Entgleister Zug

23. März 2017 10:09; Akt: 23.03.2017 16:08 Print

Es braucht 400 Meter Gleis und 4 neue Weichen

Der Bahnhof Luzern bleibt nach der Zugentgleisung bis am Montagmorgen für den Bahnverkehr gesperrt. Es stehen umfangreiche Instandsetzungsarbeiten an.

Bildstrecke im Grossformat »
Nach der Entgleisung eines Eurocity-Zugs kurz vor dem Bahnhof Luzern bleibt dieser bis und mit Sonntag gesperrt. Die Schäden sind grösser als erwartet, teilt die SBB mit. Unter anderem müssen 400 Meter Gleise und vier Weichen komplett ersetzt werden. Auch 150 bis 200 Tonnen Schotter müssen bewegt werden. Der Bahnhof Luzern ist am Donnerstagmorgen praktisch menschenleer. An den Perrons stehen seit Mittwochnachmittag verlassene Züge. An den Perrons stehen parkierte Züge. Auch der Unglückszug wurde in den Bahnhof gebracht. Abgesehen von ein paar Arbeitern sind die sonst vollen Perrons leer. Nur die Zentralbahn fährt am Donnerstagmorgen (23. März 2017) gemäss Fahrplan. Alle anderen Züge fallen nach der Entgleisung vom Mittwochnachmittag nach wie vor aus. Die Pendler müssen auf Bahnersatzbusse umsteigen. Etwa auch in Littau. Am Bahnhof Luzern standen ebenfalls Busse bereit. Sie verkehrten in unterschiedliche Richtungen. Aus Platzgründen stehen einige Busse auf dem Europaplatz vor dem KKL. Der verunfallte Zug wurde zurück auf die Schienen gehoben und dann abgeschleppt. Ein Bild eines Lesers zeigt, wie der Zug beim Kreuzstutz in Luzern inspiziert wird. In der Nacht waren Einsatzkräfte mit Hochdruck am Werk. Der Zug entgleiste in Bereich der Langensandbrücke, einem wichtigen Verkehrsträger in der Stadt Luzern. Etliche Mitarbeiter waren in der Nacht auf Donnerstag mit den Bergungsarbeiten beschäftigt. Der verunglückte Zug wird voraussichtlich am Donnerstagvormittag geborgen. Erste Bilder des Unfalls am Mittwoch von einem Leser-Reporter, der im Zug sass. Der ganze Waggon kam völlig schräg zum Stillstand. Sechs Personen wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Notärzte stiegen in den Zug zug. Die Passagiere mussten im schrägen Zug ausharren. «Die Rettungskräfte geben Anweisungen», so der Leser-Reporter. «Ein Blitz und ein Knall, dann fuhr der Zug nicht mehr», so ein anderer Leser-Reporter. Der gekippte Wagen blockiert den Bahnhof. Der Zugverkehr ist blockiert. Die Störung dauert noch den ganzen Tag. Mehrere Personen wurden verletzt. Beim Zug handelt es sich um einen Cisalpino. Der Eurocity Mailand - Basel verunfallte bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern. Der Zug sollte Richtung Olten fahren. Ein Fahrleitungsmast wurde umgerissen. Ein Grossaufgebot von SBB-Angestellten war vor Ort. Diverse Polizei- und Ambulanzfahrzeuge fuhren zum Unfallort. Auch Schaulustige fanden sich vor Ort ein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auch am Donnerstag sind die Einsatzkräfte mit der Bergung des verunglückten Zuges unter der Langensandbrücke in Luzern beschäftigt. Der Bahnhof bleibt mindestens noch den ganzen Tag über gesperrt, wie die SBB am Donnerstagmittag mitteilt. Einzig die Zentralbahn verkehrt planmässig.

Von den verunglückten Waggons seien mittlerweile alle wieder auf die Gleise gehoben worden. Nun werde die Fahrbahn zwischen Unfallstelle und Bahnhof untersucht, damit man den Unglückszug im Bahnhof parkieren könne. Das ist notwendig, damit die Schäden an den Gleisen und den Fahrleitungen untersucht werden können.

Zug sprang auf Weiche aus Schienen

Die Unfallursache ist derzeit noch unklar. Sicher ist: Der Zug sprang direkt auf einer Weiche aus den Schienen. Das bestätigte die zuständige Untersuchungsstelle des Bundes. Unter anderem werde jetzt der Zustand der Gleise und der Zugräder untersucht, sagt Sust-Bereichsleiter Christoph Kupper. Nach ersten Einschätzungen hat die Entgleisung einen Schaden in Millionenhöhe verursacht.

Noch nicht zur Verfügung stehen die Daten, welche im Zug automatisch aufgezeichnet werden, ähnlich einer Blackbox im Flugzeug. Dazu gehören laut Kupper Informationen zur Geschwindigkeit, den Bremsen, zum Hydraulikdruck und zum Stromkreis.

Passagiere der Zentralbahn konnten die Bergung beobachten:

Mögliche Ursachen für Zugentgleisungen gibt es viele, wie Kupper ausführt. So könne eine zu hohe Geschwindigkeit zu einem Unfall führen, ebenso ein Bruch am Rad, der Achse oder an der Schiene. Steht das Rad nicht schön senkrecht zum Gleis, könne dies zu einer Verkantung führen. Und schliesslich könne auch eine Weiche zur Entgleisung führen, weil sie falsch gestellt sei oder sich unter dem Zug bewege.

Vier Weichen müssen ersetzt werden

Der Eurocity hat bei der Entgleisung massive Schäden angerichtet: Die Analyse des Gleisbetts, der Kabelkanäle sowie der Fahrleitungen hätten gezeigt, dass der Schaden grösser ist als bisher angenommen, schreibt die SBB. Deshalb rechnen die Experten damit, dass der Bahnhof Luzern erst am Montagmorgen wieder vollständig in Betrieb genommen werden kann.

Die SBB hat sich zu einer Vollsperre des Bahnhofs entschieden, damit die Arbeiten an der engen Stelle schneller und für die Einsatzkräfte sicherer ausgeführt werden können. Nur die Zentralbahn verkehrt weiterhin planmässig. Das Bahnhofsgebäude und die Läden darin bleiben hingegen erreichbar.

Es werde bis Montagmorgen rund um die Uhr gearbeitet, schreibt die SBB. Voraussichtlich müssen 400 Meter Gleis neu verbaut, vier Weichen komplett ersetzt, zwei Weichen teilumgebaut, 150 bis 200 Tonnen Schotter bewegt und zwei Fahrleitungsmasten sowie ein Fahrleitungsjoch über mehrere Gleise ersetzt werden.

Verletzte konnten Spital verlassen

Die Luzerner Polizei teilte am Mittag mit, dass alle Verletzten das Spital nach einer ambulanten Behandlung verlassen konnten. Es handle sich um drei italienische, eine mazedonische und zwei Schweizer Staatsangehörige. Tags zuvor war von sieben Verletzten die Rede. Laut der Polizei hatte sich jedoch eine Person durch einen Sturz in einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel verletzt.

(vro/mme)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theo am 23.03.2017 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Service

    Bin gerade heute Morgen nach Luzern gereist. Absolut problemlos. Kaum Verspätung. Hervorragend organisiert das Ganze durch dir SBB.

    einklappen einklappen
  • Dankbarer Gast am 23.03.2017 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank an alle Helfer

    Sehr beeindruckend, wie alles geregelt und organisiert wird! Deshalb ein grosses Dankeschön an alle Feuerwehrleute die bei der Bergung helfen, an alle Polizisten die den Verkehr regeln, an alle SBB-Mitarbeiter welche die Passagiere informieren und an alle Busfahrer die Extra-Schichten machen!!

    einklappen einklappen
  • Manu S. am 23.03.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hervorragende Arbeit

    Bin heute mit dem Zug von Baar nach Kriens gefahren. War sehr gut organisiert Bahn bis Ebikon, dann Bus bis Luzern über St. Anna und dann mit dem Zug nach Mattenhof brauchte 70 Min. Danke allen für diese sehr gute Arbeit und wünsche den SBB Angestellten einen schönen Tag.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Triathlet am 24.03.2017 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfallursache sehr wohl klar....

    Liebe SBB Was zum Unfall geführt hat war mir bereits vor dem Unfall "klar": jedesmal nämlich, wenn ich mit dem Zug in den Bahnhof Luzern einfuhr, rüttelte es genau an dieser Weiche so extrem links rechts links, dass ich mich schon seit langem wunderte, dass da noch kein Rad abgebrochen ist... Dass hier frühzeitige Materialermüdung oder eine Entgleisung eine Frage der Zeit sein könnte....?! Und ein "Pendolino" Neigezug, welcher sich bei langsamer Fahrt eben nicht neigt, ist eventuell konstruktionsbedingt wohl noch anfälliger auf solche Seitenkräfte ... Und: fettes Lob für das Kriesenmanagement!

  • R v N am 24.03.2017 00:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage der Zeit

    Wenn man jeweils auf der Lamgensandbrücke stand und das grässliche Gequitsche der Züge hörte, war es eine Frage der Zeit, bis ein Wagen einmal das Weite suchte...

  • Peter am 23.03.2017 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich 

    Den Bahnhof schliessen wegen ein paar Meter defektem Gleis. Das haben wir von übervorsichtigem regulatorischem Getue. In jedem anderen Land würde der Zugverkehr schon lange wieder rollen...

    • Céline Strahm am 24.03.2017 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Hauptsache auch sie sind Experte und wissen einen fachmännischen Kommentar abzugeben. Und nein, das ist nicht eine Modelleisenbahn wo man "so schnell mal" paar Weichen ersetzt.

    • Triathlet am 24.03.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Noch was: Ich denke, Sie sind in noch nicht vielen Ländern Zug gefahren! Ich schon!!! Die Schweiz ist gesamthaft betrachtet um Meilen besser als die allermeisten anderen Länder! Diese schneiden allenfalls auf punktuellen Strecken oder in ausgesuchten Agglos besser ab, auf Kosten des restlichen Anteils...

    • Grisu am 24.03.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Finde Ihren Beitrag unverschämt. Denn genau Sie wären es, der laut aufschreit, wenn der Zugverkehr jetzt wieder rollen würde und noch einmal ein Unglück passiert. Die sollen jetzt alles sauber in Ordnung bringen und flicken. Immerhin hat dieser Unfall viele schöne dinge wie Solidarität, Menschlichkeit und so gut wie keine Verletzten ans Tageslicht gebracht. Mit 160 Menschen an Bord hätte das auch übel ins Auge gehen können. Mal etwas weniger motzen und jammern wäre echt schön.

    einklappen einklappen
  • Julian Weibel am 23.03.2017 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halb so schlimm :)

    Hauptsach Niemand wurde schlimmer verletzt!! Auch sowas kann in der Schweiz passieren.

  • myraphi am 23.03.2017 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jahr ohne Unfall gewünscht

    Irgendwie chlöpft es zu oft, ohne damit etwas konkret bemängeln zu wollen. So sicher scheint Zugfahren eben nicht zu sein, wenn auch immer noch sehr sicher. Aber mal wieder ein Jahr ohne grossen SBB-Unfall wäre wünschbar. Irgendwie passt Feier-Meyer nicht mehr dazu.

FCL.TV
Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen