Hochschule Luzern

22. Juni 2017 16:13; Akt: 22.06.2017 19:03 Print

Hässliche Solarpanels gibt es jetzt auch in Schön

Weil sie wegen ihres Aussehens bei vielen Architekten nicht beliebt sind, hat die Hochschule Luzern ein Verfahren entwickelt, um Solarpanels zu verschönern: Sie werden zu Bildern.

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Die Hochschule Luzern (HSLU) will mit einem neuen Verfahren den Einsatz von Solarpanels fördern. Das Problem: «Viele Architekten oder Bauherren installieren an Privathäusern keine Solarpanels, weil sie die blauschwarzen Tafeln optisch wenig überzeugend finden», sagt Stephen Wittkopf. Der HSLU-Professor leitet ein interdisziplinäres Team, das deshalb ein Verfahren entwickelt hat, mit dem die Panels attraktiver gemacht werden können: Sie werden bunt bedruckt.

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Seit ein paar Tagen ist nun die Photovoltaikanlage «Swissness» der HSLU bei der Umwelt Arena in Spreitenbach in Betrieb. Dort sind nun Solarpanels installiert, die mit den Kantons- und dem Schweizerwappen bedruckt sind. «Die Module sind aktiv, die Leistung wird live aufgezeichnet», sagt Wittkopf. Zum Vergleich sind auch unbedruckte Panels montiert.


Ähnliches Projekt des Forschungsinstitut CSEM: Mit Bildern bedruckten Photovoltaikmodule in Neuenburg. (Video: Tamedia/SDA)

Effizienz wird gemessen

«Wir testen vor Ort die Effizienz der bedruckten Tafeln. Denn im Vergleich zu üblichen Solarpanels erbringen sie rund 20 Prozent weniger Leistung.» Dies sei jedoch unter Laborbedingungen der Fall. Bei der Umwelt Arena müssen sich die Panels nun im Feld beweisen. Zwar schneiden die Tafeln im Test nur wenig schlechter ab als im Labor, aber Wittkopf zieht ein positives erstes Fazit: «Visuell hinterlassen die Tafeln einen positiven Eindruck und der Verlust hält sich in Grenzen.»

Mit den Messwerten könne man auch Bauherren die nötige Planungssicherheit verschaffen. Ab Juli werden die Zahlen auch auf der Webseite der HSLU veröffentlicht.

In der Herstellung sind die Tafeln rund 30 Prozent teurer als übliche Solarpanels. Trotz höherer Kosten und weniger Effizienz sieht Wittkopf aber eine Zukunft für die bedruckten Panels: «Wenn es dadurch gelingt, mehr Architekten zur Berücksichtigung von Solarenergie zu motivieren, macht der vermehrte Einsatz die etwas verminderte Energieproduktion der einzelnen Panels leicht wett», sagt er.

Panels stiessen in London auf Interesse

An der Ecobuild-Messe in London hat die HSLU ihre Entwicklung präsentiert. Dort stiess man auf grosses Interesse – auch, wenn es um denkmalschützerische Aspekte geht. Da die Panels unterschiedlich bedruckt werden können, könnten sie auch dort eingesetzt werden. «Die Nachahmung traditioneller Materialien durch den Druck macht den Einsatz auch dort interessant.»

«Das gefällt vielen Architekten nicht»

Axel Simon, Architektur-Redaktor beim «Hochparterre», findet solche Entwicklungen «generell richtig und wichtig». Er bestätigt die Vorbehalte gegen Solarpanels. «Sie sind sehr markant und erscheinen als technisches Bauteil», sagt Simon. «Das gefällt vielen Architekten nicht.»

«Durch das Bedrucken werden die Einsatzmöglichkeiten erweitert», sagt er. Man könne die Panels wie ein normales Material erscheinen lassen, aber: «Ein Bedrucken mit Holzmuster oder das Suggerieren von Granit ist wohl eher schwierig.» Da dürften Architekten eher auf bewährte Materialien zurückgreifen.

Auch am Forschungsinstitut CSEM gibt es ein ähnliches Projekt. In Neuenburg werden derzeit ebenfalls spezielle Photovoltaikmodule ausgestellt, die mit einer bedruckten Folie versehen sind.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • roro am 22.06.2017 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss die Meinung ändern

    Wenn wir schon neue Energiequellen brauchen, müssen wir unseren Geschmack ändern und solche Solarinstallationen akzeptieren, auch die Herren (und Frauen) Architekten und Denkmalschützer. Sonst wird das nichts mit der Energiewende.

    einklappen einklappen
  • EinLeser am 22.06.2017 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Effizienz?

    Wie sieht es mit der Effizienz aus? Führen helle Farben nicht dazu, dass weniger Licht absorbiert und mehr reflektiert wird?

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  • Simon am 22.06.2017 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gift

    Das Problem mit den bedruckten Panel ist, das nicht umweltneutrales Silizium eingesetzt wird, sondern giftige Ersatzmaterialien. Keine Nachhaltige Entwicklung.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • jane77 am 25.06.2017 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    umwelt

    mich stören die normalen eigendlich nicht aber so könnten sich viele,welche sich nur an der optik störten, nun doch solarpanels aufs dach machen lassen was wiederum der umwelt zu gute kommt

  • Cogito ergo sum am 24.06.2017 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgedruckte "Ziegel"

    Solarpanels mit aufgedruckten "Ziegeln". Damit könnten allenfalls auch Einsprüche von Nachbarn oder des Bauamtes vermiedrn werden.

  • fredi gurtner am 23.06.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bilder Solarzellen

    Warum ist bisher noch niemand darauf gekommen. Diese Idee hatte ich schon lange. Da ich aber kein Tüftler bin hätte es mit der Umsetzung sowieso gehapert. Danke

  • Sack Zement am 23.06.2017 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Sorry, aber alles was auf Kosten der Effizienz geht, ist Geld- und Ressourcenverschwendung. Wenn man normale Panels nicht schön findet, dreht man den Kopf auf die andere Seite. Nach zwei Wochen interessiert sich niemand mehr für die Ästhetik, weil man sich daran gewöhnt hat.

  • Dä Jesus am 23.06.2017 01:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum nicht.

    Ich finde die Blauviolett schimmernde Siliziumstruktur der normalen Solarzellen eigentlich recht faszinierend und ansehlich, aber auch Bedrukte Panels haben ihre Berechtigung, womöglich könnte man sogar Werbeflächen zur energieproduktion nutzen.

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