Pro-Infirmis-Spot

03. Dezember 2012 07:36; Akt: 03.12.2012 10:10 Print

«Ich bin ein Mann, seht ihr das nicht?»

von A. Hirschberg - Wie begegnet die Umwelt einem Behinderten im Alltag? Dies zeigt uns Pro Infirmis in ihrem neusten TV-Spot. Das Resultat ist nicht gerade schmeichelnd.

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Mit dem TV-Spot «Kommen Sie näher», in dem der behinderte Fabian Bischoff als «Plüsch-Bär» mitten in der Zürcher Altstadt Passanten umarmt, hat Pro Infirmis Werbegeschichte geschrieben. Allein in der englischen Version wurde der Film fast vier Millionen Mal angeschaut. Nun präsentiert die Behinderten-Organisation am heutigen internationalen Tag des behinderten Menschen den nächsten emotionalen Spot. Im Zentrum steht Gianni Blumer, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde.

Der Schauspieler des Hora-Theaters trug während zweier Tage eine Brille, die gleichzeitig eine Kamera ist. «Was aufgenommen wurde, sind alles reelle Situationen, wir wollten nicht, dass sich die Leute anders verhalten», sagt Mark Zumbühl, Geschäftsleitungsmitglied von Pro Infirmis. So sieht der Zuschauer, wie wohlwollend und gleichzeitig herablassend die Umwelt einem Behinderten begegnet. Gianni Blumers Kommentare, die er nach den Aufnahmen zu den einzelnen Szenen abgegeben hat, sind vernichtend. Denn: Fast alle behandeln ihn wie ein Kind. Dem 23-Jährigen wird nicht zugetraut, seinen Kaffee selbst zu zahlen. Im Schuhladen gibt man ihm einen Ballon wie den ganz Kleinen und alle duzen ihn. «Dabei kenne ich sie gar nicht», sagt Blumer im Spot.

Pro Infirmis will mit diesem Werbefilm erreichen, dass man sein eigenes Verhalten gegenüber behinderten Menschen hinterfragt. «Statt Sonderbehandlung oder Mitleid braucht es Offenheit und den Willen, dem Menschen zu begegnen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Zumbühl. Der Spot steht darum erneut unter dem Motto «Kommen Sie näher» und hat ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zum Ziel. Oder mit den Worten von Gianni Blumer: «Ich bin 23. Ich bin ein Mann, seht ihr das nicht?»

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Als Mutter eines Kindes mit Trisomie 21, habe ich mich an die Blicke gewöhnt. Meistens sind diese auch wirklich nicht böse gemeint. Oft ist es Unwissen, die aber mit der eigenen Offenheit behoben werden kann. Vielmals öffnet es die Türe für ein gutes Gespräch, eine schöne Begegnung. Ich sage es immer so: wenn ich eine grosse Wiese vor mir habe mit vielen gelben Blumen und eine Blume ist rot, auf welche Blume schaut ihr? Den Spot finde ich gut um die Diskussion anzuregen. – Barbara Camenzind

Ich kann diese Kampagne ehrlich gesagt (teilweise) verstehen. Klar ist, diese Behinderung ist sicherlich irgendwo und irgendwann eine Beinschränkung. Klar ist aber auch, dass z.B. Herr Blumer wohl das meiste am Tag selbstständig erledigen kann und natürlich ein möglichst "normales" Leben leben will. Das ständige Mitleid und der ständige Drang anderer Leute helfen zu wollen würde mich auch mit der Zeit nerven (auch wenn es meist nur gut gemeint ist). Es ist ein schwieriges Thema, aber auch beeinträchtigte Menschen haben ihren Stolz verdient. – yabe

Einige hier schnallen einfach nicht um was es eigentlich geht. Mein Bruder ist 25 Jahre alt und hat auch das Down-Syndrom. Wir sind oft gemeinsam unterwegs und ich weiss ganz genau, was mir Herr Blumer mitteilen will! Danke für den realitätsnahen Spot! – Natalie W.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Selber schauen am 03.12.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Und warum

    - werden Menschen mit Behinderung von Fachleuten in Behinderteneinrichtung noch immer oer DU angesprochen. Vielleicht wäre eine Pro Infirmis Kampagne in Fachkreisen angebrachter als dieser Spot. Und warum, trägt Charly diese unmögliche Brille und nicht eine modische Brille und warum wird er von seinen Betreuern nicht darauf aufmerksam gemacht, dass er mit anderer Kleidung vielleicht weniger schief angeschaut wird?

  • Lary Fary am 03.12.2012 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Vorwuf

    Diesen Vorwuf gegen die ganze Gesellschaft hätte sich Pro Infirmis sparen können. Der Spot macht mich nicht nachdenklich, sondern wirkt äusserst unsympathisch auf mich.

  • Nuah Nungh am 03.12.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich / Ungleichbehandlung

    Ja. Das ist echt ein Problem. Neulich habe ich auch einen Rollstuhfahrer freundlich angeschnauzt weil er sich vordrängeln wollte. Da wurde ich auch komisch angeschaut, teilweise sogar angepöbelt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D. T. am 03.12.2012 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    datenschutz ade?

    naja, ich frage mich wie es um den datenschutz steht... jemanden ohne dessen wissen aufzunehmen und dann noch öffentlich zu präsentieren verletzt das recht am eigenen bild...

  • Bojan am 03.12.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    «Ich bin ein Mann, seht ihr das nicht?»

    Die Antwort ist einfach und gar nicht bös gemeint: Nein, wir sehen das nicht. Ich befasse mich zu wenig mit behinderten Menschen, als das ich einen Unterschied merken könnte. Und auch das ist gar nicht böse gemeint. Als ich ein kleiner Bub war hatte ich einen Kumpel mit einem behinderten Bruder. Diesen hab ich dann 10 jahre später nochmal und er hat - ausser, dass er grösser geworden ist - genau gleich ausgesehen. Also nehmt es uns bitte nicht übel, wenn wir den Unterschied nicht sehen.

  • Paul Brenner am 03.12.2012 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lachen ist gut

    Schon mal ein Lächeln oder Lachen "geschenkt" bekommen das weh getan hat? Tja, dann willkommen im Club.

  • Ernst Schaub am 03.12.2012 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Reaktion, aber wie ?

    Schwierig solange man optisch keinen unterschied zwischen einer mehr oder weniger geistigen Behinderung erkennt. Speziell bei Downsyndrom habe ich persönlich die verschiedensten Erfahrungen gemacht und nicht nur positive !

  • K. Kernen am 03.12.2012 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bin skeptisch

    Warum lehnt er denn den Ballon nicht ab? Und warum nimmt er die Rechnung nicht gleich entgegen? Ich denke, auch mit einer Behinderung kennt man ein minimum an (körper)sprache, kann lernen, sich durchzusetzen. Aber wenn natürlich schon die Eltern und Psychologen solche Menschen wie rohe Eier behandeln, lernen sie das auch nie. Es wäre ihre Aufgabe, solche Menschen auf die Gesellschaft vorzubereiten, statt die Gesellschaft ändern zu wollen (was meistens ja nicht möglich ist).

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