Aufstand der Professoren

30. Dezember 2009 14:51; Akt: 30.12.2009 15:23 Print

«Kriminelle», «Ellbögler» und «Deutsche»

von Katharina Bracher - Den von der SVP zitierten «deutschen Filz» wollten die Zürcher Professoren nicht auf sich sitzen lassen: Man habe kein «Deutschenproblem», sagt einer der Initianten, sondern Schwierigkeiten überhaupt Schweizer Akademiker zu finden. Die Stadtzürcher SVP bleibt vom Aufstand im Elfenbeinturm wenig beeindruckt.

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«Deutscher Filz macht sich an der Uni und an den Spitälern breit», schrieb die Stadt Zürcher SVP in einer Inseratenkampagne. Da platzte den Zürcher Akademikern der Kragen. «Diese Rhetorik ist fremdenfeindlich und undifferenziert», wettert Philip Ursprung, Kunsthistoriker und einer von 200 Professoren der Universität und ETH Zürich, die in der NZZ Ausgabe von Mittwoch ein Inserat als Antwort auf die SVP-Kampagne geschaltet haben. Wer genauer hinschaue wisse, dass die Zürcher Hochschulen dringend akademisches Personal aus dem Ausland benötigen, da die Schweiz den einheimischen Nachwuchs sträflich vernachlässige, so Ursprung.

Für die SVP der Stadt Zürich ist die Themenfront für den kommenden Gemeinderatswahlkampf klar: «Anmache, Drohungen, Gewalt und Kriminalität durch Ausländer», lautet ihre Diagnose in einem Inserat, das die Partei am 15. Dezember ihrerseits in der NZZ publiziert hatte. Aber auch die besser qualifizierten Ausländer bekommen in der Kampagne ihr Fett weg: «Ausländische Ellbögler drängen sich an unsere Arbeitsplätze», lautet der wenig überraschende Seitenhieb der Stadtzürcher SVP an die Adresse der 25'000 deutschen Staatsangehörigen, die in der Limmatstadt leben und arbeiten. Die SVP geht sogar soweit und gibt «arroganten Ausländern» die Schuld, dass die Mietpreise in Zürich in den vergangenen Monaten in astronomische Höhen gestiegen sind.

Nicht fremdenfeindlich gemeint: «Deutscher Filz»

«Die SVP vergiftet mit dieser fremdenfeindlichen Rhetorik die Gesellschaft», heisst es im Inserat der 200 Professoren, die sich gegen die SVP Kampagne zur Wehr setzen. Doch Roger Liebi, Präsident der SVP Stadt Zürich, kann nichts Fremdenfeindliches an den Wahlparolen finden. «Den Ausdruck 'deutscher Filz' als fremdenfeindlich oder rassistisch zu werten, ist lächerlich», sagt Liebi. Der Gegenangriff der Professoren lässt Gemeinderatskandidat Liebi kalt: «Es sind unter den Unterzeichnenden keine namhafte Lehrstuhlinhaber vertreten», entgegenet er.

Doch das sieht Philip Ursprung anders. Er sehe keine namhaften Lücken: «Immerhin sind neben den Initianten Jakob Tanner, Philip Sarasin und Kurt Imhof auch die Namen von renommierten ETH-Forschern und Uni-Klinik-Direktoren vertreten», so Ursprung. Ins Auge stechen auch der ehemalige Uni-Rektor Hans Weder und der Präsident des Schweizerischen Nationalfonds, Dieter Imboden. Es sind vorwiegend Schweizer Professoren, die sich für ihre deutschen Kollegen stark machen. Die Inseratekosten von rund 13'000 Franken bezahlen sie aus eigener Tasche.

Doch die SVP sieht sich in ihren Aussagen zum «deutschen Filz» an Spitälern und Hochschulen durch Aussagen von «verschiedener Seite aus Universitäts- und Ärztekreisen» bestätigt. Dem widerspricht Ursprung: «Wir haben kein Deutschenproblem. Wir sind froh um qualifizierte Kollegen aus Deutschland.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Brunner am 30.12.2009 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    nichts gegen Deutsche

    Lieber zwei Deutsche als einer aus dem Balkan..

    einklappen einklappen
  • Christian Mettler am 30.12.2009 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Aufregung? Es stimmt halt doch

    Ich stehe zu dieser Aussage, weil ich es am eigenen Leibe wie auch viele anderen Kollegen erlebt habe! Zum Glück sind nicht alle gleich! Leider werden dann aber jene, "Moderaten" die sich anpassen in den gleichen Topf geworfen! Was stört ist dabei die Selbstherrlichkeit, wie gewisse Herren in einem fremden Land als Gast regieren, als gehörte ihnen die Schweiz und zudem in ihrem Heimatland das Kapital anlegen und ein Haus bauen. Eine Regulierung ist dringend angesagt und eingeleitet.

  • Tina am 30.12.2009 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Als es die "Kleinen" traf ....

    .... war alles nicht so schlimm. Die Werte der Wirtschaft und an den Börsen konnten so ja nur steigen, mit dem geringen Ausländerlohn der Neubeschäftigten. Aber nun nagt die Arbeitskräfteflut aus dem Ausland auch an Euren Stühlen. Ihr wolltet es so, jetzt habt Ihr es ! Tja, dumm gelaufen !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elisa am 30.01.2010 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Vorurteile

    Warum schauen Sie nicht jede Person als Individuum an, sondern stecken sie in Schubladen, wie "Deutsche -> Arrogant, vorlaut etc."? Stellen Sie sich vor, Sie brauchen eine Herzoperation: Wollen Sie den Besten oder einen Schweizer Arzt? Nicht, dass er nicht beides sein kann. Aber man sollte von diesem Denken wegkommen. Am schlimmsten finde ich, dass man jetzt mit dem 2. Weltkrieg als Argument kommt! Ich bin sprachlos

  • Dr. Maria von Arx am 30.01.2010 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Problem ja - Lösungsvorschlag

    Natürlich ist es so, dass der Bedarf an Professoren in einem GLOBALISIERTEN Markt nicht allein von CH-Bürgern gedeckt werden kann, aber es ist logisch, dass sich tatsächlich ein deutscher Filz an den ZH Unis ausgebildet hat und auch nicht negiert werden kann. Die Abhilfe ist, dass wir die Bologna Reform nutzen und vermehrt Professoren aus ALLER Welt rekrutieren, was automatisch den deutschen Filz aufheben würde und uns auch mehr internationale Studierende und mehr Englischkenntnisse bringen würde.

  • Rat Geber am 10.01.2010 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Das Konzept der SVP ist gefährlich!

    Lange genug haben schweizerische Nachwuchswissenschaftler nur auf ihre zwei bis drei einheimischen Konkurrenten geschaut und geglaubt, die eigene Karriere werde schon gelingen, wenn man nur geringfügig besser ist als der inländische Wettbewerber. Das ist zu wenig für eine Uni oder ETH mit internationaler Spitzenforschung. Anstatt den markt abzuschotten sollten wir frühestmöglich lernen, uns an den international Besten zu messen. Wenn wir das ernst genug nehmen, dann sind wir auch gut aufgestellt. Abschottung und ruhige Kugel schieben ist nicht die Lösung!

  • Christine Müller am 08.01.2010 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    genug ist genug

    Es hat immer deutsche und ausländische Professoren, aber auch Studierende gegeben, die wegen Fremdenfeindlichkeit Zürich verlassen haben. Es ist genug der anti-deustchen Kommentare. Professoren werden nicht von Deutschen berufen, sondern von einer Berufungskommission ausgewählt. In der Schweiz nur schweizer Professoren anzustellen entspräche ungefähr der Idee, in Los Angeles nur Professoren aus Californien anstellen oder in Tübingen und Heidelberg nur Professoren aus Süddeutschland.

  • Dino am 05.01.2010 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Da hat die SVP recht!

    Ich wähle konsequent grün. Wer proftiiert denn von dieser massiven Zuwanderung? Immobilienhaie vor allem. Die Deutschen waren nun mal nie wirklich beliebt hier, und dieser Trend setzt sich fort. Das wird an manchen Orten offen und an andern eher diskretier artikuliert. Zuviel ist zuviel. Den Schönschwätzern von Avenir Suisse et al glaubt eh keiner mehr.