#zukrass-Kampagne

19. Juni 2018 14:29; Akt: 19.06.2018 14:41 Print

Opferhilfe wirbt mit brutalen Videos

Die meisten Jugendlichen wissen nicht, dass sie als Opfer unkompliziert Hilfe holen können. Der Kanton Zürich möchte das mit einer Kampagne ändern.

Die vier Videos der Opferhilfe Zürich zeigen realistische Szenen aus dem Leben der Jugendlichen. (Video: Kanton Zürich)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf dem Nachhauseweg wird ein junger Mann von zwei Unbekannten attackiert und übel verprügelt. Darüber reden kann er nach dem Vorfall nicht – auch nicht mit seinen Kollegen, die ihn fragen, warum er nicht so gut drauf sei. Er weicht aus und sagt, er sei umgefallen. Seine Kollegen glauben ihm, das Thema ist für sie erledigt.

Umfrage
Kennen Sie die Opferhilfe?

Von der Opferhilfe hat der Jugendliche noch nie gehört. Damit ist er nicht allein. Knapp 80 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz wissen laut einer Studie von 2014 nicht, dass sie unkompliziert Hilfe holen können, wenn sie Opfer von Gewalt werden. Der Kanton Zürich hat deshalb die Kampagne #zukrass gestartet, die unter die Haut geht.

Videos sollen Jugendliche ermutigen

«Die Videos sind bewusst deutlich und offen», sagt Sandra Müller, Leiterin der Zürcher Opferhilfestelle. Man wolle Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ermutigen, sich bei den Beratungsstellen zu melden. «Die Beratung ist kostenlos und auch anonym möglich. Und das Opfer entscheidet, ob weitere Schritte unternommen werden.» Gerade bei Gewalt in der Familie sei das ein wichtiges Kriterium.

Teil der neuen Kampagne sind auch Sticker, die zum Beispiel auf Toiletten in Clubs und Schulen aufgehängt werden können. «Betroffene können so in Ruhe den Link auf die Website der Kampagne fotografieren», so Müller. Das sei ein wichtiges Mittel, um möglichst viele Jugendliche zu erreichen.

«Einfach anrufen»

Die Anzahl Beratungen hat im Kanton Zürich in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Knapp 10'000 Personen haben 2017 vom Angebot Gebrauch gemacht. Darunter waren aber nur ein Viertel Männer, obwohl sie laut Polizeistatistik etwa gleich häufig Opfer von Gewalt werden. Das habe damit zu tun, dass das Thema sehr schambehaftet sei. Müller: «Opfer geworden zu sein, wird bei den Jungen häufig mit Schwäche in Verbindung gebracht.»

Guido Ginella, Leiter der Opferberatung Zürich, hat täglich mit Betroffenen zu tun. «Vielen Opfern können wir telefonisch helfen. Man muss nicht bei uns vorbeikommen», sagt er. Es gehe darum, dass man den Opfern zuhöre und dann spezifisch versuche, eine Lösung zu finden. «Man kann bei uns einfach einmal anrufen.»

(tam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gewalt am 19.06.2018 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    normal

    "Darunter waren aber nur ein Viertel Männer, obwohl sie laut Polizeistatistik etwa gleich häufig Opfer von Gewalt werden." ist wie bei #metoo. als mann wirste da halt nur müde belächelt...

  • S.F. am 19.06.2018 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Dann gehts los

    Es ist besser als Opfer keine Hilfe zu holen. Plötzlich steht dann die KESB im Haus und man hat für den Rest des Lebens ausgelacht. Danach steht man unter staatlicher Kontrolle und das ganze Umfeld auch. Opfer sollen sich sofort bei der Polizei melden, sonst nirgendwo, und konsequent Anzeige erstatten. Das ist der einzige richtige Weg.

  • NIno am 19.06.2018 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schon traurig

    Dass erst etwas schlimmes passieren muss, bevor die Polizei überhaupt irgendwie helfen kann.. Idee ist ja gut von der Opferhilfe, leider jedoch noch immer zu ineffizient :(

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wörni am 21.06.2018 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht

    Leider kommt es immer wieder zu Übergriffen. Meine Empfehlung ist, doch den Verstand zu gebrauchen und sich mögliche Gefahren wenn man sich bewegt, abzuschätzen und man kann Gefahren auch aus dem Weg gehen. Eine Frau oder auch ältere Leute Nachts alleine unterwegs zu sein ist bei uns leider nicht mehr möglich. Das müssen wir leider als Tatsache sehen. Die Polizei sollte die Autofahrer etwas schützen, dafür Nachts unterwegs zu sein.

  • NIno am 19.06.2018 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schon traurig

    Dass erst etwas schlimmes passieren muss, bevor die Polizei überhaupt irgendwie helfen kann.. Idee ist ja gut von der Opferhilfe, leider jedoch noch immer zu ineffizient :(

  • gewalt am 19.06.2018 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    normal

    "Darunter waren aber nur ein Viertel Männer, obwohl sie laut Polizeistatistik etwa gleich häufig Opfer von Gewalt werden." ist wie bei #metoo. als mann wirste da halt nur müde belächelt...

  • Tanja am 19.06.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitiges Weltbild

    Und mal wieder schlagen die Männer auf alle rein... Klar sind in vielen Fällen Männer die Täter. Aber nicht nur. Ich hätte es mehr Weitsicht erwartet.

  • S.F. am 19.06.2018 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Dann gehts los

    Es ist besser als Opfer keine Hilfe zu holen. Plötzlich steht dann die KESB im Haus und man hat für den Rest des Lebens ausgelacht. Danach steht man unter staatlicher Kontrolle und das ganze Umfeld auch. Opfer sollen sich sofort bei der Polizei melden, sonst nirgendwo, und konsequent Anzeige erstatten. Das ist der einzige richtige Weg.