Koch Areal

27. September 2017 13:27; Akt: 27.09.2017 18:09 Print

«Besetzer hätten Freude an Ja zur FDP-Initiative»

Der Zürcher Stadtrat sagt Nein zur Koch-Areal-Volksinitiative. Dafür ist nun klar, wer die 370 preisgünstigen Wohnungen erstellt: Die Genossenschaften ABZ und Kraftwerk 1.

Stadtrat und Finanzvorsteher Daniel Leupi im Interview.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf dem Koch-Areal will die Stadt Zürich das Projekt «Wohnen, Arbeiten und Erholen» umsetzen: Sie hat nun als Bauträger zwei Baugenossenschaften und eine Immobilienentwicklerin ausgewählt. Der Stadtrat beantragt einen Objektkredit von 42 Millionen Franken.

2021 sollen die Baumaschinen auffahren, 2023 soll das rund 30'000 Quadratmeter grosse Koch-Areal umgestaltet sein: Die Wohnbaugenossenschaften ABZ und Kraftwerk 1 werden rund 370 preisgünstige Mietwohnungen erstellen, die Immobilienentwicklerin Senn AG wird ein Gewerbehaus bauen.

Grünpark als Herzstück der neuen Siedlung

Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) hat auf einstimmige Empfehlung des Auswahlgremiums dieser gemeinsamen Bewerbung den Zuschlag erteilt, wie er am Mittwoch bekannt gab. 2018 soll nun der Architekturwettberb folgen.

Altstetten und Albisrieden gehören zu den Quartieren, die in den nächsten Jahren stark wachsen werden, so Hochbauvorstand André Odermatt (SP). Mit den Projekten auf dem Koch-Areal würde die Stadt «wesentlich dazu beitragen, dass die sozialen und ökologischen Qualitäten des Quartiers mit der Bevölkerung mitwachsen».

Als wichtiges Element gilt dabei auch der vorgesehene öffentliche Park, der rund einen Drittel der Fläche umfasst und zum Treffpunkt im Quartier werden soll, wie Tiefbauvorstand Filippo Leutenegger (FDP) sagt. Die Stadt sei deshalb bereit, einen namhaften Betrag einzusetzen - die erforderliche Umzonierung zieht einen Abschreiber von rund 23 Millionen Franken nach sich.

42 Millionen Franken als Objektkredit

Zu einem identitätsstiftenden Merkmal soll dabei die ehemalige Kohlenlagerhalle werden. Die markante Holzkonstruktion, die schweizweit ohne Vergleich sei, bleibe erhalten und werde in den Quartierpark integriert.

Für die Umsetzung des Koch-Areal-Projekts beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat und später dem Stimmvolk einen Objektkredit von 42 Millionen Franken. Dieser beinhaltet eine Vermögensübertragung (35 Millionen) sowie einen Projektierungskredit (7 Millionen).

Die von der FDP eingereichte Volksinitiative «Wohnen und Leben auf dem Koch-Areal» hat der Stadtrat inzwischen für gültig erklärt - er lehnt sie aber ab. «Die FDP-Initiative würde deutlich langsamer umgesetzt werden, als das vom Stadtrat vorgestellte Projekt», sagt Daniel Leupi. Er habe daher auch schon scherzend gesagt: «Die Besetzer hätten wohl Freude an einem Ja zur FDP-Initiative.»

Vorlagen sollen Ende November 2018 vors Volk kommen

Die Initiative will die Stadt verpflichten, das Areal an einen privaten Bauherrn zu verkaufen. Durch das vorgeschlagene Bieterverfahren liessen sich aber laut Leupi keine preisgünstigen Wohnungen realisieren. «Aus Sicht des Stadtrats wäre es sinnvoll, wenn beide Vorlagen am selben Tag vors Volk kommen, damit die Wähler die direkte Wahl haben», so Leupi.

Dies Volksabstimmung soll spätestens Ende November 2018 stattfinden. Sollten beide Vorlagen angenommen werden, würde laut Leupi die FDP-Initiative zum Zuge kommen.

Zieht die FDP ihre Initiative zurück?

Bei der FDP ist man froh, dass nun endlich etwas passiert: «Unsere Initiative hat Druck auf den Stadtrat gemacht - ohne sie wäre bis heute nichts passiert mit diesem Areal», sagt Severin Pflüger, Präsident der FDP Stadt Zürich. Mit dem Vorschlag sei man nicht unzufrieden. «Es beinhaltet den Neubau von Wohnungen und Platz für das Gewerbe – es könnte aber etwas schneller gehen», so Pflüger. Und: «Der Abschreiber von insgesamt 35 Millionen Franken ist schon ein starkes Stück – das zahlt nämlich der Steuerzahler.»

Zum scherzhaften Kommentar von Leupi, dass die Besetzer sich über ein Ja zur Initiative freuen würde, sagt er: «Ich bin froh, dass er das mit einem Schmunzeln gesagt hat. Sonst wäre das eine krasse Fehlinformation», sagt Pflüger. Es sei aber korrekt, dass wenn der Stadtrat nun vorwärts machen würde, sein Projekt wohl früher realisierbar wäre.

Unter anderem aus diesem Grund überlege man sich nun auch einen Rückzug der Initiative. «Wir werden das weitere Vorgehen nun genau analysieren», sagt Pflüger.

Lärmklagen sind zurückgegangen

Die Stadt Zürich hat das Koch-Areal 2013 von der UBS für 70,2 Millionen Franken gekauft. Es ist derzeit besetzt. Bis zum geplanten Baustart im Jahr 2021 sollen die Besetzer bleiben, der Stadtrat lehnt Räumungen auf Vorrat ab. Lärmklagen, die 2016 für mediale und politische Aufregung sorgten, sind nach dem Erlass von Regeln zurückgegangen, wie der Stadtrat festhält.

(sda/wed)