Netzcourage

29. November 2016 05:47; Akt: 30.11.2016 08:10 Print

Spiess-Hegglin hilft Shitstorm-Opfern

von Daniela Gigor - Jolanda Spiess-Hegglin und die Luzernerin Irina Studhalter (Junge Grüne) haben einen Verein gegründet, der Opfer von Shitstorms im Internet beraten will.

Jolanda Spiess-Hegglin und Irina Studhalter über den neuen Verein Netzcourage. (Video: gwa)
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«Shitstorms, Beschimpfungen und Drohungen im Internet können schwerwiegende Folgen für Betroffene haben und hemmen einen offenen demokratischen Diskurs», teilen die Gründerinnen von Netzcourage mit. Dahinter stehen die Luzernerin Irina Studhalter (Junge Grüne) und die Zugerin Jolanda Spiess-Hegglin (Piratenpartei). Der neu gegründete Verein will mit gezielter Beratung und Prävention gegen den unanständigen Trend vorgehen.

Besonders Spiess-Hegglin wurde im Zuge des Sex-Skandals Opfer von Beleidigungen und gar Morddrohungen. «Wir wollen zeigen, dass solche Sachen nicht gehen und dass wir uns das nicht länger gefallen lassen», sagt Spiess-Hegglin. In der anfänglichen Zeit, als der Shitstorm losging, wollte sie die Kommentare nicht lesen, weil es ihr Angst machte. Spiess-Hegglin: «Wenn man in den Shitstorm gerät, schnürt es einem den Hals zu.» Im Internet sei die Hemmschwelle viel tiefer als im realen Leben. Sie sei auf der Strasse von niemandem angegangen worden, im Netz hingegen täglich.

Auch Irina Studhalter hat einen Shitstorm erlebt: Dieser brach über sie herein, nachdem sie sich auf Twitter zu den Attentaten im März in Brüssel mit 35 Toten geäussert hatte.

«Angst vor Rechtsextremen, nicht vor Terror»

Der Verein ist auf der Suche nach Spendern

Der Verein Netzcarouge – The Hatespeech Ambulance versteht sich als Anlaufstelle für Anstand im Internet. Mit einer Online-Plattform, einfachen Kontaktmöglichkeiten und kostenloser Beratung wollen sie gegen Hatespeech vorgehen. Für Betroffene gibt es auch Soforthilfe. Laut Spiess-Hegglin sind die Opfer ihrer Erfahrung nach eher jung und weiblich. «Hatespeech findet aber auch im ganzen politischen Spektrum statt. Wir wollen demokratisch diskutieren und Hatern Grenzen aufzeigen», sagt Studhalter.

Der Verein habe schon mehrere Beratungsmandate. In einem weiteren Schritt werde ein Präventions-Workshop für Schulen erarbeitet, um Digital Natives zu sensibilisieren. Auch eine erste Kampfsportschule hat Interesse angemeldet. Dort sollen Präventionsworkshops zur Stärkung des Selbstbewusstseins angeboten werden. Der Verein finanziert sich durch Spenden.