Messerstecherei in Zürich

31. Juli 2017 09:35; Akt: 31.07.2017 12:10 Print

«Du Nuttensohn!» – da zückte er das Klappmesser

Zwei Raver wollten nach der Street Parade 2016 einer Frau helfen, die bedrängt wurde. Das bezahlten sie fast mit dem Leben. Der Täter soll dafür zwölf Jahre ins Gefängnis.

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900'000 Besucher, Traumwetter, tolle Stimmung: Die letztjährige Street Parade ist den meisten in guter Erinnerung. Allerdings wurden an jenem Tag auch 67 Personen verhaftet – so viele wie noch nie. In den meisten Fällen ging es um tätliche Auseinandersetzungen. Dabei wiesen die Opfer auffallend viele Stichverletzungen auf.

Ein besonders krasser Fall ereignete sich nach dem offiziellen Ende der Parade am Utoquai. Ein Schweizer und ein Iraker, beide heute 19 Jahre alt, machten dort kurz nach Mitternacht zwei junge Partygängerinnen an. Diese wiesen die beiden Männer jedoch ab. Der Schweizer zeigte sich aber aufdringlich. So sehr, dass ihm eine der jungen Frauen eine Ohrfeige verpasste, wie die NZZ am Samstag berichtete.

«Ich steche euch alle zusammen nieder»

Daraufhin wollte der 18-Jährige auf die junge Frau losgehen. Kollegen und Passanten hinderten ihn daran. Als die Frau ihn auch noch als Nuttensohn beschimpfte, zückte er ein Klappmesser. Das Opfer brach weinend zusammen. Ein Passant und zwei Raver aus Frankreich wollten der Frau helfen. Der 19-Jährige liess sich aber nicht beruhigen und schrie: «Ich steche euch alle zusammen nieder.»

Es kam zu einer Prügelei, bei der der Schweizer mit dem Klappmesser auf die Franzosen einstach. Die beiden 28-Jährigen erlitten schwere Stichverletzungen und schwebten in Lebensgefahr. Einer der beiden wurde zudem mit Fusstritten gegen den Kopf traktiert. Beide konnten das Spital erst nach Wochen wieder verlassen.

Auf dem Sanitätsposten verhaftet

Der Messerstecher und sein Kollege wurden kurz nach der Tat verhaftet. Sie hatten sich – ebenfalls verletzt – in den nahen Sanitätsposten beim Opernhaus begeben.

Der Staatsanwalt hat laut NZZ nun Anklage erhoben und fordert für den Schweizer eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung. Beim Iraker klagt er versuchte schwere Körperverletzung ein. Der Verteidiger des Schweizers hält das Strafmass für viel zu hoch. Zudem fordert er, dass die Strafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben wird.

(20M)