Im Fussballstadion

04. September 2015 06:10; Akt: 04.09.2015 09:35 Print

«Homophobe Sprüche hören wir nur noch selten»

Delegierte von 29 schwul-lesbischen Fussball-Fanclubs treffen sich am Wochenende erstmals in Zürich zu einer Konferenz – und das erst noch im Hauptquartier der Fifa.

storybild

Peter Wolfensberger (ganz rechts), Präsident des schwul-lesbischen FCZ-Fanclubs Letzi Junxx, und der Vorstand.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Wolfensberger*, die europäische Vereinigung Queer Football Fanclubs (QFF) kommt erstmals in Zürich zusammen. Warum gerade bei der Fifa?
Wir fanden es eine gute Idee, physische Präsenz am Ort des grossen Fussballs zu zeigen. Als konsensorientierte Leute versuchen wir den Dialog mit der Fifa zu suchen und sind nicht auf Konfrontation aus. Die Fifa selbst war uns gegenüber auch sehr offen. Es könnte einen Anstoss in die richtige Richtung geben und Gespräche zu Homosexualität und Homophobie im Fussball anregen.

Die Fifa ist nicht unumstritten. Gab es bei der QFF interne Diskussionen wegen des Veranstaltungsortes?
Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Als Vorstandsmitglieder der Letzi Junxx den Entschluss an einer Konferenz vorstellten, gab es zuerst begeisterten Applaus. Erst im Nachhinein meldeten sich kritische Stimmen. Ein paar Leute konnten wir bis jetzt nicht vollständig von unserem Vorhaben überzeugen.

Worüber sprechen die Delegierten an der Konferenz?
Wir treffen uns alle sechs Monate und diskutieren über gemeinsame Projekte und Aktionen im Kampf gegen Homophobie im Fussball. Es geht vor allem um den Erfahrungsaustausch. Das letzte Mal waren wir in Düsseldorf.

Gastgeber der Konferenz ist Ihr Fanclub Letzi Junxx, den es seit sechs Jahren gibt. Haben Sie das Gefühl, mittlerweile von den anderen Zürcher Fans akzeptiert zu werden?
Definitiv. In der Zwischenzeit kennt man uns beim FC Zürich und den anderen Fanclubs. Auch homophobe Sprüche sind selten geworden und habe ich schon lange nicht mehr gehört. Im Stadion sind wir primär Fussballfans.

Was für Aktionen planen Sie in Zukunft zum Thema Homosexualität im Fussball?
Wir werden am Samstag ein Projekt gegen Homophobie im Breitensport vorstellen, welches wir mit den zwei anderen Schweizer Gay-Fussballfanclubs und dem Schweizerischen Fussballverband verwirklichen wollen. Auf internationaler Ebene wird es weiterhin sehr wichtig sein, sich zu vernetzen. Es ist noch ein weiter Weg, bis Homosexualität im Fussball akzeptiert ist.

*Peter Wolfensberger ist Präsident des schwul-lesbsichen FCZ-Fanclubs Letzi Junxx.

(gio)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter G. am 04.09.2015 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homosexuelle gehören ...

    ... in zuvilisierten Ländern zur Gesellschaft und sollen nicht ausgegrenzt werden. Dass es darunter auch Fussballfans hat ist erfreulich. Dass sie sich in eigenen Fanclubs vereinen empfinde ich schon fast als "sich-selber-ausgrenzen", denn es geht ja um den Sport und nicht um sexuelle Orientierung.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter G. am 04.09.2015 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homosexuelle gehören ...

    ... in zuvilisierten Ländern zur Gesellschaft und sollen nicht ausgegrenzt werden. Dass es darunter auch Fussballfans hat ist erfreulich. Dass sie sich in eigenen Fanclubs vereinen empfinde ich schon fast als "sich-selber-ausgrenzen", denn es geht ja um den Sport und nicht um sexuelle Orientierung.

    • Weiss Nix am 04.09.2015 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Sprechender Verschreiber

      Ich stimme Peter zu. Da sind wir dann wirklich etwas zuvi(e)lisiert. Einschluss statt Grüppchenbildung. Das zusammenkommen im kleinen Kreise kann ja nützlich sein für den Austausch, doch wieso Abgrenzung?

    • Andrea V. am 04.09.2015 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Alle für züri

      Finde ich nicht. Gibt doch sowieso schon viele verschiedene Fanclubs bzw fangruppierungen zum gleichen Verein. Oder täusche ich mich da....

    • Noé Zogger am 04.09.2015 15:48 Report Diesen Beitrag melden

      Nützt was!

      Ich glaube es geht auch darum, dass vereinzelte, die sich ausgegrenzt fühlen, einen geborgenen Ort mit gleichgesinnten haben. Sogennant einen Schutz bekommen und so auch ins Stadion kommen. Solche die schon bei anderen integriert sind, haben sicher kein Problem mit Kollegen selbst ins Stadion zu gehen. Es gibt immer noch Plätze wo andersgesinnte noch nicht ganz sicher fühlen. Das gleiche gilt auch für gewisse Rassenangehörigkeit, die trotz akzeptanz nicht 100%ig überall in der Schweiz blicken lassen dürfen (also öffentliche Orte)...

    • Noé Zogger am 04.09.2015 15:50 Report Diesen Beitrag melden

      fortsetzung

      ... Falls dies keinen Anklang bei Gleichgesinnten gefunden hätte, wäre diese Fangruppierung Letzi Junxx nicht schon 6 Jahren da.

    einklappen einklappen