Opfer von Carlos

28. August 2013 22:22; Akt: 28.08.2013 23:10 Print

«Er wird verwöhnt – ich leide mein Leben lang»

von Marco Lüssi - Messerstecher Carlos (17) hat A. Y. (20) lebensgefährlich verletzt. Die teure Sonderbehandlung des Täters ist für ihn ein Hohn: Er hat noch keinen Rappen Schmerzensgeld erhalten.

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Der 14. Juni 2011 hat das Leben des heute 20-jährigen A. Y. (Name der Redaktion bekannt) für immer verändert: An diesem Tag wurde der junge Türke aus der Stadt Zürich zum Opfer von Gewalttäter Carlos.

«Es war 13 Uhr, ich war mit meinem Vater unterwegs», erzählt Y. Am Zürcher Schwamendingerplatz sei er in den Coop gegangen, um schnell Zigaretten zu kaufen. «Mein Vater wartete draussen – als ich aus dem Laden zurückkam, sah ich, wie einer ihn anpöbelte.» Er habe ihm gesagt, er solle seinen Vater in Ruhe lassen und ihn zur Seite geschoben, sagt Y. «Ich dachte, damit sei es erledigt, und drehte mich um, um zu gehen.»

«Ich habe jeden Tag Schmerzen»

Dann passierte es: «Er zückte ein Klappmesser und stach von hinten zweimal auf mich ein – ich spürte, wie mir das Blut den Rücken runterfloss.» Er habe sich noch ein paar Meter weitergeschleppt. «Doch plötzlich bekam ich keine Luft mehr und brach zusammen.» Im Spital musste Y. operiert werden. «Der eine Stich hatte meine Lunge getroffen, der andere meine Wirbelsäule nur um Millimeter verfehlt, ich könnte heute gelähmt oder tot sein», so Y.

Zwar konnte Y. das Spital nach zehn Tagen wieder verlassen. Doch er leidet unter bleibenden Schäden: «Noch heute habe ich jeden Tag Rückenschmerzen, ich spüre sie schon, wenn ich am Morgen aufwache», sagt er. Sein Hobby, das Fussballspielen, habe er deshalb aufgeben müssen. Auch im Job bekam der Logistiker-Lehrling Probleme: «Ich wäre wegen der Folgen des Angriffs fast aus der Lehre geflogen und muss froh sein, wenn ich den Abschluss schaffe – doch den will ich unbedingt», sagt er. Zudem habe er nach der Tat anfänglich unter schweren Angstzuständen gelitten. «Noch heute begleitet mich immer ein ungutes Gefühl, wenn ich allein unterwegs bin – nachts auf dem Heimweg renne ich, um möglichst schnell zuhause zu sein.»

«Ich fühle mich verarscht»

Als Y. aus dem Medien erfuhr, dass die Zürcher Jugendanwaltschaft Täter Carlos für 29'000 Franken im Monat eine Rundumbetreuung zukommen lässt, ihm eine Viereinhalbzimmerwohnung, einen Privatlehrer und Thaibox-Unterricht bei einem Weltmeister finanziert, fiel er aus allen Wolken. «Für mich ist dies ein Schlag ins Gesicht, ich fühle mich verarscht.» Während für Carlos jeden Monat solche Unsummen ausgegeben würden, habe er noch keinen Rappen Schmerzensgeld erhalten. «Weder ich noch meine Kollegen und meine Familie können verstehen, dass für den Täter viel mehr getan wird als für das Opfer.»

Besonders unverständlich ist für Y., dass Carlos darin unterstützt wird, Thaiboxer zu werden: «Der Angriff auf mich hat gezeigt, dass er schon gefährlich war, bevor er sich mit Kampfsport Muskeln antrainiert hat – und jetzt wird er mit seiner Kampfausbildung endgültig zur Maschine.»

Und natürlich störe es ihn, dass Carlos trainieren könne, statt arbeiten zu gehen. «Ich hingegen muss jeden Tag zur Arbeit, und Sport kann ich nicht mehr treiben, seit er mich niedergestochen hat.» Entschuldigt habe sich Carlos bei ihm erst in der Gerichtsverhandlung: «Aber nur, weil die Richterin ihn dazu aufforderte. Als er auf mich zukam, um mir die Hand zu geben, begann ich zu zittern und brach in Tränen aus.» Y. kann die Ungerechtigkeit nicht fassen: «Er wird verwöhnt – und ich werde mein Leben lang unter den Folgen seiner Tat leiden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Technomad am 30.08.2013 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Krankes System

    Mit solcher Politik und Justiz wird Hass und gefährliche Selbstjustiz gezüchtet...

  • sommi gust am 30.08.2013 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die Deal-Profis.ch!

    Wo bleiben sie nur, die Damen und Herren Politiker, die die Schweiz für das sauberste Land der Welt permanent anpreisen. Verbrecher werden gehätschelt und Gewaltopfer für dumm verkauft - wohl gemerkt die Entscheide werden von unverzichtbaren, hoch qualifizierten Beamten, meist "Juristen" in absoluter Anonymität getroffen. Hinterhältiger und verkommener geht es kaum.

  • Schweizmann am 29.08.2013 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    unvermeidbarer Rechtsrutsch

    Genau das wird passieren, denn offensichtlich ist die von den linken gemachte Politik ja nicht nur sinnfrei, sondern auch ein Schlag ins Gesicht jedes Steuerzahlers. Der Typ gehört ins Gefängnis oder ausgeschafft und sonst gar nichts.

Die neusten Leser-Kommentare

  • sommi gust am 30.08.2013 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die Deal-Profis.ch!

    Wo bleiben sie nur, die Damen und Herren Politiker, die die Schweiz für das sauberste Land der Welt permanent anpreisen. Verbrecher werden gehätschelt und Gewaltopfer für dumm verkauft - wohl gemerkt die Entscheide werden von unverzichtbaren, hoch qualifizierten Beamten, meist "Juristen" in absoluter Anonymität getroffen. Hinterhältiger und verkommener geht es kaum.

  • Technomad am 30.08.2013 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Krankes System

    Mit solcher Politik und Justiz wird Hass und gefährliche Selbstjustiz gezüchtet...

  • Peter Schweizer am 30.08.2013 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern verweigern

    Es gibt nur einen Weg, damit unsere unfähigen Politiker und Beamten es endlich merken. Verweigern wir Ihnen die Mittel, damit sie unser Geld nicht mehr länger verschleudern. Zahlt keine Steuern mehr!!!

  • J. Meyer am 30.08.2013 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Die Unsinnigkeit einer solchen Therapie

    ergibt sich darin, das einem gewalttätigem Jugendlichen, der jegliche gesellschaftliche Normen ablehnt, ja, gar nicht bereit zu sein scheint, sich in diese zu integrieren u ihm stattdessen eine Kampfsportausbildung ermöglicht, welche nicht dazu eignet, sein Gewaltpotential zu mindern. Im Gegenteil, gerade durch sein vorhandenes Potential wird es erst recht durch dieses Training professionalisiert, sprich im Klartext, das hier eine tickende Bombe in Form einer Kampfmaschine gezüchtet wird. Dafür spricht auch ein vorbestrafter Trainer, welcher ein falsches Vorbild vermittelt.

  • Schweizmann am 29.08.2013 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    unvermeidbarer Rechtsrutsch

    Genau das wird passieren, denn offensichtlich ist die von den linken gemachte Politik ja nicht nur sinnfrei, sondern auch ein Schlag ins Gesicht jedes Steuerzahlers. Der Typ gehört ins Gefängnis oder ausgeschafft und sonst gar nichts.

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