Zu Geldstrafe verurteilt

06. Dezember 2012 19:45; Akt: 07.12.2012 10:33 Print

«Drogen-Heidi» überfällt Zürcher Sex-Shop

von Attila Szenogrady - Eine junge Frau aus der Region Chur hat in Zürich einen Sex-Shop mit einem Messer überfallen und ausgeraubt. Das Tatmotiv: das unheimliche Doppelleben der attraktiven Kellnerin.

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Wie konnte es soweit kommen, dass eine in geordneten Verhältnissen aufgewachsene Frau aus der Region Chur in Zürich plötzlich einen Sex-Shop mit einem Messer überfällt und ausraubt? Diese entscheidende Frage stellte sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich. Die heute 29-jährige Gastro-Angestellte gab vor den Schranken alles zu. So hatte sie am 25. Februar 2012 im Zürcher Kreis 3 einen Sex-Shop betreten, den älteren Verkäufer bedroht und Geld verlangt.

In Sex-Shop 380 Franken erbeutet

Erstaunlich war dabei, dass die Beschuldigte das Geschäft als frühere Kundin kannte und sich trotzdem nicht maskiert hatte. Mit der Folge, dass das Opfer die ihm bekannte Räuberin sogleich erkannte und ihr vorschlug, sich hinter den Theken in einer Ecke zu vergnügen. Was die Bündnerin entrüstet ablehnte und den Geschädigten mit einem Küchenmesser bedrohte. Er gab ihr darauf 380 Franken aus der Kasse, packte sie aber am Arm. Worauf sie sich losriss und aus dem Laden flüchtete. Allerdings kam sie nicht weit. Ein aufmerksamer Kiosk-Leiter stoppte sie und führte sie zu Boden. Schon bald tauchte die Polizei auf und nahm die Täterin fest.

Unheimliches Doppelleben

Die Beschuldigte gab alles zu und wurde nach vier Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen. Sie kehrte nach Graubünden zurück, wo sie bis heute im Gastro-Bereich arbeitet und ein unauffälliges Leben führt. Gestern Donnerstag stand sie vor dem Bezirksgericht Zürich und lüftete ihr Geheimnis. So hatte die heute 29-jährige Frau früher in Zürich ein unheimliches Doppelleben geführt. Tagsüber arbeitete sie als fleissige Kellnerin in einem Luxus-Restaurant an der Zürcher Bahnhofstrasse. In der Nacht feierte sie wilde Drogenpartys und konsumierte dabei Heroin sowie Kokain. Zudem war sie über mehrere Jahre hinweg mit einem drogenabhängigen Dealer befreundet. Dieser hatte sie auch aufgrund ihrer hohen Geldschulden dazu überredet, den Sex-Shop zu überfallen.

18 Monate bedingt verlangt

Vor den Schranken hinterliess die attraktive Churerin einen guten Eindruck. «Ich war selber überrascht, dass ich zu so etwas fähig war», erklärte die heute wieder seriös gewordene Frau. Der zuständige Staatsanwalt Daniel Kloiber verlangte für die Ersttäterin wegen Raubes und Drogendelikten eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Im Gegensatz zur Verteidigerin, die sich für eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken einsetzte. So sei ihre Klientin von ihrem damaligen Freund massiv bedroht worden, plädierte sie. Die Verteidigerin verwies auf auch auf die geordneten Verhältnisse der in Chur geborenen Frau, die eine glückliche Kindheit auf dem Land verbracht hatte.

Stümperhaftes Vorgehen

Das Gericht kam zu umfassenden Schuldsprüchen, sprach aber mit einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 60 Franken sowie 300 Franken Busse ein mildes Urteil aus. Der Gerichtsvorsitzende stufte das Vorgehen der Beschuldigten als äusserst stümperhaft ein und ging von einer Kurzschlusshandlung aus. Das Gericht hielt ihr auch Reue und Einsicht zugute. Sie wurde verpflichtet, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 500 Franken zu entrichten.

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