Urner Gemeinderat

02. März 2014 19:25; Akt: 02.03.2014 20:26 Print

SVP-Politiker war früher Porno-Produzent

von Sarah Weissmann - Der SVP-Politiker und Gemeinderat Christian Gerig aus Wassen UR produzierte früher Pornofilme – und arbeitete dabei auch mal mit einem kriminellen Ausländer zusammen.

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Der SVP-Gemeinderat Christian Gerig (Bild: ZVG)

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SVP-Gemeinderat Christian Gerig (40) aus Wassen im Kanton Uri gründete 2003 die Porno-Seite Swissfuckers.ch. Während 5 Jahren betrieb er die Seite als Produzent, Regisseur und Kameramann: Der Urner tourte mit einem Bus durch die Schweiz und suchte nach Amateurdarstellern, die bereit waren, in seinem Bus gegen Geld Sex zu haben und sich dabei filmen zu lassen, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» berichtete.

Geschäftspartner war ein Menschenhändler

Gerig verkaufte die Porno-Seite 2012 , seit 2013 sitzt er im Wassener Gemeinderat. Gerig, der ein härteres Durchgreifen bei kriminellen Ausländern fordert, hatte damals selbst mit einem solchen geschäftet: Ein ungarischer Zuhälter hatte ihm eine Porno-Darstellerin vermittelt. Der Ungar wurde später vom Zürcher Obergericht wegen qualifizierten Menschenhandels sowie der mehrfachen Förderung der Prostitution verurteilt. Ausserdem war der Mann wegen versuchter Abtreibung angeklagt: Der Zuhälter hatte eine schwangere Prostituierte in den Bauch geboxt und getreten, worauf diese eine Fehlgeburt erlitt. Der Mann kassierte als Strafe sechs Jahre Gefängnis.

Gerig sagte gegenüber 20 Minuten, es sei nicht immer leicht gewesen, Sexdarsteller zu finden. Er habe oft Zeitungsinserate schalten müssen. Darauf habe sich dann eben auch der Zuhälter gemeldet. Er habe den Ungarn damals in Zürich im Kreis 4 getroffen.

In erster Linie habe er mit Schweizer Paaren Filme gedreht – doch sei es auch vorgekommen, dass er mit Profi-Pornodarstellern oder auch Prostituierten drehen musste. Überprüft habe er die Leute nie: «Wenn jemand öffentlich sein Gesicht vor der Kamera zeigte, dachte ich, diese Person habe nichts zu verbergen», erklärt Gerig. Er habe nicht gewusst, dass der Mann so brutal war. «Jemand, der illegale Dinge tut, zeigt doch nicht freiwillig sein Gesicht im Internet.» Denn gerade durch einen Sexfilm, in dem der Zuhälter selbst vor der Kamera stand, sei die Zürcher Polizei auf ihn aufmerksam geworden. 20 Minuten berichtete damals über den Fall. Die vermittelte Darstellerin soll laut Staatsanwaltschaft nur unter Zwang seitens des Zuhälters beim Film mitgemacht haben.

«Politik und Porno passen sehr gut zusammen»

Durch seine Erfahrungen im Porno-Business sei er schliesslich im Polit-Betrieb gelandet: «Ich habe damals gelernt, dass man nicht mimosenhaft arbeiten kann. Das kann man auch in der Politik nicht.» Weiter sagt Gerig: «In der Politik wie auch im Porno-Geschäft geht es um Geld – das passt sehr gut zusammen.» Ein Problem, mit seiner Vergangenheit heute in der Politik tätig zu sein, sieht Gerig nicht: «Sex ist de facto nichts Schlechtes.»

Pascal Blöchlinger, Präsident der kantonalen Urner SVP, steht hinter seinem Parteikollegen: «Herr Gerig hat nichts Verbotenes getan und ist deshalb als Politiker tragbar.» Er sei ausserdem in der Gemeinde bekannt und schliesslich vom Volk gewählt worden. Und dass Gerig mit einem kriminellen Zuhälter zusammengearbeitet hat? «Diese Geschichte kenne ich nicht. Doch solange sich Herr Gerig nicht strafbar gemacht hat, sehe ich kein Problem.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rechter Linker am 02.03.2014 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moral

    Politiker halt... "Solange er sich nicht strafbar gemacht hat...." Herr Schneider-Ammann oder Herr Fehr halten sich auch an das Gesetz. Moral ist schliesslich nirgends Vorschrift, nicht mal in der Politik!

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  • Myke am 02.03.2014 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    In der Politik...

    ...geht es ums Geld? Seltsam, ich dachte in der Politik gehe es um die Bürger. Naja, kommt wohl darauf an in welcher Partei man ist.

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  • Frau am 02.03.2014 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Wissen schützt vor Strafe nicht.

    Ist doch lausig von ihm. Er wusste von nichts: wer's glaubt wird selig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lucy am 04.03.2014 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Film her!

    Wann gibt's denn den ersten Film mit Politiker-Besetzung ? ;)

  • Xoff Pardey am 04.03.2014 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsames Politikverständnis

    Dieser Satz «In der Politik wie auch im Porno-Geschäft geht es um Geld das passt sehr gut zusammen.» sagt alles über die Einstellung und Motivation unserer Politiker. Und ich habe naiverweise gedacht, wir würden Politiker wählen, damit sie sich um die Menschen kümmern und für uns, das Volk, arbeiten. Weit gefehlt. Es geht ihnen ums Geld.

    • Ha PeBe am 04.03.2014 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      Das war mal so,...

      Das war mal so und sollte auch so sein. Aber es gibt Strömungen die ihre Interessen klar vor die der Gemeinschaft stellen. Egoismus ist ihnen nicht Fremd. Teilen und Gemeinschaft schon. Und wer es anders haben will, kann bei den nächsten Wahlen andere Leute wählen, die eine sozial gerechtere Politik versprechen. (Leider nur Versprechen, es gibt überall die, die Wasser predigen und Wein trinken).

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  • Johnny am 03.03.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hexenjagd

    Die Medien haben wieder mal einen SVP-ler gefunden auf dem sie rumhacken können. Kindergarten.

  • Stephan K. am 03.03.2014 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moralisten

    Na und?

  • Hans Meier Zürich am 03.03.2014 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    SPist ehrlich

    ich werde noch Heute den Eintritt bei der SP machen, und werde die hälfte meines Vermögens dieser Partei zuschreiben

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