig abkassieren. Steuerfrei natürlich inklusive Krankheitskosten (Zahnarzt, Spitex, Pflegeheim).

    • un Welsch am 21.04.2017 13:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Es ist genau so. Das Problem ist in erster Linie das Migrationsrecht- bzw. Gesetz, welches die EL-Stellen gezwungen sind, zu übernehmen bzw. anwenden :-(

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  • Jackie am 21.04.2017 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss ja die EL nicht beantragen!

    AHV-EL muss man immer beantragen. Die kommt nicht einfach. Dieses Ehepaar hätte einfach keine EL beantragen können. Zudem muss man immer einen Teil des Vermögens an die Heimkosten geben (zB pro Jahr 10% im Kanton BL). Und immer auch das gesamte jährliche Einkommen, sofern es die Heimkosten nicht übersteigt.

  • Peter S am 21.04.2017 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wer zahlt soll auch Leistungen bekommen

    Wer einzahlt soll auch etwas bekommen - oder nicht mehr einzahlen müssen. Das ist wie wenn ich ein Auto versichere und wenn ein Schaden auftritt soll ich es selber bezahlen da ich genug Geld habe.

  • Ursi am 21.04.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Der Beobachter hat auch eine Geschichte über ein Ehepaar das die Ergänzunsgelder zurück zahlen soll,obwohl das Geld für den Mann ins Pflegeheim geht.

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