Brennende Heuballen

27. Juni 2017 14:08; Akt: 27.06.2017 16:14 Print

«Ich machte mir grosse Sorgen um das Kind»

Mitten im Feierabendverkehr verlor ein Landwirt in Rottenschwil AG brennende Heuballen - er stoppte das Fahrzeug erst auf einer Querstrasse. Laut Polizei war das richtig.

Spektakuläre Szenen: Autos müssen von der Strasse um den brennenden Heuballen auszuweichen.
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Ein Landwirt fuhr am Montag um zirka 17 Uhr mit einem Traktor inklusive Heu beladenem Anhänger auf der Hauptstrasse von Althäusern Richtung Hermetschwil AG. Bei Rottenschwil fing das Heu aus noch unbekannten Gründen zu brennen an, wie die Kantonspolizei Aargau am Dienstag mitteilte.

In der Folge verlor er mehrere brennende Heuhaufen. Diese brannten auf der Strasse weiter oder setzten das Strassenbord oder angrenzendes Wiesland in Brand. Bei einer Querstrasse in Hermetschwil hielt der Landwirt an und koppelte den Traktor vom Anhänger ab.

«Unglaubliche Hitze»

Ein Leser-Reporter hat den Vorfall mit seiner Dashcam aufgezeichnet: «Ich hatte mich sehr erschocken, als der Traktor mit dem brennenden Anhänger plötzlich auf mich zugefahren ist und ich bin sofort rechts rangefahren.» Er habe sich besonders um das Kind auf dem Traktor Sorgen gemacht, das neben dem fahrenden Bauer sass. «Die beiden mussten eine unglaubliche Hitze aushalten – nur schon als die brennenden Heuballen in die Nähe meines Autos fielen, wurde es in meinem Auto sehr heiss», so der Leser-Reporter.

Wieso der Bauer trotzdem weitergefahren sei, könne er sich nicht erklären. «Er hat den Anhänger rund 200 Meter weiter in einem Seitenweg abgestellt, wahrscheinlich wollte er einfach von der Strasse weg», sagt der Leser-Reporter. Er habe dann die Polizei alarmiert und musste rund 30 Minuten neben der Strasse warten, bis die brennenden Heuballen nicht mehr die Strasse blockierten.

Landwirt hat laut Polizei richtig reagiert

Dass ein Kind auf dem Traktor mitgefahren ist, bestätigt Barbara Breitschmid, Sprecherin der Kantonspolizei Aargau: «Das ist grundsätzlich erlaubt.» Der Landwirt habe das Feuer zuerst gar nicht bemerkt - durch den Fahrtwind ziehe es den Rauch nach hinten ab. «Entgegenkommende Autofahrer machten ihn mit Lichthupen darauf aufmerksam», so Breitschmid.

Anhänger mit Heu in Brand geraten

Der Landwirt habe richtig reagiert, in dem er das Fahrzeug zur nächsten Querstrasse gefahren habe. «Auf einer 80-km/h-Strecke ausserorts mitten auf der Strasse ein Fahrzeug mit brennender Ladung anzuhalten wäre gefährlich gewesen und hätte Unfälle zur Folge haben können», sagt Breitschmid. Mit dem Traktor ins Wiesland auszuweichen sei ebenfalls heikel. «Das Fahrzeug könnte kippen - mit entsprechender Verletzungsgefahr für den Fahrer und das Kind.»

Glücklicherweise sei niemand verletzt worden. Der Schaden beträgt mehrere 10'000 Franken. Die Brandursache ist noch unklar und Gegenstand von Ermittlungen. Wegen der Löscharbeiten war die Hauptstrasse bis 22 Uhr gesperrt.

Fachleute des Schweizer Bauernverbands gehen laut Sprecherin Sandra Helfenstein davon aus, dass die Heuballen durch Fremdeinwirkung Feuer gefangen haben: «Zwar können sich feuchte Heuballen durch Gärung so stark erhitzen, dass es zu einem Brand kommt, dies ist aber meist in einem geschlossenen Raum der Fall.»

Dass der Landwirt mit der brennenden Ladung nicht sofort angehalten hat, könnte laut Helfenstein folgende Gründe haben: «Möglicherweise wollte er nicht mitten auf der Strasse anhalten, sondern fuhr bis zur nächsten Ausweichmöglichkeit weiter.» Zudem habe er wohl so noch grösseren Schaden verhindern wollen - etwa dass die Heuballen das Waldstück oder das trockene Wiesland anzünden.

(wed/rom)