10. Januar 2018 12:46; Akt: 10.01.2018 12:51 Print

«Gifttelefon» verzeichnet neuen Beratungsrekord

von Thomas Hasler - Tox Info Suisse, die offizielle Informationsstelle der Schweiz für alle Fragen rund um Vergiftungen, hat im vergangenen Jahr über 40'000 Beratungen ausgeführt.

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Alle dreizehn Minuten klingelte es im vergangenen Jahr bei der Nummer 145. Zum ersten Mal in der 51-jährigen Geschichte von Tox Info Suisse, dem früheren Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum, wurde im Jahre 2017 die Grenze von 40'000 Giftberatungen mit 40'308 Anrufen überschritten – eine Steigerung um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das mit den dreizehn Minuten ist natürlich nur ein statistischer Durchschnittswert und hat mit der Realität nichts zu tun. Denn den grössten Ansturm erlebt Telefon 145 am späten Vormittag und am Abend mit einer Spitze um etwa 21 Uhr. Warum das so ist, ist auch für Hugo Kupferschmidt, den Direktor der Stiftung Tox Info Suisse, «nicht restlos klar». Klar ist lediglich, dass es bei den Anrufen am späten Vormittag fast ausschliesslich um Kleinkinder im Alter von zwei bis fünf Jahren geht. «Das ist nicht nur in der Schweiz so, sondern auf der ganzen Welt», sagt Kupferschmidt.

Mehr Anfragen von Laien

Am Abend betreffen die Anfragen je zur Hälfte Kinder und Erwachsene. Dann kommen die meisten Anrufe aus den Notfallstationen – in der Regel von Ärztinnen und Ärzten. Insgesamt stammt aber die Mehrheit der Anrufe, nämlich zwei Drittel, aus der Bevölkerung. Zu Beginn des «Gifttelefons» im Jahr 1966 war das Verhältnis gerade umgekehrt: Damals stammten 74 Prozent der Anrufe von Privat- und Spitalärzten und nur 16 Prozent von Laien. Der heute hohe Anteil an Laienanfragen ist für Hugo Kupferschmidt ein Zeichen, dass das «Gifttelefon» «in der Öffentlichkeit heute gut verankert» ist.

Im vergangenen Jahr betrafen die meisten Anfragen Medikamente (36 Prozent). Foto: Hans-Jürgen Wiedl (Keystone)

Die inhaltlichen Schwerpunkte hätten sich in den letzten Jahren bei den Anfragen kaum verändert, stellt Kupferschmidt fest. Im vergangenen Jahr betrafen die meisten Anfragen Medikamente (36 Prozent), gefolgt von Haushaltprodukten (25 Prozent) und Pflanzen (9 Prozent). Allein diese drei Produkte machen 70 Prozent aller Vergiftungsfälle aus. Die weiteren Intoxikationen: Körperpflege und Kosmetika (7 Prozent), technische und gewerbliche Produkte (6 Prozent), Nahrungsmittel und Getränke (5 Prozent), Produkte für Landwirtschaft/Gartenbau sowie Genussmittel, Drogen und Alkohol (je 5 Prozent), Pilze (2 Prozent) und Gifttiere (1 Prozent). Am ehesten können Anfragen und Erkundigungen zu Pilzen variieren.

Nur in den wenigsten Fällen erfolgen die Anrufe rein präventiv oder aus Interesse. 92 Prozent betreffen konkrete Ereignisse. Beispielsweise will jemand, der versehentlich die doppelte Menge Medikamente eingenommen hat, wissen, welche Folgen das haben kann. Eine andere Person ist mit unerklärlichen Symptomen konfrontiert und möchte wissen, ob diese allenfalls mit einer Vergiftung in Zusammenhang stehen könnten. Für das abgelaufene Jahr stellt Kupferschmidt generell fest: «Bei Kindern handelt es sich typischerweise um Unfälle, bei Erwachsenen stehen die beabsichtigten Selbstvergiftungen im Vordergrund, vor allem Suizidversuche mit 67 Prozent und der Missbrauch von Substanzen mit 12 Prozent.»

Unfall und Absicht

Wenngleich die Anzahl Anfragen beim Beratungstelefon von Tox Info Suisse seit Jahren kontinuierlich ansteigt – 2007 waren es noch 32'000 Anfragen –, darf ­daraus laut Hugo Kupferschmidt nicht der Schluss gezogen werden, dass es in der Schweiz immer mehr Vergiftungsfälle gibt. Wenn man das Bevölkerungswachstum mitberücksichtige, sei die Zahl der Vergiftungsfälle «ziemlich konstant».

«Der heute hohe Anteil an Laienanfragen ist ein Zeichen, dass der Dienst in der Öffentlichkeit gut verankert ist.»Hugo Kupferschmidt, Tox Info Suisse

Für das Beratungstelefon hatte der Apothekerverband, heute Pharma­Suisse, im Jahre 1966 den Grundstein gelegt. Am Anfang dabei waren auch die Gerichtsmediziner der Universität Zürich und die interkantonale Giftkommission. Heute wird die private, gemeinnützige Stiftung von verschiedenen Organisationen getragen und ist ein rechtlich und finanziell unabhängiges assoziiertes Institut der Medizinischen Fakultät der Uni Zürich. Mit den Kantonen, dem Bundesamt für Gesundheit, Swissmedic und H+ bestehen Leistungsverträge.

Für den Beratungsdienst teilen sich etwa 30 Personen 16 Vollzeitstellen. Ein Arzt oder eine Ärztin bedient das Beratungstelefon und wird in Spitzenzeiten von einer zweiten Person unterstützt. Während der Bürozeiten übernimmt eine nicht ärztliche Fachperson die Triage der eingehenden Anrufe, während ein Arzt oder eine Ärztin die Fachperson am Telefon unterstützt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hilda Weissnix am 11.01.2018 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Leute = mehr Telefonate?

    Könnte das etwas mit dem Bevölkerungswachstum zu tun haben? So wie z.B. mehr Personen auch mehr Abfall usw. produzieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hilda Weissnix am 11.01.2018 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Leute = mehr Telefonate?

    Könnte das etwas mit dem Bevölkerungswachstum zu tun haben? So wie z.B. mehr Personen auch mehr Abfall usw. produzieren.