Wetzikon

22. Juni 2016 08:31; Akt: 22.06.2016 14:38 Print

«Gardisten essen am liebsten Schweizer Küche»

Der 26-jährige David Geisser hat mit seinem Vatikan-Kochbuch international Erfolg. Nun kocht er ein Gardisten-Menü für 20 Minuten.

Der ehemalige Schweizer Gardist kocht Conchiglioni al Forno. (Video: Alice Grosjean)
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Im Eilzugstempo hackt David Geisser die Zwiebeln, dann dämpft er sie in einem Topf zusammen mit Spinat an. Das Gemüse vermischt er mit Ricotta, Mascarpone und Reibkäse und füllt die Masse in gekochte Conchiglioni. Über diese Riesenteigwaren in Muschelform kommt Béchamelsauce und nochmals Käse.

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Nebenbei erklärt Geisser seine Kochschritte routiniert vor der Kamera in der Küche seiner Eltern in Wetzikon. «Meine in Küsnacht ist zu klein für die Kamera und meine Freundin ist gerade am Lernen», sagt er und schiebt die Auflaufform in den Ofen – fertig. «Man muss nicht ewig in der Küche stehen, um etwas Tolles zu kochen», sagt der 26-Jährige.

Bubentraum: Schweizer Gardist

Das will er unter anderem mit seinen Kochbüchern beweisen. Das erste hat er mit gerade mal 18 Jahren geschrieben, als Abschlussarbeit für die Rudolf-Steiner-Schule. Das Buch namens «Mit 80 Tellern um die Welt» wurde über Nacht zum Bestseller, die Medien handelten Geisser als den neuen Jamie Oliver der Schweiz. Es folgte eine Kochlehre und ein zweites Kochbuch, die Karriere als Star in diesem Metier war programmiert.

Doch Geisser folgte seinem Bubentraum und trat 2013 der Schweizer Garde bei. «Vielleicht verdiente ich dort weniger Geld, jedoch war es eine grossartige Lebensschule», sagt er. Zwei Jahre bewachte er den Papst und stellte in seiner Freizeit sein drittes Kochbuch zusammen. «Buon Appetito» heisst es und man findet darin Rezepte aus dem Vatikan und dem Garde­alltag – etwa Lieblingsmenüs der Päpste und Gardisten.

«Ich war ein ganz normaler Gardist»

Während Papst Franziskus für sein Leben gern das argentinische Dessert Dulce de Leche verspeist, sind bei den Gardisten Schweizer Gerichte wie Züri Gschnätzlets hoch im Kurs. «Das gibts eben selten. Normalerweise essen wir in der Kantine oft Pasta.» Diese hat aber nicht Geisser für seine Kollegen gekocht: «Das machen polnische Nonnen.» Er selbst sei lediglich bei grösseren Anlässen in der Küche gestanden: «Ich war ein ganz normaler Gardist.» Will heissen, in der Uniform Wache schieben oder bei Staatsbesuchen im Vatikan dabei sein.

In seiner Freizeit spielte er Fussball oder ging in den Ausgang. Um spätestens 3 Uhr morgens mussten er aber zurück in der Kaserne sein, was Geisser nicht störte: «In Rom dauert das Nachtleben sowieso nicht so lange. Man geht essen und danach in eine Bar.»

«Ich hatte viel Glück»

Die Idee mit dem Buch hatte sein Kommandant, sagt Geisser: «Er fragte mich beim Eintrittsgespräch, ob ich Lust hätte, ein solches Kochbuch zu schreiben.» Es wurde zum Grosserfolg und bereits auf Englisch übersetzt. Kürzlich tourte er durch die USA und trat in grossen TV-Shows auf. Eine spanische Übersetzung folgt und es gibt Anfragen aus Russland, Korea und China.

«Ich hatte sehr viel Glück», sagt Geisser bescheiden und nimmt die Conchiglioni al Forno aus dem Ofen. Sein viertes Kochbuch ist in Planung, davon wird er aber nicht reich. Er ist unter anderem selbstständiger Gastrotester, Redner sowie Markenbotschafter und Eventkoch der Firma Micarna. «Das Schöne ist, dass ich mir meine Aufträge oft aussuchen kann», sagt er, während die Journalistinnen sein deftiges und schmackhaftes Menü verspeisen. Er selbst isst am Mittag kaum etwas, sagt er: «Dafür gibt es am Abend umso mehr. Wie bei den Italienern eben.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • antonzum am 22.06.2016 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Umfrage!

    1 Teilnehmer und die Umfrage ist bereits abgeschlossen?!

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  • Ar.ada am 22.06.2016 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nahrung ist wichtig

    Ist mir neu das Gardisten Schweizer Küchen essen. Die sind hard und teuer. Ich dachte sie essen auch Lebensmittel wie wir.

  • Marcel und Renate am 22.06.2016 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein eigenes Restaurant währe gut.

    Wir haben Herr Gaisser bei einer Gardebesichtigung kennengelernt.Ein Toller Typ und gaz bescheiden. Er hat uns damals schon erzählt von seinem Kochbuch. Wir wünschen ihm viel Erfolg mit seinen Kochbüchern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark Brandon am 22.06.2016 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    so-so

    Schweizer Kueche= Aromat, Maggi-Bouillon, Knorrsaucen, Le Parfait, Fleischkaese.....nein danke. Olma-Bratwurst, Gruyere, Buendnerfleisch,... ja gerne.

  • huwi am 22.06.2016 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gardeküche früher

    Vor ca 40 J. ging ein Kumpel von uns in die Garde. Über die Weihnachtswoche lud er uns nach Rom ein, zeigte uns die ganze Garde und alle Räume, die nicht öffentlich waren (Papa und Kommandant waren in Castello Condolfo). Gegessen haben wir jeden Tag in der Garde-Kantine. Da waren die Speisen noch richtig mediterran, nix schweizer Küche. Aber herrlich! Jeden Tag ein anderes Italienisches Menü. Und günstig!!! 1/2 Liter Rotwein (nicht der schlechteste) 1100L = 90 Rp. - Aber ich mag der Garde heute auch Züri-Gschn. und Rösti gönnen...

  • Tina am 22.06.2016 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Süss

    Habe mich gerade verliebt, tolles Video :) Weiter so...

  • Marcel und Renate am 22.06.2016 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein eigenes Restaurant währe gut.

    Wir haben Herr Gaisser bei einer Gardebesichtigung kennengelernt.Ein Toller Typ und gaz bescheiden. Er hat uns damals schon erzählt von seinem Kochbuch. Wir wünschen ihm viel Erfolg mit seinen Kochbüchern.

    • Babsii am 22.06.2016 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marcel und Renate

      Geisser heisst der knabe :)

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  • Ex Gardist am 22.06.2016 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Acriter et Fideliter

    Ein super Buch, habe schon vieles ausprobiert und ist immer gelungen. Buon Appetito...