Weggis

27. Mai 2018 14:58; Akt: 27.05.2018 15:43 Print

SGV bevorzugt Touristen und weist Schweizer ab

von Daniela Gigor - Einheimische aus Weggis sind sauer: Ein Schiffskapitän der SGV bevorzugte am Freitag Touristen und liess Einheimische aus Kapazitätsgründen nicht an Bord.

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Der Kapitän des Katamarans Cirrus konnte am letzten Freitag nicht alle Passagiere nach Luzern fahren. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Ein junges Paar aus Weggis wollte am letzten Freitag mit dem 17.05-Uhr-Schiff nach Luzern fahren. Am Schiffssteg hätten viele Leute auf das Kursschiff der Schifffahrtsgesellschaft des
Vierwaldstättersees SGV gewartet, darunter Touristen. «Es handelte sich um eine asiatische Gruppe, die etwa 30 Personen umfasste. Zusätzlich warteten rund 50 Personen aus der Schweiz aufs Schiff», sagt eine Weggiserin, die anonym bleiben möchte. Als der Katamaran Cirrus mit etwa zehn Minuten Verspätung in Weggis eintraf, habe man gesehen, dass bereits viele Passagiere an Bord des Schiffes waren.

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«Die Touristen stiegen ein und wir gingen hinter ihnen her. Als wir auch einsteigen wollten, wurde der Steg aber einfach entfernt. Wir Einheimischen wurden einfach mit dem Hinweis stehen gelassen, dass das nächste Schiff in einer Stunde komme», sagt die Frau. Touristen, die ein vergünstigtes Pauschalticket über eine Agentur bezogen hätten, hätten einsteigen dürfen – «und die Einheimischen mit GA oder Ticket zum Originalpreis wurden stehen gelassen», ärgert sich die Frau.

Als sich Passagiere gewehrt hätten und sagten, dass das so nicht gehe, habe der Kapitän geantwortet, dass sie das nächste Mal zuvor anrufen sollen, um sich nach freien Plätzen auf dem Schiff zu erkundigen.

«Hier geht unsere Tourismusbranche zu weit»

Für die Frau aus Weggis und ihren Partner war dies sehr ärgerlich, wollten sie doch weiter nach Olten. «Wenn wir zum Flughafen hätten weiterreisen wollen, hätten wir glatt das Flugzeug verpasst», sagt die Frau weiter. In Weggis benutzen viele Personen das Schiff als öffentliches Verkehrsmittel – einen Bahnhof gibt es dort nicht.

Die Weggiserin ärgert sich: «Um die Touristen kümmert man sich, aber die Einheimischen werden missachtet. Hier geht unsere Tourismusbranche zu weit.»

CEO entschuldigt sich bei Passagieren

Bei der SGV ist der Vorfall bekannt, wie CEO Stefan Schulthess auf Anfrage sagte. Zu 99 Prozent könne eingeschätzt werden, wie viele Passagiere an Bord wollen. «Manchmal kommt es aber vor, dass wir Kunden stehen lassen müssen.» Dies passiere pro Jahr drei bis vier Mal. Betroffen seien aber meistens Passagiere in Luzern. «Es ist kein Trost für die Leute, die wir aus Kapazitätsgründen stehen lassen mussten. Es ist ärgerlich und es tut mir leid», sagt Schulthess.

SGV schickte sofort Extraschiff los

Damit nicht alle Passagiere eine geschlagene Stunde auf ein weiteres Schiff hätten warten müssen, habe die SGV ein Schiff ausser Fahrplan nach Weggis geschickt. Schulthess: «Die SGV unterscheidet nicht zwischen Einheimischen und ausländischen Touristen.» Warum der Kapitän der Cirrus in diesem Fall aber die Touristen bevorzugt hatte, konnte Schulthess gegenüber 20 Minuten nicht sagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Canonworld am 27.05.2018 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam

    Ich hab langsam die Schnauze voll von Touristen in und um Luzern. Gestern Samstag war es wieder mal sehr mühsam in Luzern. Und kommt mir jetzt nicht wieder mit dem Thema Geld und Verdienst betreffend Touristen. Es geht um die Lebensqualität in meiner Stadt Luzern welche ich sehr mag.

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  • As77 am 27.05.2018 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha

    Typischer Kommentar. Sie stiegen hinter der Gruppe ein. Also waren sie einfach zu spät dran. Nix mit Touristen und Einheimischen zu tun. Aber der Kommentar zeigt mal wieder was Gastfreundschaft hier für einen Stellenwert hat.

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  • Spyy83 am 27.05.2018 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tarif lernen sgv

    liebe sgv, gruppen ab 10 personen müssen sich anmelden. tun sie das nicht, darf man diese stehen lassen. ausserdem weiss man, dass schönes wetter leute anzieht. gerade bei schifffahrten. wenn die kapazitäten nicht reichen, gehört personal hin, dass den leuten alternativen aufzeigt. und an die weggiserin, das GA ist so ziemlich das günstigste ticket. da zahlt jeder touri mit pauschalticket mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lieb am 27.05.2018 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SGV hat richtig entschieden

    Die Gruppe hat reserviert,darum ist sie bevorzugt,ok!?Das geht nicht darum,ob man ein Schweizer oder ein Ausländer ist.SGV hat richtig entschieden.

  • juka am 27.05.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sicher ist es ärgerlich....

    am Schiffssteg stehen gelassen zu werden. Handkerum ist es ja für eine Reisegruppe auch nicht toll , wenn sie aufgeteilt wird auf 2 Schiffen. Man weiss ja unter welchem Zeitdruck solche Gruppen durch Europa reisen.

  • Klargext am 27.05.2018 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Ein Problem einer anonymen Frau, das sonst niemand interessiert. Und jetzt?

  • Luzerner am 27.05.2018 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ist es

    ohne touristen hätte es wohl nicht so eine starke verbindung. wer zu erst kommt malt zuerst.

  • Liliane F. am 27.05.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Solidarität

    Hat das abwimmeln Einheimischer und bevorzugen Fremder in der Urschweiz System? Wir bezogen eine Ferienwohnung, und erklärten gleich, wir möchten diese im nächsten Sommer wieder mieten. Die Vermieterin sagte mündlich zu. Als wir den Vertrag machen wollten, wich sie aus; sie hatte die Wohnung an eine ausländische Familie bereits fest vermietet. Zu diesem Termin im nächsten Jahr rief sie uns aber an, wir könnten die Wohnung wieder haben, die "Üsländer" hätten sie hängen lassen. Als ich das 'Angebot' ablehnte meinte sie gekränkt, wir Schweizer sollten doch etwas solidarischer sein.