Corine Mauch

28. Februar 2018 08:35; Akt: 28.02.2018 08:35 Print

«Die Zürcher Bevölkerung fühlt sich sehr sicher»

Corine Mauch (SP) will am Sonntag als Stadtpräsidentin von Zürich wiedergewählt werden. Zuvor hat sie eine Auswahl von 20-Minuten-Leserfragen beantwortet.

Die Highlights des Interviews mit Corine Mauch im Video.
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Was ist Ihr Fazit aus den vergangenen vier Jahren als Stadtpräsidentin?
Es waren bewegende vier Jahre. Im kulturellen Bereich, der zu meinem Departement gehört, konnten wir diverse Projekte durchbringen – etwa die Sicherung des Cabaret-Voltaire-Hauses. Die Tonhalle ist im Bau, das Kunsthaus wird saniert und wir haben Schwerpunkte bei Film und Tanz gelegt. Zudem konnten wir die Manifesta nach Zürich holen. Etwas, was nicht so gelungen ist, wie ich das geplant hatte, ist Zürich im Landesmuseum – ein Stadtmuseum für die Geschichte von Zürich. Das hat sich unter anderem wegen eines Referendums verzögert.

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Sie sind seit 2009 Stadtpräsidentin von Zürich. Wie hat sich die Stadt in diesen Jahren entwickelt?
Zürich ist eine sehr dynamische, starke und wachsende Stadt. In den letzten zehn Jahren ist Zürich um 40'000 Einwohner gewachsen, es sind über 50'000 neue Arbeitsplätze dazugekommen und es wurde und wird sehr viel gebaut. Wir sind sehr gefordert mit diesem Wachstum und wir geben Bewohnern, die aufgrund dieser Dynamik und Veränderungen verängstigt oder verunsichert sind, Sicherheit.

Zudem war kurz vor meinem Amtsantritt die Finanzkrise, die unsere Stadt sehr stark getroffen hat. Wir hatten über Nacht Steuerausfälle im dreistelligen Millionenbereich und düstere Prognosen. Ich hätte vor neun Jahren nicht gedacht, dass wir jetzt so gut dastehen und ein Eigenkapital haben, das höher ist als je zuvor. Und wir haben trotzdem sehr viel in unsere Stadt investiert.

Wird man nach neun Jahren im Amt nicht etwas amtsmüde? Würde Sie die Privatwirtschaft oder die nationale Politik reizen?
Nein, wenn ich amtsmüde wäre, hätte ich mich nicht nochmals zur Wahl gestellt. Mein Amt macht mir sehr viel Freude – es ist sehr anspruchsvoll, aber auch spannend und abwechslungsreich.

Gleichstellung ist ebenfalls Teil Ihres Departements. Wie haben Sie die weltweite #MeToo-Debatte wahrgenommen und wie wird das Thema in der Stadt Zürich behandelt?
Es ist ja kein neues Thema, aber es ist positiv zu sehen, dass aufgrund dieser Debatte das Thema gehört und ernster genommen wird. Wir haben im Stadtrat einen Gleichstellungsplan, bei dem wir einzelne Schwerpunkte gesetzt haben und Fortschritte erreichen konnten – beispielsweise die Erhöhung des Frauenanteils in Kaderpositionen. Ich konnte in meinem Departement erreichen, dass das oberste Kader aus 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männern besteht.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Lohnungleichheit. Hier haben wir die Verhältnisse der Stadt Zürich überprüft und bieten nun im Rahmen eines Pilotprojekts ein Tool für Firmen an, bei denen wir Leistungen beziehen, damit sie selber die Lohngleichheit überprüfen können.

Wie stehen Sie zum Thema bezahlbarer Wohnraum?
Wir sind jetzt bei rund 29 Prozent gemeinnützigen Wohnungen. Das Ziel ist 33 Prozent. Das heisst aber auch, dass rund 70 Prozent privater Wohnungsbau ist und die Privaten auch ihren Teil dazu beitragen sollen. Es gibt beispielsweise das Businessmodell, wonach Wohnungen an guter Lage einen einfacheren Ausbaustandard und eine kleinere Fläche haben, aber dafür bezahlbar sind. So können Investoren ebenfalls auf ihre Rendite kommen.

In den letzten Wochen und Monaten haben Aufwertungsgegner mit Sachbeschädigungen auf sich aufmerksam gemacht. Wie stehen Sie zum Thema Gentrifizierung?
Es gab eine Zeit, in der man im Langstrassen-Quartier riesige Probleme mit Gewalt, Sex-Gewerbe und Drogen hatte. Dort wünschte man sich Aufwertungsmassnahmen. Jetzt geht es darum, wie man gewährleisten kann, dass auch Leute mit einem schmalen Portemonnaie in diesem Quartier sein können. Sachbeschädigungen und Gewalt führen aber nicht zum Ziel. Das finde ich inakzeptabel.

Man hört immer wieder von Gewaltdelikten, Fan-Chaoten und gewaltbereiten Personen aus dem linksautonomen Bereich. Ist Zürich weniger sicher geworden?
Ich würde auf keinen Fall von einem Trend sprechen. Die gewaltbereiten Fans sind in der Tat ein Problem. Die Jugendgewalt geht aber beispielsweise zurück. Es ist ein sehr subjektives Thema – und bei den Befragungen der Bevölkerung stellen wir fest, dass sie sich sehr sicher fühlt.

Für die grösste Stadt der Schweiz – und im internationalen Vergleich – ist das ein sehr gutes Level. Natürlich ist jeder Fall, bei dem etwas passiert, einer zu viel und nicht akzeptabel. Ich habe selber ein 15-jähriges Gottimaitli, das zusammen mit Kollegen Opfer eines Raubüberfalls wurde. Man darf die einzelnen Fälle aber nicht überdramatisieren und meinen, dass es in Zürich nicht sicher sei.

Im «Tages-Anzeiger» wurde eine Statistik veröffentlicht, die besagt, dass Sie in den letzten vier Jahren mit Abstand die meisten Spesen aller Stadträte hatten. Wieso?
Das hat mit der Funktion zu tun. Bei mir stehen Reisespesen absolut im Vordergrund – beispielsweise für Reisen in unsere Partnerstädten. Wir haben ein ganz klares Spesenreglement und es ist klar, wie die Kontrollen durchgeführt werden. Im Artikel kam ja auch ein Experte zu Wort, der sagte, dass die Ausgaben im Vergleich zur Privatwirtschaft massvoll sind.

Werden Sie in der kommenden Amtszeit ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal eröffnen?
Das wünsche ich mir sehr. Ich habe es ausserordentlich bedauert, als das letzte Projekt gescheitert ist. Ich glaube allerdings, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Fan-Gewalt und dem Scheitern des letzten Projekts. Die Beteiligten müssen sich dessen bewusst sein. Ich erwarte von den Clubs, dass sie sich ins Zeug legen, damit man dieses Problem in den Griff kriegt.

Wieso soll man Sie wählen?
Ich will mich weiterhin dafür einsetzen, dass Zürich eine hohe Lebensqualität hat, attraktiv ist und dass gearbeitet, geforscht und Ideen umgesetzt werden. Und ich setze mich ganz fest dafür ein, dass Zürich eine solidarische Stadt ist und alle von den Qualitäten unserer Stadt profitieren können.

Was passiert, wenn Sie in den Stadtrat gewählt werden, aber nicht als Stadtpräsidentin?
Darüber mache ich mir gerade keine Gedanken. Ich fühle mich in meiner Politik von der Zürcher Bevölkerung sehr gut getragen und bin daher auch zuversichtlich, dass ich weiterhin Stadtpräsidentin sein darf. Und wenn es nicht so kommt, werde ich mir dann Gedanken darüber machen.

(wed)