«Leben in virtueller Welt»

14. Juni 2017 07:23; Akt: 14.06.2017 07:23 Print

Kesb sorgt sich um junge, arbeitslose Stubenhocker

von Noah Knüsel - Die Kesb Luzern schlägt Alarm: Immer öfter hat sie mit jungen Erwachsenen zu tun, die keinen Job haben, nur im Internet surfen und noch bei Mami wohnen.

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Ohne Ausbildung sind sie aufgeschmissen: Die Kesb hat vermehrt mit perspektivlosen jungen Erwachsenen zu tun. (Symbolbild) (Bild: iStock)

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Die Kesb der Stadt Luzern hat am Dienstag ihre Fallzahlen bekanntgeben. Dabei stach ein Trend besonders ins Auge: «Wir haben in den letzten Jahren vermehrt auch mit jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 zu tun, die keine Perspektiven haben», sagt Kesb-Präsidentin Angela Marfurt. Oft lebten diese in ihrer virtuellen Welt und hätten wenig soziale Kontakte im echten Leben. «Ich denke, die Problematik hat sich mit der Verbreitung des Internets und dem Aufkommen der sozialen Medien verschärft», sagt sie. Meist würden Betroffene noch bei den Eltern wohnen, hätten aber keine erkennbaren Krankheiten oder gravierende Suchterkrankungen.

Weil diese jungen Menschen meist weder eine Ausbildung noch Berufserfahrung hätten, seien sie oft von der Sozialhilfe abhängig. Das Sozialamt habe aber zu wenig Ressourcen, diese Klienten zu begleiten, erklärt Marfurt: «Das Amt kann am Schluss höchstens mit der Einstellung der Zahlungen drohen.» Die Kesb habe da mehr Optionen, um den Betroffenen zu helfen.

Betroffene sollen selbständig werden

«Das Ziel ist immer, sie zu motivieren, eine Ausbildung abzuschliessen, damit sie selbständig werden», erklärt Marfurt. Das sei vor allem gut für die Betroffenen selbst, aber auch für das Sozialsystem. «Mit 20 wohnt man vielleicht noch zu Hause, die Mutter kocht, wäscht und macht alles. Das geht aber irgendwann nicht mehr.»

Dazu hat die Behörde verschiedene Möglichkeiten. Etwa könne ein Beistand helfen: «Dieser kann entweder nur eine Begleitfunktion haben oder auch vertretend tätig sein, also etwa für die betroffenen Person mit einem Lehrmeister verhandeln.»

«Person soll mit der Massnahme einverstanden sein»

Das sei aber immer eine Gratwanderung: «Die Person soll mit der Massnahme einverstanden sein und den Sinn dahinter sehen.» Betroffene zu zwingen bringe in den wenigsten Fällen etwas. Hier liege auch das grösste Problem. Marfurt: «Meist haben diese jungen Erwachsenen gar keinen Willen, etwas zu verändern und die Eltern sind überfordert.» Verlangt sei viel Fingerspitzengefühl. «Ich finde aber persönlich: Es lohnt sich, in diese Personen zu investieren», bilanziert die Kesb-Chefin.

«Junge haben sich schon immer abgekapselt»

Laurent Sédano, Programmverantwortlicher Medienkompetenz der Pro Juventute, sagt: «Heute vermischen sich die Lebenswelten on- und offline zunehmend.» Dass sich junge Menschen von der Aussenwelt abkapseln, habe es aber schon immer gegeben. «Nun können sie das halt auch mithilfe des Internets tun.» Das könne verschiedene Gründe haben: Meist fühlten sich die jungen Leute nicht verstanden oder allein gelassen.

Sédano betont aber auch: «Gerade online werden Hilfsangebote rege genutzt.» Besonders die Anonymität von Chats helfe jungen Leuten, offen über ihre Probleme zu sprechen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • (Ex-)Gamer am 14.06.2017 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Sitzt ihr auch immer mit einer Kaputze über dem Kopf und mit Salzstangen und Chips schön zurechtgelegt vor dem PC beim zocken? :D

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  • Anita Zwicker am 14.06.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gibt es die KESB

    Eine verantwortungsvolle und professionelle Organisation. Arbeitet gezielt mit den Eltern zusammen und trifft keine vorschnelle Entscheidungen. Aus eigener Erfahrung wünsche ich niemandem jemals mit ihr zu tun zu haben.

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  • Sbu am 14.06.2017 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Job

    Das Zauberwort heisst Job/Arbeit. Kommunikation und die Jugendlichen ernst nehmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sbu am 14.06.2017 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sommerferien

    Ich ging ab dem 12. Lebensjahr jeden Sommer volle 10 Wochen arbeiten. Ich suchte mir den Betrieb selber. Zuerst in der Küche Geschirr waschen, später Zimmer machen, dann Wäscherei und mit 16 durfte ich den Frühstücksservice machen. Heute werden nirgends mehr Junge unter 15 Jahren genommen (Kinderarbeit) etc. und es sind noch 5 Wochen Ferien. Also Familienurlaub 2 Wochen ab mit dem Flugzeug, evt. noch 2 Wochen ins Jubla, dann für 1 Woche arbeiten sicher nicht..

  • Malang am 14.06.2017 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    ich kann die Jungen gut verstehen. Immer höhere Anforderungen, mehr Konkurrenz, Jobs zahlen nicht mehr so gut wie früher, ein Studium ist kein Garant mehr für eine gesicherte Lebensgrundlage und weniger Einstiegsstellen. Da würde mir das Lachen auch vergehen ...

  • MasterMind am 14.06.2017 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsplatz Sicherung

    Jaja, es lohnt sich immer in solche Personen zu investieren uns sie Jahrelang zu begleiten. Das sichert die Arbeitsplätze in unserer Sozialindustrie.

  • Marko0912 am 14.06.2017 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kesb wie Politiker

    ja ich kenne das Problem gut nur ist das so das die Jungen Erwachsene nirgends sich Treffen könnten das weil die Gemeinden ja alles abreißen und sich wegen Lärm beschweren sich in Einkaufs Center zu treffen ist ja auch asozial genau so wie auf den Bahnhöfen und in einer Bar oder Restaurant zu teuer also Treffen sie sich Online .ich finde es immet lustig das immer kritisiert wird anstatt Lösungen zu finden, langsam glaube ich das kesb nur zu diesen Grund existiert sich nur zu beschweren, kritisieren und beschuldigen und so erwarten sie das die heutigen Probleme sich einfach auflösen. wir haben schon solche Politiker da besucht es nicht noch so eine Organisation!

  • Anazazi am 14.06.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alp

    Mal einen sommer auf eine alp schicken, eine alpkäserei. Eine farm in texas oder australien. Alaska wäre auch ein option. Kenne einige fälle, wo das sehr geholfen hat lebensmotivation zu finden. Wenn man erst mal erlebt, was man fähig ist mit harter arbeit und den eigenen händen zu erschaffen, kann das "schleusen öffnen". Nahe an der natur und ehrliche, harte arbeit hat schon vielen geholfen. Einige bleiben sogar "für immer" dabei. Ein versuch wärs wert

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