Kanton Luzern

13. April 2016 18:34; Akt: 13.04.2016 18:34 Print

Monsterwels-Plage im Sempachersee

Welse verdrängen einheimische Fische und niemand kann etwas dagegen tun. Denn: Der Wels ist ein nachtaktiver Fisch und Fischen bei Nacht ist verboten.

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Eine Freiwasseraufnahme des Europäischen Wels. (Bild: Dieter Florian)

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Der Fischereiverband des Kantons Luzern ist wegen der Überpopulation von Welsen im Sempachersee besorgt. «Im Sempachersee verbreitet sich der Raubfisch immer stärker und wird zur Bedrohung für einheimische Fischarten», sagt Peter Schürmann, Präsident des Fischereivereins Sempachersee. «Wir möchten gegen die Verbreitung der Welse vorgehen.» Das Problem dabei: Welse sind nachtaktive Fische und können wegen des Nachtfischverbots nicht effizient gefischt werden.

Wels wurde vor 20 Jahren in Sempachersee gesetzt

Ausgelöst wurde die Wels-Invasion vor rund 20 Jahren. Damals habe laut Schürmann ein Fischer Welse im See ausgesetzt. «Er wusste wohl damals nicht, was er damit anrichtet.» Doch der Effekt war gewaltig: Taucher hätten Schürmann bestätigt, dass sie während ihrer Tauchgänge etwa alle zwei Meter einen Wels sehen würden.

«Wir gehen davon aus, dass es bis zu 1,80 Meter grosse und 50 bis 60 Kilogramm schwere Welse im Sempachersee hat», so Schürmann. Problematisch ist ihre Verbreitung aber vielmehr deswegen, weil sie eine fremde Fischart in diesem See sind. «Sie verdrängen die einheimischen Fischarten, da sich diese nicht an einen solchen Raubfisch gewöhnt sind», sagt Schürmann. So hätten etwa Fischer festgestellt, dass die einheimische Hechtpopulation zurückgegangen ist. Daran ist laut Schürmann aber nicht nur alleine der Wels schuld.

Das Nachtfischgesetz muss angepasst werden

Der Fischereiverband erachte es als sinnvoll, die Verbreitung der Fische im Sempachersee in Grenzen zu halten, indem man gezielt nach Welsen fischt. Da diese Fischart aber nur nachts aktiv ist, müsste das Nachtfischgesetz angepasst werden. Dieses besagt, dass eine Stunde nach Sonnenuntergang keine Fische mehr gefangen werden dürfen bis eine Stunde vor Sonnenaufgang. «Uns ist klar, dass damit das Problem nicht ganz gelöst werden kann», sagt Schürmann. «Wir könnten es dadurch aber zumindest etwas entschärfen.» Die gefangenen Welse würden dann der Kulinarik zugeführt werden, da sie wegen Verschleppungsgefahr von Krankheiten nicht in einen anderen See eingesetzt werden dürfen.

Das Wels-Problem ist der kantonalen Fischereiverwaltung ebenfalls bekannt. Philipp Amrein, Leiter Fachbereich Jagd und Fischerei bestätigt, dass der Welsbestand im Sempachersee in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen sei: «Im Jahr 2013 wurden im Sempachersee 100 Kilogramm Welse gefangen, im Jahr 2015 bereits 1129 Kilogramm.» In diesem Ausmass sei zurzeit aber nur der Sempachersee von diesem Problem betroffen. Wie mit dieser Herausforderung umgegangen werden kann, müsse zuerst im Detail geprüft werden. «Über das Nachtfischverbot müsste im Rahmen einer Anpassung der Fischereiverordnung entschieden werden», sagt Amrein.

(jak)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fischerin am 13.04.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflanzen

    Papperlapapp , bei nicht heimischen Pflanzen wird auch ein Theater daraus gemacht, und es muss gerodet werden. Dasselbe muss auch beim Wels geschehen. Punkt!

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  • Tanja am 13.04.2016 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhebung Gesetz

    Nichts einfacheres als das...hebt das Fischereiverbot für Nachts ein zwei Monaze auf..geht bei anderen Gesetzgebungen auch.

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  • Amateure am 13.04.2016 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was sind das für

    Habe genug welse am tag in fliessgewässern gefangen. Geiler drill. Und das fleisch und die filets sind exzelent

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fischli am 18.04.2016 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht doch mit

    Eine einmalige Bewilligung für alle mit Fischerpadent: 24 Stunden lang darf gefischt werden, nur Welse und jeder bekommt pro Kilo Fisch 1.- . Problem gelöst.

  • Nemo am 18.04.2016 04:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anglerwettbewerb

    Ein Welsfisch-Wochende mit Fischessen danach, der Erlös kommt einer Institution zugute. Die Welse zu Tierfutter verarbeiten, grillieren oder verkaufen. Sportgaudi

  • Campinggast am 15.04.2016 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht vorwärts, ihr Schlafmützen

    So wie man nur mit Bewilligung, Wild jagd zur Dezimierung, kann man doch Profiangler bewilligen, in der Nacht diese Welse zu fischen. Was ist daran kompliziert? Könnte man ja schon morgen machen, wenn nicht unsere Büroleute so kompliziert und langsam wären. So ein Riesenfisch könnte die Badegäste im Sommer doch arg erschrecken!

  • Reto Kieser am 14.04.2016 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit Wels !

    Betrand Piccard soll mit der ETHZ ein Mini - UBoot entwickeln, das 7x24h autonom Jagd auf die Viecher macht. Das kann ja nicht so schwierig sein.

  • Jürg Scherrer am 14.04.2016 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Zanderfischer

    Sind europäische Welse (Silurus Glani) einmal in einem Gewässer drin, so gibt es kein Mittel, sie wieder gänzlich daraus zu entfernen - mindestens, solange genügend Futter(fische) vorhanden sind, was beim phosphatreichen Sempachersee der Fall ist. Man kann also Welse in diesem nährstoffreichen Gewässer höchstens durch Dezimieren einigermassen in Schach halten, indem man gezielt und intensiv in der Dämmerung und bei Nacht auf sie fischt. Welse haben nicht nur wegen ihrer Grösse keine natürlichen Feinde, sondern auch, weil sie sich stark vermehren und zudem ihre Nachkommen verteidigen.

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