Psychiater erklärt

04. Dezember 2012 16:41; Akt: 04.12.2012 16:52 Print

«15-jährige Brandstifterin ist untypisch»

von Roman Hodel - Geltungssucht aber auch Faszination am Feuer – das sind für Psychiater Thomas Knecht mögliche Motive, weshalb eine erst 15-jährige Schülerin in Zürich mindestens 17 Brände gelegt haben soll.

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Herr Knecht, eine 15-jährige Serien-Brandstifterin ist der Polizei ins Netz gegangen. So jung und noch dazu weiblich – überrascht Sie das?
Thomas Knecht: Es ist ein untypischer Fall. Grundsätzlich sind Serien-Brandstifter eher männlich. Man weiss aber, dass es eine kleine weibliche Untergruppe gibt.

Warum legt eine 15-Jährige Brände?
Gründe dafür sind Konflikte mit der Umwelt – etwa mit engen Bezugspersonen, der Familie oder auch der Schule. Diese inszeniert man dann auf grandiose Weise. Man will der Welt zeigen, dass man voller Wut und Hass ist.

Welche Rolle spielt die Faszination Feuer?
Pyromanie im klassischen Sinn gehört dazu, ist aber wohl nicht ausschlaggebend. Man will bestimmt sehen, wie das Feuer brennt und oft auch wie es gelöscht wird – um Spannungen abzubauen.

Interessant ist, die ersten kleinen Brände der Frau in Zürich-Nord wurden nicht öffentlich. Dann folgte eine medial beachtete Brandserie in einem Haus im Kreis 4. Damit hatte sie zwar nichts zu tun, doch kurz darauf legte die Täterin im selben Kreis mehrmals Feuer und gefährdete nun auch Menschenleben. Wie deuten Sie das?
Häufig müssen die Brände grösser werden. Dazu gehört, dass man Menschenleben riskiert, um die Medien auf den Plan zu rufen. Ausserdem könnte die Brandserie in jenem Haus im Kreis 4 die junge Frau zum Tatortwechsel animiert haben. Nachahmungstäter sind bei Brandstiftungen nicht ungewöhnlich.

Warum will die Brandstifterin mediale Beachtung?
Um ihre Geltungssucht zu befriedigen. Das ist generell bei immer mehr Straftaten ein Motiv – Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Nach dem letzten Brand wurde die 15-Jährige in der Nähe des Tatorts verhaftet. War sie bewusst unvorsichtig?

Das glaube ich nicht. Alle Serien-Brandstifter, mit denen ich es bislang zu tun hatte, wollten nicht erwischt werden. Eher spekulieren sie auf ein Katz- und Mausspiel und hoffen auf ihre Überlegenheit.

Die bekannte Zürcher Parkhausmörderin hatte als junge Frau über 50 Mal Feuer gelegt – die Brandserie als Start zu einer wüsten, kriminellen Karriere?
In Einzelfällen kann es die Vorstufe sein zu gezielten Gewalttaten gegen einzelne Personen.

Sind Pyromanen therapierbar?

Die Faszination Feuer ist schwer zu bekämpfen – da gibt es keine spezifischen Medikamente. Man kann höchstens den Drang medikamentös etwas beruhigen. Die Konflikte hingegen mit der Umwelt, die ja oft der Hauptgrund sind, diese kann man therapieren.


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Also die letzte Frage finde ich etwas komisch - ist etwas an Pyromanen auszusetzen? Feuer, Explosionen, Vulkanausbrüche und und und ist alles sehr faszinierend. Für mich ist der 1. August immer wieder das Highlight des Jahres ;-) Ich will sagen, die Faszination Feuer ist doch nicht schlimm. Braucht doch viel mehr um eine Straftat zu begehen... – Roni Ackermann

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kuscheljustiz am 06.12.2012 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    der Knast ruft

    Der Justizapparat wird kaum in der Lage sein, bedingt auszusprechen . Es existieren aber noch Tricks wie Schuldunfähigkeit (Klapsmühle), verjähren lassen und Verfahrensfehler. Eine leichte Geisteskrankheit hat eigentlich jeder, wenn man sehr genau hinschaut. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

  • Mike BIC am 06.12.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Pyromane = Krank und Gefährlich?

    Seit wann sind alle Pyromanen Brandstifter? Und seit wann sind alle Pyromanen krank? Nur weil sie nicht auf "Blüemli" stehen. Feuer ist eine Natürliche Erscheinung. Das toll zu finden ist doch keine Krankheit.

  • Massimo am 05.12.2012 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Pyromanen sind nicht therapierbar!

    Aus der Kriminalgeschichte sowie umfangreichen Forschungen über Massenmörder ist klar erwiesen, dass Brandstiftungen eine Vorstufe in der Entwicklung zum psychopathischen Massenmörder sind! Es ist deshalb dringend nötig, die Brandstifterin in eine geschlossene Anstalt einzuweisen.

    • Jackmans am 05.12.2012 17:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ziemlich weit hergeholt, oder?

      Vielleicht nicht ein wenig übertrieben? Es gibt und gab sehr viele Brandstifter, doch die Wenigstens wurden Psychopathen oder Massenmörder. Muss man in z.B. in Riehen damit rechnen, das der Feuerteufel, der schon recht lange immer wieder Brände legte, bald zum Massenmörder wird? Ich weiss nicht, kann ja sein, das Pyromane es in sich haben, aber ich glaube doch eher, dass es wohl recht weit hergeholt ist. Breivik, Manson oder andere Massenmörder, Psychopathen waren auch keine Pyromanen vorher gewesen.

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  • Sens am 04.12.2012 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pyromanen therapierbar?

    Gute Frage. Auffallend viele Serienmörder haben mit Brandstiftung und/oder Tierquälerei begonnen, was nicht heisst, dass alle Pyromanen zu Serientätern werden. Aber einmal Serientäter-immer Serientäter, ich denke das sich dies so verhält. Da kann man theapieren wie man will, solange sie bloss weggesperrt bleiben. Für das junge Mädchen wünsche ich dass sie korrekt eingeschätzt wird.

  • Jackmans am 04.12.2012 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    Wenn ein Jeder seine Konflikte mit der Umwelt, Familie, Arbeit, Schule, usw. in Brände oder andere gewaltsame Erscheinungen trägt, läge die Welt längst in Schutt und Asche. Wir alle haben immer wieder im Leben mit Konfliktsituationen zu tun, egal wo, doch gehört dazu auch, dass man damit lernt, umzugehen. In der heutigen Gesellschaft dürfte dies wohl immer schwieriger werden, da jeder mit sich selbst beschäftig ist.

    • Manuela Loretz am 05.12.2012 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      alleine...

      Richtig. Aber damit umgehen muss gelernt werden. Da diese jungen Menschen jedoch völlig alleine gelassen werden, geschehen sollche Dinge. Eltern nehmt euch mehr Zeit für eure Kinder.

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