Kanton Luzern

12. September 2017 18:44; Akt: 12.09.2017 18:44 Print

Polizei konnte in 7 Fällen pro Tag nicht ausrücken

Das Sparen hat Folgen: Auf 505 Meldungen innert rund zwei Monaten konnte die Polizei nicht unmittelbar reagieren. Für den Verband Schweizerischer Polizei-Beamter ist das bedenklich.

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Die Luzerner Polizei kann derzeit nicht in allen Fällen unmittelbar intervenieren. (Bild: Luzerner Polizei)

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Im Kanton Luzern ist vielerorts Sparen angesagt – auch bei der Polizei. Wie stark die Luzerner Ordnungshüter von den Sparmassnahmen betroffen sind, zeigt nun die Antwort der Regierung auf eine dringliche Anfrage im Parlament von SP-Fraktionspräsidentin Ylfete Fanaj.

So muss die Polizei gegenüber dem Vorjahr insgesamt 28'000 Arbeitsstunden abbauen – «jeder Mitarbeitende muss den Gleitzeitsaldo um 35 Stunden abbauen», schreibt die Regierung. Fanaj wollte zudem wissen, wie viele Einsätze die Polizei deswegen nicht leisten konnte. Die Antwort erschreckt: Zwischen dem 1. Juli und dem 8. September waren es insgesamt 505 Fälle, «in welchen mangels Ressourcen nicht reagiert werden konnte». Das sind im Schnitt 7,3 Ereignisse täglich. Jedoch habe schon zuvor nicht jede Meldung bearbeitet werden können, hält die Regierung fest.

Präventive Präsenz eingeschränkt

108 Mal rückte die Polizei nicht aus, als Bürger Ruhestörungen (Partys, Feuerwerk, Lärm auf öffentlichen Plätzen und in Parks) meldeten, in 61 Fällen betraf es Meldungen zum Strassenverkehr vorlagen (Temposünder, Rennen auf der Strasse, unsichere Fahrweisen, überladene Fahrzeuge). 53 Personenkontrollen konnten nicht gemacht werden, 46 verdächtigen Wahrnehmungen von Bürgern und 33 Meldungen in Zusammenhang mit Tieren ging man nicht nach.

Auch bei Diebstählen (20), Einbruchdiebstählen (16), Streitigkeiten und Drohungen (14), Verkehrsunfällen (12), Sachbeschädigungen (10), Verkehrsunfällen mit (Wild-)Tieren (5), Vermisstmeldungen (4) und Unfällen auf Autobahnen oder Verkehrsunfällen mit Fahrerflucht (je 3) konnte die Polizei nicht reagieren. Auch die präventive Präsenz musste eingeschränkt werden. Vor allem an Hotspots, in Randgebieten und zu Abendstunden habe man die Präsenz reduzieren müssen, so die Regierung.

«Verantwortlich dafür ist die Politik, nicht die Polizei»

Max Hofmann, Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter, findet diese Entwicklung gefährlich: «Wenn die Polizei ihren Grundauftrag nicht mehr wahrnehmen kann, dann ist die Sicherheit gefährdet», sagt er. So könnten etwa nach Einbruchdiebstählen Beweise verloren gehen, weil die Polizei keine Spuren sichern kann. Ebenfalls bedenklich ist für ihn, wenn Personenkontrollen und verdächtigen Wahrnehmungen nicht nachgegangen werden kann.

Hofmann hat zwar Verständnis dafür, dass man nicht ausrücken kann, wenn man keine ausreichenden Mittel hat. Er sagt aber: «Verantwortlich dafür ist die Politik, nicht die Polizei.» Ein funktionierender Rechtsstaat brauche eine gut organisierte Polizei, die ihre Aufgaben wahrnehmen kann. «Sicherheit darf und muss etwas kosten», so Hofmann.

(gwa)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Linalu am 12.09.2017 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umzug

    Frage mich ob ich in einen anderen Kanton ziehen soll. Jeden Tag neue Schreckensmeldungen betreffend dem Kt. Lu.

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  • Brumm Brumm am 12.09.2017 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Soweitsindwir

    Hunderte wenn nicht tausende millionen fürs asylwesen und unnötige ausgaben im ausland aber zuwenig geld für die eigenen bürger...weit haben wir es gebracht.

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  • A.Ceccon am 12.09.2017 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizei

    Der Bund würde lieber zuerst in die Polizei, Familie usw, investieren als die Milliarden jedes Jahr ins Ausland zu schicken. Das Geld wäre besser angelegt. Es muss einfach niemand jammern, wenn was passiert. Weit haben wir es gebracht. Bravo.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lulu am 15.09.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Steuergelder verschwenden

    Vielleicht sollte man auch mit unseren Steuergelder besser umgehen? Kreisel bauen wo der Bus nicht befahren kann, Autobahn Ausfahrten wo man im nachhinein feststellt, dass man falsch geplannt hat? Strassen bauen wo man in der Hälfte merkt, dass die Strasse vom Winkel her so gar nicht passt? Schächte bauen, wo neu gemacht werden müssen, weil sie so nicht funktionieren? und so weiter, kein Wunder geht uns das Geld aus, aber da es ja Steuergelder sind, braucht man das ja nicht soooo genau zu nehmen!

  • Eibeler8 am 14.09.2017 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Die Polizei sollte sich wieder den "echten Fällen" widmen und nicht bei jeder Bagatelle ausrücken. Reduzierung der Parkbussenjäger und unnötiger Verkehrskontrollen und alles ist wieder im Lot. Und warum müssen gerade jetzt auch noch die Überstunden abgebaut werden? Ist doch alles politisch motiviert.

  • Muldi am 13.09.2017 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Priorität

    Hauptsache man hat für Radarkontrollen und für Jungvögel die aus einem Nest herunter fallen Zeit.

    • Suzanne am 13.09.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Muldi

      Wieder ein sogenannter "Normalo" der keine Ahnung hat was Polizisten alles aushalten müssen. Täglich sehen sie Leid, Elend, tragische Unfälle usw. Dieser Beruf ist nichts für schwache Nerven, er geht an die Substanz, weil auch sie Menschen mit Gefühlen sind. In manchen Fällen sind sie enormen psychischen Belastungen ausgesetzt, die auch ein Polizist verarbeiten muss. Polizisten stehen täglich vor neuen Herausforderungen.

    • Michi am 13.09.2017 18:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Muldi

      Manchmal wäre es einfach schön, wenn Leute, die keine Ahnung haben, einfach die Finger still halten würden.

    • Alexander am 15.09.2017 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Muldi

      Wohl auch schon in einen Radar gefahren und sich geärgert... :-) Dabei hat es jeder Lenker selber in der Hand

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  • P.Gertscher am 13.09.2017 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Radar

    Aber für Radarkontrollen bleibt ja immer genug Zeit, damit man da die budgetierten "Steuern" eintreiben kann!

    • Fabian am 13.09.2017 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      Selber in der Hand!

      Ist ja wohl um einiges besser wenn jemand der zu schnell fährt auch blechen muss, als wenn alle, auch diejenigen die sich an Gesetze halten, mit einer Steuererhöhung bestraft werden. Wenn du deinen Tacho nicht im Griff hast, dann musst du Dich nicht wundern das es blitzt. Lässt Du Dir nichts zu schulden kommen, so kostets auch nichts. Eigentlich ziemlich einfach oder?

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  • Sünneli am 13.09.2017 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss nicht sein...

    Die Statistik wird sich zum schlechten verändern bzw erhöhen: im Sommer sind es mehr Lärmklagen, eher nicht so schlimm, aber jetzt kommen dann die Dämmerungseinbrüche wieder... auf der anderen Seite ist dieses Problem ja nicht nur im Kanton Luzern zu finden sondern in der ganzen Schweiz. Ich denke links wie rechts muss sich die Politik mal Gedanken machen... die einen wollen Sparen sparen sparen und die anderen wollen keinen Polizeistaat... am Schluss leidet aber die Bevölkerung.... muss wohl zuerst auch in der Schweiz etwas Schlimmes passieren, erst dann geht man über die Bücher...

    • Paul Panzer am 15.09.2017 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Sünneli

      Oder sie brechen bei einem unserer Volksvertreter ein, dann geht's dann plötzlich vorwärts und - oh Wunder - Budget ist da... ;-))

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