Sensationsfund in Zug

03. Oktober 2017 17:44; Akt: 04.10.2017 11:08 Print

Kupferbeil ist identisch mit jenem von Ötzi

von Simon Wespi - Bei Grabungen in Zug hat man 2008 eine Kupferbeilklinge gefunden. Die Klinge liefert nun überraschende Erkenntnisse. Wie wichtig der Fund ist, war den Archäologen lange unbewusst.

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Ein Kupferbeil, das 2008 in der Pfahlbaufundstelle Riedmatt in Zug gefunden wurde, liefert neue brisante Details: Untersuchungen der Zuger Archäologie und der Uni Bern werfen ein überraschendes Licht auf die Bedeutung und Verarbeitung von Metallen in der Jungsteinzeit.

Ötzi-Beil ist 5000-jährig

Bei Analysen am geologischen Institut der Uni Bern, stellte sich folgendes heraus: «Die Beilklinge aus Zug-Riedmatt stammt wie diejenige des Beils, welches 1991 zusammen mit Ötzi gefunden wurde, aus der südlichen Toskana», sagt Gishan Schaeren, Leiter der Abteilung Ur- und frühgeschichtliche Archäologie beim Zuger Amt für Denkmalpflege und Archäologie.

Das Metall der beiden Kupferbeile ist praktisch identisch. Das bedeutet: «Die Verwendung von Kupfer nördlich der Alpen vor 5000 Jahren, hatte einen starken Einfluss aus dem Süden», sagt Schaeren.

Jedoch nicht nur das Metall war aussagekräftig, auch die Form sei ein entscheidender Hinweis. «Das gefundene Beil weist Randleisten auf und ist ähnlich geformt», so Schaeren weiter.

Tauschhandel über die Alpen

Wie das Kupferbeil über die Alpen in die Schweiz gekommen ist, könne man noch nicht sagen. Diesbezüglich laufen die Untersuchungen noch. Gishan Schaeren hat mehrere Theorien: «Jemand ist von Italien aus losmarschiert oder das Beil kam durch den Tauschhandel über mehrere Stationen in die Zentralschweiz.» Ähnliche Stücke wurden auch schon zwischen Bellinzona und Zürich gefunden.

Wichtig für europäische Forschung

Dieser Fund ist nun ein wichtiges Puzzleteil in der europäischen Pfahlbauforschung. «Bis anhin gingen wir davon aus, dass solche Kupfer-Metalle eher in die Zeit um 3700 v. Chr. gehören und aus Lagerstätten nördlich der Alpen stammen. Jetzt kennen wir neue Kupfer-Quellen aus der Zeit vor rund 5000 Jahren», so der Archäologe.

Wieso das Ergebnis erst jetzt nach bald zehn Jahren vorliegt, begründet Schaeren wie folgt:« In erster Linie machen wir Rettungsgrabungen. Die Bedeutung dieses Fundes war uns zunächst gar nicht bewusst.»

Pfahlbau Riedmatt gehört zum Unesco-Welterbe

Die kleine, unscheinbare Kupferbeilklinge wurde anlässlich der Rettungsgrabung 2008 in der Riedmatt entdeckt. Die Fundstelle liegt heute rund 800 Meter vom Seeufer entfernt. Der exzellente Zustand der organischen Siedlungsreste führte dazu, dass der Pfahlbau in Zug zusammen mit 110 weiteren Pfahlbauten um die Alpen im Jahre 2011 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank am 03.10.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Find den Fehler

    Ich zitiere mal aus eurem Text... «Bis anhin gingen wir davon aus, dass solche Kupfer-Metalle eher in die Zeit um 3700 v. Chr. gehören und aus Lagerstätten nördlich der Alpen stammen. Jetzt kennen wir neue Kupfer-Quellen aus der Zeit vor rund 5000 Jahren», Findet den Fehler in eurem Text. Oder besser noch. LEST eure Texte VOR dem veröffentlichen nochmals durch...

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  • Chris am 03.10.2017 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Vor 5000 Jahren war auch 3000v.Chr Bitte korrigieren.

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  • M.G. am 03.10.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Manche Leute legten damals

    sehr grosse Strecken zurück. Das zeigt ein Grab in der Nähe des Steinkreises von Stonehenge. Wegen der Grabbeigabe wird der Tote "Der Bogenschütze"genannt aber es wurden auch 3 Kupfermesser gefunden. Seine Zahnanalyse (Strontium-Isotope) zeigt das der Mann vor etwa 4.000 Jahren vom Schweizer Voralpenland bis auf die Salisbury Plains lief bzw. in einem Boot den Kanal überquerte. Und das obwohl er eine Knieverletzung hatte und an einem Kieferabszess litt der ihm wohl das Leben kostete. Ob der Urschweizer nach Stonehenge gepilgert oder ob er ein Händler war lässt sich nicht feststellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bettina am 04.10.2017 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Kupferbeil?

    DAS Beil, nicht die Beil.

    • Zuger Urleser am 05.10.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Bettina

      Oja... Und sowas nennt man dann im Qualitätsjournalismus "gute Storys" und man möchte doch diesem guten (gratis) Journalismus zuliebe noch ein bisschen mehr Werbung anschauen und solle gefälligst nicht blocken. :)

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  • Typhoeus am 03.10.2017 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kupfer ist Kupfer

    Ob aus Feuerland oder dem Ural.

    • aristoteles am 04.10.2017 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      also extra für dich:

      trotzdem lässt sich ganz klar mineralisch nachweisen, woher das kupfer kommt. es kommt nicht auf das kupfer persée an, sondern die herkunft. somit können wichtige wege verfolgt werden. nun kapiert?

    • Typhoeus am 04.10.2017 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @aristoteles

      leider nicht ganz so einfach wie Otto Normalverbraucher und 99% der Archäologen sich das virstellen.

    • Typhoeus am 05.10.2017 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @aristoteles

      Kupferhandel wahrscheinlich von Zypern per Schiff zu den Dardanellen oder Sizilien dann zu Fuss oder Maultier bis nach Wien oder Genf. Der Rest bleibt der Fantasie überlassen

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  • Roman am 03.10.2017 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verzerrung alles Erforschten

    Wie wird in so einem Fall ausgeschlossen, dass das Fundstück nicht vor z.B. 500 Jahren von einem Finder/Sammler/Händler verschleppt wurde nach Zug?

    • Arch.Ä.Ologe am 04.10.2017 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      weil vor 500 Jahren andere Materialien gebräuchlich waren.

    • Chris am 05.10.2017 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      Weil die Fundstücke ja unter 6 Metern Ablagerungen lagen. In 500 Jahren bilden sich keine 6 Meter... Mir scheint, du bist ein Verzerrer

    • Archi am 05.10.2017 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Roman: Vereinfacht gesagt...

      Ich kenne die genauen Fundumstände nicht, aber ich vermute stark, dass es in einer Schicht mit anderen Funden vergesellschaftet gefunden wurde. Aufgrund der Abfolge unterschiedlicher Schichten, kann eine relativ chronologische Abfolge gesehen werden. Durch unterschiedliche Vergleiche und/oder naturwissenschaftliche Methoden, wie z.B. C14, können Schichten absolut datiert werden. Durch die gesammelten Funde einer Schicht sowie der Abfolge kann dann ein Fall wie von Dir geschildert ausgeschlossen werden.

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  • André am 03.10.2017 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schüler

    Ich finde das wir die Unesco-Welterbe beiseite tun sollten. Die Wissenschaft irrt sich öfters,in 10 Jahren eine diveren von ca 22% ist doch ... eine, botschaft an die Bürger sich gedanken zu machen was da mache Leute erzählen. Es wahr einmal ...

    • Leser am 03.10.2017 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      Oh Oh

      Irgendwie, kann ich den Text nicht Begreifen. Habe wohl verständnis Probleme. Aussage??

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  • M.G. am 03.10.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Manche Leute legten damals

    sehr grosse Strecken zurück. Das zeigt ein Grab in der Nähe des Steinkreises von Stonehenge. Wegen der Grabbeigabe wird der Tote "Der Bogenschütze"genannt aber es wurden auch 3 Kupfermesser gefunden. Seine Zahnanalyse (Strontium-Isotope) zeigt das der Mann vor etwa 4.000 Jahren vom Schweizer Voralpenland bis auf die Salisbury Plains lief bzw. in einem Boot den Kanal überquerte. Und das obwohl er eine Knieverletzung hatte und an einem Kieferabszess litt der ihm wohl das Leben kostete. Ob der Urschweizer nach Stonehenge gepilgert oder ob er ein Händler war lässt sich nicht feststellen.

    • Typhoeus am 03.10.2017 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.G.

      Vielleicht hat er sogar den TGV benutzt.

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