Zürcher Verkehrspolitik

17. Mai 2018 05:51; Akt: 17.05.2018 09:39 Print

«Für Autofahrer wird Zürich jetzt zum Graus»

Die Bürgerlichen befürchten, dass sich mit der Rochade im Stadtrat auch viel im Verkehr ändern wird. Wolffs Partei beschwichtigt.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) zu den Gründen der Departements-Rochade.
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Richard Wolff (AL) ist neu Vorsteher des Stadtzürcher Tiefbau- und Entsorgungsdepartements und löst damit Filippo Leutenegger (FDP) ab. «Es ist ein spannendes Departement», sagte er nach der Verkündung am Mittwochvormittag. Er freue sich besonders auf die Verkehrsfragen, die er schon als Vorsteher des Sicherheitsdepartements mitprägen konnte. «Diese sind im neuen Departement noch etwas wichtiger und schwerwiegender», so Wolff.

Bei den bürgerlichen Parteien befürchtet man nun eine Vekehrspolitik zu klaren Ungunsten der Autofahrer. «Für das Gewerbe, die auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen ist, und die Autofahrer wird Zürich jetzt zum absoluten Graus», sagt der Stadtzürcher SVP-Präsident Mauro Tuena.

«Projekte für Velofahrer wurden aus politischen Motiven blockiert»

Die neue Polizeivorsteherin Karin Rykart (Grüne) habe laut Tuena bereits angekündigt, sich für weitere flächendeckende Tempo-30-Zonen und Velofahrer einzusetzen. «Und Richard Wolff wird sich dafür engagieren, dass auf wichtigen und viel befahrenen Durchgangsstrassen wie etwa der Rämistrasse oder der Bellerivestrasse Autospuren zugunsten der Velofahrer verloren gehen – oder auf die Tramspuren verschoben werden», so Tuena. Zudem befürchte er, dass man die Sihlstrasse im Kreis 1 komplett verkehrsfrei machen werde. Leutenegger habe stets eine Verkehrspolitik für alle Teilnehmer gemacht.

Dem stimmt auch der Stadtzürcher FDP-Präsident Severin Pflüger zu: «Filippo Leutenegger wollte viele Projekte realisieren, die auch den Velofahrern zugute gekommen wären. Diese wurden aber aus rein politischen Motiven von Rot-Grün blockiert.»

«Es wird keine Revolution auf der Strasse geben»

Die Verkehrspolitik werde unter Wolff jetzt definitiv einseitiger. «Er hat auch schon bei der neuen Parkgebührenverordnung gezeigt, dass er überhaupt keine Sympathien für Autofahrer hat», so Pflüger. «Ich gehe davon aus, dass viele Parkplätze verschwinden werden – auch in der blauen Zone.»

Bei Wolffs Partei hält man die Befürchtungen der Bürgerlichen für unbegründet: «Es wird keine Revolution auf der Strasse geben», sagt AL-Fraktionspräsident Andreas Kirstein. Auch Richard Wolff werde gesetzlichen Regelungen und Festlegungen folgen müssen und könne den Verkehr nicht komplett umkrempeln. «Er wird aber sicher die Akzente verschieben und etwa in Bezug auf die Velos eher ermöglichen statt verhindern», so Kirstein.

Pro Velo ist froh über den Wechsel

Beim Verband Pro Velo Zürich ist man froh, dass es in diesem Departement einen Wechsel gegeben hat: «Die Bilanz von Filippo Leutenegger ist durchzogen – er hat zum Beispiel viele Abstellplätze für Velos geschaffen, bei Projekten für den rollenden Veloverkehr aber immer wieder stark gebremst», sagt Geschäftsführer Dave Durner. Er hoffe, dass Wolff hier mehr erreichen könne.


Die Stadträte Richard Wolff und Filippo Leutenegger im Interview über ihr neues und altes Departement.

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kargon am 17.05.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... und ich lächelte und war froh - und es kam sch

    Für Autofahrer wird Zürich jetzt zum Graus - ach, das war es bis jetzt nicht? Dann bin ich mal auf die Steigerung gespannt...

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  • LF1 am 17.05.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wählen

    was man wählt kriegt man dann halt auch.

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  • Andy82 am 17.05.2018 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velowege?

    Ich frage mich immer: Wofür baut man Velowege für x-Millionen Franken? Die werden ja sowieso nicht genutzt. Die Devise vieler Hobby-Ulrichs ist ja: nur auf der Strasse kann ich Autofahrer ärgern. Danach haben wir schmalere Strassen die Autos und Velos teilen und Velowege die verstauben... Interessant zu beobachten: Hat es Stau auf der Strasse fahren dann die Velos plötzlich auf den eigentlich für sie vorbereiteten Flächen um nach dem Stau ohne Ankündigung vor die Motorhaube einzuschwenken...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter B. am 17.05.2018 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne mich

    Ich wünsche dem neuen Stadtrat viel Glück für seine Arbeit, were persönlich aber die Stadt in Zukunft meiden, weil die extreme rot-grüne Politik der Stadt Zürich langfristig schaden wird.

  • Markus am 17.05.2018 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Weggezogen inkl. Betrieb 80 Leute

    Habe mein Betrieb vor Monaten von ZH geschlossen und in anderen Kt. verschoben. zum Glück. Hier in ZH sind Velowege und Oberlinkes sozi Denken Thema Nr. ein. Mitarbeiten können mitgehen an den neuen Standort oder nicht. Habe genug von dieser Stadt.

  • Pizzo Pozzo am 17.05.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Freude herrscht!

    Gute Nachrichten! Die Autos gehören weitmöglichst aus der Stadt verbannt. Es gibt ja den Aargau und das Limmattal für Autofahrer, dort hat es auch Parkplätze in Hülle und Fülle.

  • Alter Sack am 17.05.2018 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer hilft mir

    Kann mir ein Grüner erklären, warum er unbedingt in Zürich wohnen will wenn es doch auf den Sternenberg genau so ist wie seine Bedürfnisse sind... immer das haben was nicht ist... irgend wie komisch

  • f. g. am 17.05.2018 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so!

    Autos auf die Tramspur = ÖV blockieren. Super Idee. Noch mehr 30er Zonen dessen Unterhalt der Stadtbürger bezahlen muss. Wann kommen die Strassenverkehrsabgaben für Velos?