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18. Oktober 2010 23:01; Akt: 19.10.2010 12:30 Print

«Drei Minuten, bis ein Kind belästigt wird»

Kinderdildos, Handschellen, Kameras: Die Pädophilen-Serie von «10 vor 10» schockiert. Und bald darf die Polizei nicht mehr verdeckt gegen die Kinderschänder ermitteln.

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Thomas Werner vom Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich ermittelt. (Bild: SF)

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In Chatrooms sind Kinder fast rund um die Uhr im Visier von Pädophilen. «Im Schnitt dauert es drei Minuten, bis die Kinder sexuell belästigt werden», sagt Thomas Werner, Chatroom-Ermittler der Stadtpolizei Zürich. Er loggt sich regelmässig in Kinder-Chatrooms ein und gibt sich als minderjähriges Mädchen aus. «10 vor 10» hat ihm zum Auftakt einer schockierenden Serie über die Schultern geschaut.

Der Bericht zeigt: Die Täter fühlen sich im Internet sicher. «Es ist, wie wenn man in einer Forellenzucht fischen würde. Wir können in den Chat, wann wir wollen. Und wir finden immer zwei bis drei Pädophile, die wir sofort verhaften könnten», sagt Werner. Sobald es ihnen gelingt, Kinder in einen Chat zu verwickeln, sprechen sie ihre Opfer sexuell an. Bei den Verhaftungen stellt die Polizei oft umfangreiches Beweismaterial sicher. Werner: «Viele Pädophile haben Einsatzköfferchen dabei, Dildos in Kindergrösse, Gleitcreme, Präservative und Handschellen. Andere haben Kameras und Laptops dabei.» Sie wollen die Kinder beim Sex filmen und die Bilder möglichst schnell ins Internet stellen. Allein in diesem Jahr hat die Stadt­polizei Zürich neun Chat-Pädophile verhaftet.

Ab dem 1. Januar 2011 sind Kinder und Jugendliche in Chatrooms allerdings auf sich alleine gestellt: Mit dem neuen Strafrecht darf die Polizei nicht mehr verdeckt gegen Pädo­phile im Internet vorgehen. Phi­lipp Hotzenköcherle, Kommandant der Stadtpolizei ­Zürich, findet dies problematisch: «Das ist nicht akzeptabel.»


«Ab 2011 sind uns die Hände gebunden»
Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, äussert sich zum neuen Strafrecht.
Marco Cortesi, stellt die Zürcher Polizei ihre Chatroom-Ermittlungen ab 2011 ein?
Marco Cortesi: Natürlich nicht. Ab dem 1. Januar sind uns einfach die Hände gebunden: Wir dürfen erst dann einschreiten, wenn es ein Opfer gibt. Präventive Ermittlungen wie bisher sind leider nicht mehr möglich.

Also haben Schweizer Pädophile im Internet ab 2011 nichts mehr zu befürchten?
Nicht ganz. Pädophile können sich zwar in diesem Feld tummeln, ohne dass die Zürcher Polizei aktiv werden kann. Es gibt aber auch Kantone, die ihre Gesetze so angepasst haben, dass sie immer noch verdeckt ermitteln können.

Also fordern Sie nun, dass die Zürcher Gesetze ebenfalls angepasst werden?
Das wäre begrüssenswert. Denn Zürich war bisher einer der führenden Kantone in der Überführung von Pädophilen im Internet. Aber es ist nicht an uns, Forderungen zu stellen.

(hal/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noroelle am 19.10.2010 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Pädos in der Politik?

    Es ist doch schon schlimm genug, dass bei uns Sexualverbrecher mit Samthandschuhen angefasst werden. Auch wenn einer bei der Vergewaltigung eines Kindes erwischt wird-was passiert ihm schon gross? 2 Jahre auf Bewährung?^^ Jetzt wird offensichtlich auch verhindert,dass man präventiv arbeiten kann.Ich frage mich langsame aber sicher,ob es Politiker gibt,die selbst ein Interesse daran haben,dass dies so ist.Wie z.B. auch,dass 16 j. anschaffen können.Anderst kann ich mir das nicht erklähren! Eigentlich sollten wir doch ALLES tun um diese Kreaturen zu stoppen.

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  • jungle am 19.10.2010 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Pfui

    Bäh...mir wird sowas von schlecht, wenn ich das lese!!

  • M.S: am 19.10.2010 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft

    Vielleicht gibts in der Gesellschaft so viele Pädofile, dass es in Zukunft gar nicht mehr strafbar sein wird... Deshalb gibts auch keine Strafen für den Versuch der Verführung, der Versuch des Betruges ist aber strafbar...? Schon komisch...

Die neusten Leser-Kommentare

  • S.H am 25.10.2010 02:10 Report Diesen Beitrag melden

    Die Eltern sind mitverantwortlich

    Abends bist du um halb 9 Zuhaus, diese DVD ist erst ab 16, du lässt die Finger von Zigaretten... all das ist ganz normal. Aber was die Kinder am Computer machen wird überhaupt nicht kontrolliert, obwohl es zig mal gefährlicher ist. Der Bahnhofs Coop verkauft abends kein Bier mehr, wegen seiner Mitverantwortung. Wie sieht das dann mit den Anbietern von Kinder und Jugendchats aus? Sollten sie nicht vielleicht auch einwenig in die Pflicht genommen werden? Deutsche Pornoseiten müssen auch sicherstellen, dass keine Kinder drauf gelangen können, wieso denn nicht umgekehrt?

  • ursus am 22.10.2010 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    alle sind gleich

    In der Justiz sollte wieder der Grundsatz gelten , jedes Leben ist gleichwertig . Es kann doch nicht sein das manche Straftaten subjektiv härter bestraft werden , obwohl die Straftat weniger brutal war . Wenn wir bei einem Mord mit Folterung anfangen müssen alle anderen Strafttaten geringer bestraft werden . Sonst sind wir bald wieder bei Schauprozessen und Hexenverbrennungen .

    • bhess am 26.10.2010 09:37 Report Diesen Beitrag melden

      Gerechtigkeit

      Grundsätzlich ist es richtig so, aber wenn wir bedenken welche bleibenden selischen Schäden dadurch verursacht werden ist es sehr wichtig diese Verbrecher mit der ganzen Bandbreite des Gesetzes zu verurteilen. Sowie Drogenhändler. diese sollten auch nicht nur wegen des handelns mit Drogen sondern wegen Mordes angeklagt werden. Denn jeder der mit weichen drogen anfängt kommt über kurz oder lang zu den Harten Drogen und stirbt ganz langsam, also Mord auf Zeit. Ich bin dafür das man pädophile für immer wegsperrt.

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  • Claudia Meyer am 22.10.2010 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Pädophile

    Ich verstehe nicht, wieso man solche Menschen schützen soll! Wir müssen unsere Kinder schützen!

  • Peter Kindisch am 21.10.2010 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    etwas verunsichert

    Ich weiss noch nicht so recht wie ich zum Thema stehen soll. Einige Gedanken; Wenn der Staat überwachen will, läuft man dagegen Sturm, wohingegen viele ohne ein Murren bereit sind sehr viel sensiblere Daten in private Firmen zu geben. Google, Foren, Facebook und einige Handyhersteller sammeln Daten über uns die uns "gläsern" werden lassen. Dagegen werden kaum Stimmen laut. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass Eltern endlich Verantwortung für ihre Brut übernehmen sollen. Wäre dies so, bräuchte es auch weniger staatliche Einmischung. Nun, wieviel wovon braucht es also? Gruss PK

  • Adi am 21.10.2010 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    MIT ALLEN MITTELN

    Gegen Pädophile muss mit ALLEN Mitteln vorgegangen werden. Verdeckte Ermittlung und das Stellen von "Fallen" muss daher unbedingt erlaubt werden - schützt unsere Kinder!