Terror im Netz

18. Januar 2018 16:41; Akt: 19.01.2018 06:24 Print

Spiess-Hegglin bedroht und von Facebook gesperrt

von Daniela Gigor - Ein Unbekannter hat die Familie von Jolanda Spiess-Hegglin bedroht. Doch die Staatsanwaltschaft musste die Untersuchung sistieren.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter einem Fake-Namen hat ein Unbekannter Ende August letzten Jahres eine Nachricht auf Facebook-Messenger an Jolanda Spiess-Hegglin geschickt. Es sind primitivste Gewaltandrohungen und Beschimpfungen, die hier nicht wiedergegeben werden. Fakt ist: Der Täter droht Spiess-Hegglins ganzer Familie mit dem Tod.

Dies liess die Betroffene nicht auf sich sitzen und erstattete Anzeige gegen Unbekannt bei der Zuger Polizei. «Obwohl ich bisher an die 100 Mordrohungen erhalten habe, war diese Drohung so krass und heftig, dass dieses Schreiben das Maximum erreicht hatte», sagt Spiess-Hegglin.

Täter hat seine Identität mehrfach verschleiert

Trotzdem dürfte der unbekannte Droher nicht belangt werden: Datiert auf den 8. Januar erhielt Spiess-Hegglin eine Sistierungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft. Folgendes ist im Schreiben der Staatsanwaltschaft zu lesen: «Da auf Grund des bisherigen Ermittlungsergebnisses keine Indizien, Hinweise oder Zeugenbefragungen hinsichtlich einer Täterschaft vorliegen, ist die Strafuntersuchung gegen Unbekannt bis zum Vorliegen neuer Erkenntnisse zu sistieren.»

Der Unbekannte hat im Vorfeld der Bedrohung seine wahre Identität so raffiniert verschlüsselt, dass die IP-Adresse lediglich einer Firma in den USA zugeordnet werden konnte. Diese wiederum informierte die Zuger Behörden, «dass es sich beim entsprechenden Kunden um einen verschlüsselten VPN-Provider handle, der erfahrungsgemäss keine Daten habe». Das heisst: Die Staatsanwaltschaft kann den Absender des Drohbriefes nicht ermitteln.

«Achtung, es passiert!!!»

Bei Spiess-Hegglin bleibt «ein ohnmächtiges Gefühl» zurück. Dies umso mehr, weil sie gerade ein paar Tage nach der Bedrohung auf Facebook noch ein Schreiben per Post erhielt, in dem ihr lediglich mitgeteilt wurde: «Achtung, es passiert!!!». Weil der Absender die Briefmarke mit seinem Speichel abgeleckt haben könnte, überreichte sie das Schreiben der Polizei. Diese kam laut Spiess-Hegglin zum Schluss, dass das Schreiben mit der Drohung auf Facebook nichts zu tun habe. Auf eine DNA-Analyse der Briefmarke sei ebenfalls verzichtet worden.

Spiess-Hegglin hat nach der Sistierungsverfügung die Gewaltandrohung auf Facebook gestellt. Dafür wurde sie für sieben Tage gesperrt. Laut Zentralplus war der Grund dafür, dass auf der Plattform keine Beiträge gestattet sind, die Bullying oder Belästigung von Personen enthalten. Spiess-Hegglin vermutet, ihr Post sei von ihren Gegnern gemeldet worden, weil er gegen die Gemeinschaftsregeln bei Facebook verstosse. Ihr Fazit: «Dass ausgerechnet wir Aktivistinnen, die sich gegen die Gewalt auf den sozialen Netzwerken engagieren, bei Facebook gesperrt werden, ist eigentlich unglaublich.»