Kanton Uri

06. März 2017 11:20; Akt: 06.03.2017 19:22 Print

Strasse bleibt für mehrere Wochen gesperrt

Die einzige Strasse nach Bristen ist unterbrochen. Die Baudirektion Uri und die Gemeinde arbeiten intensiv daran, eine Notverbindung herzustellen.

Abgerutschte Strasse: Wie die Dorfbewohner auf die Situation in Bristen reagieren, sehen Sie im Video. (Noah Knüsel/20 Minuten)
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Ein rund zehn Meter langes Teilstück der Bristenstrasse zwischen Amsteg und Bristen ist am Sonntagabend gegen 22 Uhr abgerutscht und hat das darunterliegende Strassenstück verschüttet. Die Strasse ist bis auf weiteres nicht befahrbar. Verletzt wurde niemand. Das betreffende Teilstück befinde sich oberhalb des dritten Kehrtunnels, teilte die Urner Baudirektion am Montag mit.

«Wir haben grosses Glück», sagte Baudirektor Roger Nager am Montagnachmittag. «Jetzt gilt es, prioritär die Erschliessung der Bevölkerung von Bristen mit Notmassnahmen sicherzustellen.» Die Bevölkerung des Dorfes wird am Montag um 19 Uhr in der örtlichen Turnhalle durch die Gemeinde Silenen, zu der Bristen gehört, und die Baudirektion Uri im Detail über das Ereignis informiert.


Rega stellt medizinische Notversorgung sicher

Weiter heisst es, dass die Bristenstrasse für mehrere Wochen gesperrt bleibt. Die Baudirektion Uri und die Gemeinde Silenen arbeiten daran, eine Notverbindung für die Bevölkerung von Bristen herzustellen.

Geprüft werden mehrere Varianten, unter anderem ein Shuttleservice mit Bussen sowie einem Fussweg, wie es in einem Communiqué heisst. Auch die Wiederinbetriebnahme der Kraftwerk-Standseilbahn wird geprüft. Die medizinische Notversorgung ist durch die Rega sichergestellt. Im Dorf gibt es 206 Haushalte, in denen 400 bis 500 Menschen leben.

Leben Sie in Bristen? Erzählen Sie uns, was die Sperrung der einzigen Strasse ins Dorf für Sie bedeutet.

Führten Temperaturschwankungen zum Abrutsch?

Als Sofortmassnahme wurde die Schadenstelle gesichert – dies insbesondere im Hinblick auf die starken Niederschläge, die in den nächsten Stunden im Kanton Uri zu erwarten sind.

500 Urner von der Aussenwelt abgeschnitten

Warum die Strasse abrutschte, ist Gegenstand der Untersuchungen. Gemäss ersten Erkenntnissen handelt es sich um ein lokal begrenztes Ereignis, das aufgrund der starken Witterungs- und Temperaturschwankungen der vergangenen Tage aufgetreten ist. Kantonsingenieur Stefan Flury erklärt an der PK vom Montag, was am Abend zuvor genau geschehen ist.


(Quelle: Noah Knüsel/20 Minuten)

Weiter erklärt Flury, dass der Strassenwärter bereits vor einer Woche informiert habe, dass sich neue Risse in der Strasse auftun: «Wir haben das als Ereignis betrachtet, das man genauer beobachten muss», so Flury. «Man ist aber nie davon ausgegangen, dass die Reaktionen so schnell passieren würden.»

Abstieg nur zu Fuss möglich

Gemäss einer Dorfbewohnerin verkehren im Moment Busse, die die Bevölkerung bis zu einer Stelle bringen, ab der die Leute zu Fuss weiter absteigen können. Auch die 35-jährige G. B.* kennt diesen Weg: «Man muss rund 30 Minuten laufen, dann kommt man von Bristen aus in der Nähe vom alten Kraftwerk in Amsteg an, wo auch die öffentlichen Verkehrsmittel bereitstehen.» Sie selber müsse das Dorf nicht so oft verlassen. «Aber mein Mann muss zur Arbeit. Falls die Strasse länger gesperrt bleibt, muss er den Weg runter zu Fuss auf sich nehmen.»

Sie und ihre Familie hätten per SMS-Dienst von der abgerutschten Strasse erfahren. «Im Moment mache ich mir aber keine Sorgen, da wir genug Vorräte haben, um einige Wochen überleben zu können. Ausserdem gibt es noch den Dorfladen.»

Die Situation in Bristen:

(Quelle: Tamedia/SDA)

Kinder können nicht zur Schule

Martina Epp (36) sagt, dass nicht nur diejenigen betroffen seien, die zur Arbeit müssten: «Meine 13-jährige Tochter Flavia, die in die erste Oberstufe geht, kann nicht zur Schule nach Silenen, weil die Strasse gesperrt ist.» Am Nachmittag werde entschieden, wie es weitergehe.

Die Familie habe bereits in der Nacht gewusst, dass der Weg gesperrt sein werde, da der Vater der Feuerwehrkommandant ist. «Er war die ganze Nacht unterwegs, um sich um die Absperrung der Strasse zu kümmern.»

«Vorräte reichen für eine Woche»

Katrin Gnos, Wirtin des Gasthauses Alpenblick in Bristen, und ihre Gäste sind ebenfalls abgeschnitten. Bis auf weiteres ist die Versorgung aber sichergestellt: «Unser Vorrat an Lebensmitteln reicht für etwa eine Woche. Ich hoffe, bis dann wurde eine Lösung gefunden.» Im Moment habe sie sowieso nur drei Übernachtungsgäste, im Winter sei es tendenziell ruhiger als im Sommer.

Eine ähnliche Situation gab es im Jahr 2003. Damals musste die Strasse wegen einer Felssprengung über längere Zeit gesperrt werden, wie es in der Mitteilung der Baudirektion heisst. Die Strasse musste daraufhin auf einem längeren Abschnitt instand gestellt und neu gebaut werden. Das gestern Nacht abgerutschte Teilstück befindet sich im alten Teil der Strasse, der 2003 nicht neu gebaut werden musste.

Laut Wirtin Gnos war damals während der rund dreimonatigen Sperrung eine Standseilbahn im Einsatz: «Sie führte vom Kraftwerk Amsteg nach Bristen und konnte Güter und Personen transportieren.»

* Name der Redaktion bekannt

(20M/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Pesce am 06.03.2017 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Armee?

    Meine Frage: das wär doch jetzt eine Aufgabe für die Armee? Würde doch Sinn machen die Kameraden auf solche Situationen vorzubereiten. Zudem garantiert mehr Sinn in der RS.

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  • Pia Ambauen am 06.03.2017 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helikopter

    Per Helikopter lässt sich das Dorf versorgen. Alles kein Problem.

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  • Ida am 06.03.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Liebe Grüsse und alles Gute aus dem Unterland.

Die neusten Leser-Kommentare

  • KvB am 06.03.2017 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch kein Weltuntergang!

    Es sind keine armen Leute, haben schöne Heime, haben zu Essen und die Behörden und Armee helfen ja, obwohl die Urner gegen die Armee stimmten. Die Leute haben mit Wissen der Naturgefahren diesen Ort gewählt. Geschlafen haben das Strassenamt und Bundesbehörden und total sträfliche Sanierungen ausgeführt. Das seit Jahren. Geht mal ins Bündnerland, da seht ihr, wie man richtig absichert. Schlussendlich wird zwar die Natur immer siegen.

  • Christian Mueller am 06.03.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Muss man überall wohnen?

    Vielleicht sollte man nicht überall wohnen, wenn die Verkehrswege dahin so aufwändig und teuer sind. Die Bergler zahlen nämlich auch ihre Strassen nicht mal selbst. Das dürfen dann die Städter machen, aber wenn es in den Abstimmungen um die Interessen der Städte geht: Bristen stimmt Nein...

  • Alex am 06.03.2017 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ein kleiner Vorrat

    an Reis, Nudeln, Zucker, Salz, Konserven, Wasserflaschen etc. kann genau in einem solchen Fall sehr nützlich sein. Nimmt im Keller nicht viel Platz weg und hält (vor Mäusen sicher eingepackt, in Glas z.B.) ewig lange.

  • Sean Don am 06.03.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kindheitstraum

    Man kann aus irgendeinem offiziellen Grund nicht zur Schule und "muss" den ganzen Tag zu Hause oder mit Freuden verbringen :) und das auch noch an einem Montag! Aber im Ernst, ich wünsche den Bewohnern von Bristen alles Gute !

  • oliver Widmer am 06.03.2017 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    zurück zur Natur

    solche Dörfer sollte man schlichtweg aufgeben, für ca 1000 Einwohner werden nun Dutzende Millionen verpulvert. Lieber dieses Gebiet der Natur zurückgeben. Wäre eine win-win Situation, die Natur hat mehr Ruhe und der Staat spart aber Millionen.

    • Simon am 14.03.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

      Ernsthaft??

      Denk mal darüber nach was du gerade gesagt hast! Hättest du freude wen das solche egoistische Leute uber deine Heimat sagen würde ?? Bristen ist ein wunderschönes Tal

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