Nachbarschaftsstreit

29. November 2012 13:07; Akt: 29.11.2012 13:53 Print

«Hilfe, ich wurde vergiftet!»

von A. Szenogrady - Immer wieder drangen Traktor-Gase von ihrem Nachbarn in ihre Wohnung in Hinwil. Deshalb demolierte eine Frau seine Tür. Die Begründung, sie habe aus Notwehr gehandelt, liess das Gericht nicht gelten.

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«Ich konnte nicht mehr schlafen und wurde faktisch vergiftet», beschwerte sich die heute 41-jährige Russin am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht. Dabei beklagte sie sich vor allem über ihren langjährigen Nachbarn, der unter ihrer Hinwiler Wohnung eine grosse Garage besitzt und dort als Landwirt jeweils seinen Traktor abstellt.

Die geschiedene Wirtschaftsstudentin und Fürsorgeempfängerin führte aus, dass der Bauer seinen Traktor ununterbrochen habe laufen lassen. Mit der Folge, dass sich immer wieder giftige Abgase in ihrer Wohnung angesammelt hätten. Auch am 1. Oktober 2011, als er den Motor bereits in den frühen Morgenstunden gestartet habe. Um sich dagegen zu wehren, habe sie aus Wut gegen seine Türe getreten und dabei das Türblatt beschädigt. Doch nur aus berechtigter Notwehr. So leide sie bereits seit 16 Jahren unter Asthma und habe infolge der Schwaden keine Luft mehr bekommen, erklärte sie sichtlich bewegt.

Russin soll Verteidigung erhalten

Der Landwirt erstattete in der Folge Strafanzeige. Mit Erfolg. So kam das Bezirksgericht Hinwil im letzten April zu einem Schuldspruch und verurteilte die Russin wegen Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 30 Franken sowie zu 200 Franken Busse. Der Hinwiler Richter verneinte eine Notwehrlage und erklärte, dass die Flucht aus der Wohnung das einzig erfolgsversprechende Mittel gewesen sei, um einer Gefährdung der Gesundheit zu entkommen. Es sei dagegen nicht ersichtlich, inwiefern das Einschlagen der Türe des Privatklägers den vermeintlichen Angriff hätte abwehren können.

Vor Obergericht verlangte die Beschuldigte erneut einen Schuldspruch und redete so schnell, dass selbst die erfahrene Protokollführerin nicht mehr mitkam. Allerdings war der Prozess schnell beendet. Der Gerichtsvorsitzende Rolf Naef führte aus, dass Zweifel an der vollen Schuldfähigkeit der Studentin aufgekommen seien. «Sie braucht eine Verteidigung», erklärte er und wies den Fall an die Hinwiler Behörden zurück. Diese müssen nun entscheiden, wie es weitergeht. In einem Punkt hat sich der Fall jedenfalls entschärft. Die Beschuldigte soll bereits weggezogen sein.

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