SVPler brüskiert Schwule

19. Dezember 2017 15:27; Akt: 20.12.2017 10:09 Print

«SVP distanziert sich von Reglis Aussage»

SVP-Gemeinderat Daniel Regli stösst Homosexuelle vor den Kopf: Er sagte, ein Grund für ihren Suizid sei, dass der Analmuskel nicht mehr halte. Die SVP distanziert sich nun von dieser Aussage.

Reglis Rede im Originalton – seine Aussagen zum Thema Homosexuelle finden Sie ab Minute 6.
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Es ging um eine Million Franken an der Budgetverhandlung vom Samstag im Stadtzürcher Parlament: Die wollte SVP-Gemeinderat Daniel Regli an der Fachstelle für Sexualpädagogik und Beratung «Lust und Frust» einsparen. «Auf deren Website heisst es, dass man dort Informationen über Liebe, Lust und Freundschaft findet – das ist eine pure Lüge.» Tatsächlich gehe es auf der Seite aber vor allem um Sex.

Noch dazu würden kritische Punkte wie Sexsucht oder Suizid bei Homosexuellen ausgeblendet. Laut einer vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) publizierten Studie sei die Rate hoch. «Auf der Website findet man aber nichts darüber, warum sich promiske Homosexuelle zwischen 30 und 40 das Leben nehmen, weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht.» Weil viele sich nicht dafür hielten, mit Windeln rumzulaufen, gebe es Selbstmorde. Dies sei ein Grund dafür, dass jeder fünfte Homosexuelle mindestens einen Selbstmordversuch gemacht habe, so Regli weiter.

Sein Votum löste im Gemeinderatssaal einen Tumult aus. Die Juso fordert gar seinen Rücktritt und auf Twitter wird es scharf kritisiert.



Einer der Top-Five ist CVP-Stadtratskandidat Markus Hungerbühler. Er will weiterhin mit der SVP zusammenarbeiten, wie er sagt: «Das ist Reglis Ansicht. Seine Aussage ist peinlich und gehört ins 18. Jahrhundert», so Hungerbühler, der selbst schwul ist: «Ich bin sicher, dass dies nicht die Meinung der SVP-Fraktion ist.»

SVP-Fraktionschef Martin Götzl hat nach der Rede mit Regli das Gespräch gesucht: «Für mich ist die Sache damit erledigt.» Er findet, dass Regli mit seiner Kritik an der proaktiven Haltung der Fachstelle für Sexualpädagogik und Beratung inhaltlich recht habe: «Er hätte seine Rede allerdings sensibler formulieren können – so etwa seine Aussagen zum Thema Homosexualität.»

Weniger Rückendeckung erhält Regli vom SVP-Stadtpräsident Mauro Tuena, der die Aussage als daneben bezeichnet. Das sei keine Wortwahl, welche die SVP gebrauche. «Davon distanzieren wir uns», wie Tuena gegenüber dem Tages-Anzeiger sagt.

Probleme mit Analmuskel als Tatsache

Regli selbst steht nach wie vor hinter seiner Aussage, wie er zu 20 Minuten sagt: «Ich habe am Samstag nur gesagt, was niemand hören will. Diese Fachstelle ist sektiererisch und ideologisch verblendet.» Auf jeder Zigarettenpackung werde auf das gesundheitliche Worst-Case-Szenario hingewiesen. Auf der Lust-und-Frust-Webseite, die an Kinder ab zehn Jahren gerichtet sei, würde dies jedoch nicht getan: «Die Gefahren Homosexualität und Transsexualität werden völlig ausgeblendet.»

Dass sexuelle freizügige Schwule Probleme mit dem Analmuskel haben könnten, sei eine Tatsache: «Ein Betroffener und ein Arzt haben mir davon berichtet.» Homosexualität sei nicht unbedingt ein Schicksal, wie einem auf der Website weisgemacht werde: «Der Schritt in die Homosexualität wird von Einzelnen bewusst gewählt», sagt der konservative Christ.

Diese Aussagen findet René Schegg, Geschäftsleiter der Schwulenorganisation Pink Cross, absurd: «Wenn jemand bei einer Budgetdebatte in einem homophoben Rundumschlag Analmuskeln von Homosexuellen mit Suizid verbindet, ist das jenseits von jedem Anspruch, den ich an einen Politiker habe.» Suizid bei Schwulen sei tatsächlich ein Problem, dass man aber ernsthaft diskutieren müsse: «Hauptgrund dafür ist übrigens, dass Homosexuelle gesellschaftlich noch immer zu wenig akzeptiert werden.»


(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mandalayon am 19.12.2017 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    How about No.

    «Der Schritt in die Homosexualität wird von Einzelnen bewusst gewählt» Ähm... nein. Einfach nein. Aber von einem "konservativen Christ" habe ich auch nicht mehr erwartet.

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  • Peterli am 19.12.2017 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Seine Aussage

    ....sagt der konservative Christ. Alles klar, der Schlusssatz war entscheidend betreffend der Frage ob man seine Aussagen ernst nehmen soll oder nicht

  • Silberlicht am 19.12.2017 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Regli gehört entfernt..

    Herr Regli gehört aus dem Zürcher Gemeinderat entfernt. Von solchen Leuten fühle ich mich nicht vertreten. Ich bin hetero, und der Meinung, dass solche Leute wie Regli nichts im Gemeinderat verloren haben . Homosexuelle haben meinen Respekt und meine Unterstützung. Wir leben im Jahr 2017 und nicht im Mittelalter. Es sollte Regli klar sein, dass der Grund nicht der Schliessmuskel ist, sondern weil sie sich häufig verstellen und verstecken müssen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • joe joker am 20.12.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    die wahrheit tut weh

    er hat das gesagt was viele denken und was logisch ist. wer will schon mit windeln herumlaufen und baden gehen. das es homos gibt ist ja gut und recht aber solch ein theater daraus machen. alle sollen leben wie sie es wollen. aber man soll der natur nicht steine in den weg werfen. alles hat seine grenzen.

  • Rationalisierer am 20.12.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Analverkehr hat negative Auswirkungen

    Daniel Regli ist mein Mann. Endlich einer der sich traut die Wahrheit auszusprechen. Anstatt Homosexuellen zu helfen, leugnet man jegliche negative Auswirkungen und verleitet noch junge Menschen zu zügellosem Analverkehr, was im Endeffekt, wie von Regli angemerkt, zu Analmuskelrissen führen kann (früher oder später sowieso). Wer das nicht glaubt, soll sich einmal Interviews von Pornosternchen anschauen und wie schön es ist, wenn der Analmuskel reisst. Bin übrigens weder Christ noch sonstwas. Denke einfach rational.

  • Zynikus am 20.12.2017 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwach

    Binn ich der einzige der findet, dass man über Suizide keine solchen Witze reisst? Zumal dieses Thema hauptsächlich Jugendliche betrift, welche unter den umständen des Coming Out Leiden. Und dies gemäss einer Schweizer Studie nicht aufgrund des Muskels, sondern (Zitat) da sie oft unter Schikanen und fehlender Unterstützung zu leiden haben...

  • Ruedi O am 20.12.2017 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit oder nicht?

    Ich weiss auch von solchen Leidenden, z.B. einem schon länger verstorbenen Zürcher Geschäftsmann, noch vor der grossen Outing-Welle. Aber es ist manchmal unklug, die Wahrheit zu sagen. Und es reicht doch auch, wenn solche Leute im Stillen unter ihren Problemen leiden. Man muss es nicht noch an die grosse Glocke hängen.

  • Christian Oberndorfer am 20.12.2017 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Aufregung?

    Das ist als Kunst zu verstehen. Kunst darf das.