Geologe zum Felssturz

11. Januar 2016 07:17; Akt: 11.01.2016 16:28 Print

«So etwas habe ich noch nie gesehen»

Rund 5000 Kubikmeter Fels brachen in Wolhusen am Montag ab. Laut einem Geologen sei der Abbruch wie ein Meteoriteneinschlag gewesen. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang.

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Gegen halb vier Uhr morgens ist in Wolhusen auf der Höhe des Kieswerks der Imbach AG ein Stück überhängender Fels abgebrochen. «Ich hörte mitten in der Nacht lautes Gerumpel, es war wie ein Erdbeben», sagt eine Dorfbewohnerin. «Es liegen riesige Brocken im Fluss.» Der aufgebotene Geologe Klaus Louis sagte, es seien rund 5000 Kubikmeter Gestein abgestürzt. Der Fels schlug in eine Kiesbank ein. Die Wirkung war wie bei einem Meteoriten: «Dadurch wurden Steine und Bäume bis zu 200 Meter weit geschleudert», sagte er an der Pressekonferenz am Montagnachmittag. «So etwas habe ich noch nie gesehen», so der Geologe.

Das Flussbett wurde auf einer Länge von rund 50 Metern und einer Breite von 25 Metern knapp fünf Meter hoch mit Gestein gefüllt. Die Massen haben die Kleine Emme gestaut: «Der Querschnitt wurde massiv verengt. Nur noch etwa zehn bis 20 Prozent des Wassers konnte durch das Flussbett fliessen», sagte Louis. Das Wasser hatte sich darauf einen anderen Weg gesucht und floss auf der Hauptstrasse durchs Dorf. Die Feuerwehr errichtete einen Erdwall, damit das Wasser weiter flussabwärts wieder ins Bachbett zurückfliessen konnte.

Sturz nicht durch aussergewöhliches Ereignis ausgelöst

Mittlerweile konnte das Flussbett zum Teil wieder ausgebaggert werden und das Wasser fliesst mehrheitlich wieder im alten Bett. Die grossen Brocken sollen am Nachmittag mit einer Sprengung beseitigt werden. Der Hang wird beobachtet, der Geologe geht jedoch nicht davon aus, dass sich noch weitere Felsmassen lösen. Ein aussergewöhnliches Ereignis, das den Felssturz ausgelöste, habe es nicht gegeben. Der Molassefels sei einfach zum Absturz bereit gewesen.

Der Sachschaden beträgt mutmasslich mehrere Millionen Franken. Es wurden zahlreiche Autos zerstört und Gebäude und eine Unterführung unter Wasser gesetzt. Dabei ist auch Öl ausgelaufen. Wie viel ist noch unklar: «Zuerst muss das Wasser aus den Kellern gepumpt werden», sagte der Einsatzleiter Beat Zihlmann von der Feuerwehr Wolhusen.

Trafostation unter Wasser

Das Wasser hat auch eine Trafostation im Sandmätteli unter Wasser gesetzt. Dies teilten die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) mit. In der Folge fielen die betroffene und zwei weitere Trafostationen aus. Die Pikettgruppe werde trotz erschwertem Zugang die anderen Trafostationen in Emsern via Notstromaggregat mit elektrischer Energie versorgen, so die CWK.

Rund 20 Personen mussten wegen der Wassermassen evakuiert werden. Sie konnten noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Für die Kinder fiel die Schule aus. Aufgrund der Überschwemmung ist auch die Strasse nach Entlebuch in beiden Richtungen gesperrt. Der Postauto-Betrieb zwischen Wolhusen und Doppleschwand ist entsprechend eingeschränkt. Der Bahnbetrieb ist nicht eingeschränkt.


(ann/gwa/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • b.l am 11.01.2016 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein bekanntes erreignis

    wohnte früher da. die gemeinde weiss schonn lange das man dort was tun sollte. doch leider muss es immer wider passieren. hoffe niemand wurde verletzt.

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  • 20min Leser am 11.01.2016 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer Steinschlag

    Ich wünsche allen Betroffenen in dieser Gegend dass die Ueberschwemmung möglichst wenig Schaden anrichtet.

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  • Husi am 11.01.2016 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm für Wolhusen

    Mit der Kommentarfunktion bin ich aber leicht überfordert? Was gibt es sonst dazu zu sagen? Dafür wurde eine andere Kommentarfunktion geschlossen. Ihr wisst was ich meine ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman Schumacher Walterswil BE am 12.01.2016 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nächster Punkt der kleinen Emme wartet !

    Ein sehr trauriges Bild ! Gottseidank kamen keine Menschen ums Leben oder haben sich schwerer verletzt. Schon so, schlimm genug. Wenn man den Flusslauf der kl. Emme beobachtet, kann in der nun durch Fachkräfte überwachten Stelle in Wertenstein unterhalb des Klosters genau das Gleiche passieren. Dort besteht zudem die Möglichkeit, dass das Kloster oben am Berg noch in Mitleidenschaft gezogen wird. Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt und die Einsatzkräfte sich bald einmal erholen dürfen. Allen Helfern ein "härzlechs Dankeschön"

  • Hssen am 12.01.2016 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolhusen

    Ich bin ein bewohner der evakuieren musste ich hatte sehr Angst aber ja

  • 1 Voice am 11.01.2016 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein herzliches Dankeschön den Einsatzkräften

    Es ist jämmerlich all diese Kommentare zu lesen. Es wird bestimmt nicht der letzte Felssturz und die letzte Überschwemmung gewesen sein. Die Werthensteiner und Wolhusen wissen ganz genau, wie sie damit umgehen müssen. Ein herzliches Dankeschön den Einsatzkräften. Sie haben ein Lob verdient.

    • Aelpler am 11.01.2016 21:59 Report Diesen Beitrag melden

      @1 Voice

      Es sind aber einige Kommentare dabei die Gefühle zeigen für die betroffenen Leute. Auch ist vielen Leuten bewusst, dass Felsstürze und Ueberschwemmungen immer wieder vorkommen werden.

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  • Josef K. am 11.01.2016 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Unglück

    Ich bin kein Wahrsager,aber es ist nur eine Frage der Zeit und der total überbaute Einfamlien-Haus Hang in Malters wird abrutschen!Fahrt Richtung Littau-Malters rechts!!!Unterspülung wie in Wolhusen.

  • Jolanda am 11.01.2016 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Souverän

    Problem erkannt, ruhig und überlegt gehandelt. Wäre schön wenns bei Geschehnissen immer so wär.

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