Kanton Luzern

10. Januar 2018 05:49; Akt: 10.01.2018 05:49 Print

Wegen Sprayereien 45 Tage in U-Haft verbracht

Wegen 26 Sprayereien musste sich ein Luzerner vor Gericht verantworten – nachgewiesen wurden ihm fünf Fälle. Dafür sass der Mann 45 Tage in Untersuchungshaft.

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Das Kriminalgericht in Luzern. (Bild: 20M)

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Das Kriminalgericht hat einen Mann (34) wegen fünf Sprayereien und weil er seine Festnahme erschwert hatte zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Ein sechster Fall war verjährt. In 20 weiteren angeklagten Fällen wurde er freigesprochen: Diese Vorwürfe seien nicht genügend bewiesen.

Das Gericht sprach den Schweizer der mehrfachen Sachbeschädigung und der Hinderung einer Amtshandlung schuldig. Die Geldstrafe wurde bei 100 Tagessätzen à 210 Fr. festgelegt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Das Urteil ist nicht rechtskräftig: «Wir haben Berufung angemeldet», sagt Simon Kopp, Kommunikationsverantwortlicher der Luzerner Staatsanwaltschaft. «Wir prüfen einen Weiterzug. Dies, weil er von der ersten Insatz für Sachbeschädigungen freigesprochen wurde, welche für uns erwiesen sind.»

Die Anklage warf dem Luzerner vor, zwischen Mai 2010 und November 2011 an verschiedenen Orten 26 Mal vor allem Eisenbahnwagen, aber auch Brückenpfeiler und Wände versprayt zu haben. Sie forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen. Rund 114'500 Franken Sachschaden soll der Mann verursacht haben.

Lange U-Haft laut Stawa gerechtfertigt

Insgesamt sass der Mann 45 Tage in Untersuchungshaft: «Die Dauer war bezüglich der hohen Deliktsumme, des Schweregrads der Tat sowie dem Umfang der vorzunehmenden Abklärungen gerechtfertigt», so Kopp.

Die Staatsanwaltschaft hatte von einem Graffiti-Experten der Stadtpolizei Winterthur ein Gutachten erstellen lassen, um zu bestimmen, welche Sprayereien dem Beschuldigten zuzuordnen seien. Das Gericht hielt die Schlussfolgerungen des Gutachters als teilweise nicht nachvollziehbar: Oft seien die Schuldzuweisungen ungenügend begründet.

Der Sprayer erklärte, dass er sehr unterschiedliche Graffiti gemacht habe und man aus einem ähnlichen Stil nicht auf den gleichen Urheber schliessen könne. Das Gericht beurteilt dies als glaubhaft.

Es fehle ihm auch die Kenntnis zu beurteilen, ob eine Sprayerei, die ähnlich oder identisch anmute wie eine des Beschuldigten, nur von diesem verursacht sein könne, schreibt das Kriminalgericht. Stilelemente könnten auch den Grafitti einer ganzen «Sprayer-Crew» zu eigen kommen oder kopiert worden sein.

Sprayer sieht sich als Künstler

Der Schaden für die fünf erwiesenen Fälle beträgt 8550 Fr. Dieser Betrag ist laut Gericht relativ tief. Das Vorgehen des Beschuldigten sei zudem nicht besonders verwerflich. Er habe aber egoistisch und mit «bedenklicher Gleichgültigkeit gegenüber fremden Eigentum» gehandelt und die Einsicht in das Tatunrecht vermissen lassen und bestehe nach wie vor darauf, Kunst gesprayt zu haben.

Strafmildernd wirkte sich aus, dass sich der Mann seit Beginn des Verfahrens schicklich verhalten hat und dieses sehr lange dauerte. Bei allen Vorwürfen sind mindestens zwei Drittel der siebenjährigen Verjährungszeit verstrichen. Das Gericht reduzierte die Strafe deswegen von 125 auf 100 Tagessätze.

(gwa/sda)