16-jähriges Opfer

08. März 2018 10:55; Akt: 08.03.2018 11:26 Print

«Das war eine halbe Vergewaltigung»

Eine 16-Jährige wirft ihrem Ex-Freund mehrfache Vergewaltigung vor. Trotz eines belastenden Chatverlaufs wurde der 19-jährige Lehrling freigesprochen.

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Ein 19-Jähriger stand wegen des Vorwurfs der mehrfachen Vergewaltigung vor dem Bezirksgericht Meilen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Ein 19-jähriger Lehrling stand am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Meilen: Ihm wird vorgeworfen, seine damals 16-jährige Freundin mehrfach vergewaltigt zu haben – unter anderem bei ihr zu Hause auf dem Sofa.

Belastend für den Angeklagten zeigte sich der Chatverlauf zwischen dem jungen Paar: «Das war eine halbe Vergewaltigung. Wievielmal habe ich ‹Stopp› gesagt? Wievielmal habe ich dich weggestossen?», schrieb die junge Frau. «Ich wollte nicht, dass es so herauskommt», antwortete der Lehrling. «Du hast recht. Es tut mir leid. Verzeih mir nicht.»

Sie wollte an diesem Tag den Kontakt abbrechen

Der 19-jährige Mazedonier, der in der Schweiz aufgewachsen ist, bezog sich bei der Entschuldigung aber nicht auf die Vergewaltigungsvorwürfe, sondern auf einen Streit: «Sie wollte den Kontakt abbrechen. Ich wollte aber mit ihr reden.»

Nach diesem Vorfall folgte eine Versöhnung – bis der Beschuldigte junge Frau in seinem Auto auf einem öffentlichen Parkplatz in Erlenbach ein weiteres Mal vergewaltigt haben soll. Nach dem zweiten Vorfall zeigte ihn die damals 16-Jährige an, wie die «Zürichsee-Zeitung» schreibt.

Der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen

Der junge Mann beteuert vor Gericht, dass der Geschlechtsverkehr einvernehmlich erfolgt sei: «Sie hat kosovarische Wurzeln und ist zudem Muslimin.» Darum habe sie sich für ihren ersten Geschlechtsverkehr rechtfertigen müssen, den sie im Nachhinein bereue. Und gebe ihm die Schuld dafür.

Das sah das Bezirksgericht Meilen anders: Der Vorwurf der Vergewaltigung sei zwar nicht erwiesen, aber das Gericht zeigte sich irritiert über den Chatverlauf nach der Tat. Die Schilderung über den Vorfall im Auto empfand es hingegen als nicht stimmig. Auch sonst seien die Aussagen der Klägerin sehr emotional gewesen – ein regelrechtes Hin und Her. «Es bleiben daher letztlich Zweifel», sagte der Richter. Das Gericht sprach den Beschuldigten deshalb frei. Zudem sprach es ihm eine Genugtuung von 4000 Franken zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(mon)